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Am 21. Dezember 1911 wurde in St. Martin Ludwig Schreieck als Sohn der Winzereheleute Jakob und Margaretha Schreieck
geboren. Schon in früher Jugend machte der Junge seine Umgebung auf seine zeichnerischen Talente
aufmerksam. In der Gaststube des Winzervereins, die sein Vater als "Winzerwirt" führte, übte er
sich in der Porträtmalerei. Die Stammgäste am runden Tisch, der "Krumme Henrich", der "Molle Jörg"
und der "Goldunkel" waren seine ersten Modelle.
Max Slevogt, der oft in die Winzerstube kam, beobachtete das junge Talent. Er erteilte Ratschläge
und gab auf seinem Wohnsitz Neukastell Einblick in sein Schaffen.
Der eigentliche Entdecker war Oberlehrer Franz Hilschmann von Ludwigshafen. Er setzte es durch,
den begabten Ludwig, trotz Weigerung des Vaters, auf die Kunstgewerbeschule, geleitet von Professor
Köpper, nach Mainz zu schicken. Seine Initiative, festgehalten in einem Brief, ist noch erhalten:
"Gelegentlich eines Besuchs des Winzergenossenschaftslokals in St. Martin fand ich bei dem Sohn
des Wirts, Herrn Schreieck, ein ganz hervorragendes Talent zum Zeichnen. Rasche Auffassung und
Gestaltungskunst sind gepaart mit größtem Fleiß. Meiner Ansicht nach können diese Eigenschaften
nur gefördert werden auf einer Schule, weshalb ich dem Vater anriet, seinen Sohn Ludwig
zunächst einmal einer Kunstgewerbeschule zu übergeben. Ich schlug vor die Kunstgewerbeschule
Mainz, Karlsruhe oder München. Es wäre schade, wenn das Talent und der Fleiß des jungen Ludwig
Schreieck nicht in jeder Weise Unterstützung fände."
1927-1928 besuchte Ludwig Schreieck in Mainz die Kunstgewerbeschule. Dann zog es ihn nach München.
Seine Prüfung legte er im Jahr 1930 ab. 1930-1931 setzte er sein Studium bei dem Münchner Professor
Klein fort. Zu dieser Zeit machte er sich als Porträtist schon einen Namen. Max Slevogt und Otto
Dill bescheinigten ihm, den Rahmen des Provinziellen überschritten zu haben.
Nach den Studienjahren folgten die Schaffensperioden. Der junge Künstler zeichnete sich als
Meister der Bildniskunst' der Landschaftsmalerei und des Stillebens aus. Motive waren immer
wieder Winzer und Winzerinnen. Er entdeckte mit sicherem Auge das Herz und die Seele seiner Heimat.
Er liebte keine Extreme, sondern alles, was ihm St. Martin und seine nähere Umgebung schenkten:
Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften.
Der Zweite Weltkrieg brach aus. Ludwig wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Im Jahr 1942 gab man ihm
in Posen Gelegenheit, sich künstlerisch zu betätigen. Beabsichtigt war eine Wanderausstellung junger
hervorragender Künstler. Sie wurde von Saarbrücken nach Krakau gebracht. Von dort sollte sie in
sämtlichen Distrikts-Hauptstätten des Generalgouvernements gezeigt werden. Sie stand unter
dem Titel "Deutsche Künstler sehen das Generalgouvernement". Ludwig Schreieck ließ fünf Olgemälde,
dreizehn Aquarelle und zwei Temperabilder ausstellen. Insgesamt stellten mehrere Künstler 180 Werke
aus. Damals erhielt Ludwig Schreieck den ersten Preis in Höhe von 19 000 Zloty. In der
"Deutschen Wacht", Arbeitsbereich Generalgouvernement vom 21. August 1943 stand zu lesen:
"Dieser junge Künstler, der jetzt bei der Wehrmacht steht, hat sich durch hervorragende
künstlerische Leistung ausgezeichnet. Seine Olbilder und Aquarelle überzeugen durch die
Geschlossenheit der Form, durch ihren künstlerischen Aufbau, ebenso wie durch Sicherheit des
Vortrags und ihre vollendete Farbgebung."
An der Hauptkampflinie der damaligen Ostfront bei Dnjepropetrowsk traf den rasch reifenden
Künstler die todbringende Kugel in den Mund und verletzte Ober- und Unterkiefer. Erst vierzehn
Tage nach der Verwundung wurde er nach München geflogen. Im Lazarett, gegenüber der ehemaligen
Nachrichten-Abteilung 7, versuchten die Ärzte, ihn durch künstliche Ernährung zu retten. Alles
war vergeblich. Eine schwere Lungenentzündung löschte am 15. April 1944 ein hoffnungsvolles Leben aus.
Viele Beileidsschreiben aus dem In- und Ausland sprachen von einem tragischen Verlust der Malerei.
Die Heimatgemeinde St. Martin verlor ihren großen Sohn, dem ein kometenhafter Aufstieg, wie ihm die
Fachwelt bescheinigte, bevorstand.
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