Kurzvorstellung St. Martins

Handwerk, Gewerbe, Industrie

Bis zum Zweiten Weltkrieg dominierten die Gewerbe, die für die tägliche Versorgung, Weinbau und Viehhaltung benötigt wurden. So waren zum Beispiel 1839 erwerbstätig:

  • 101 Winzer
  • 16 Leineweber
  • 15 Küfer
  • 12 Taglöhner
  • 8 Gastwirte
  • 6 Bäcker
  • 3 Maurer
  • 2 Metzger
  • 6 Steinhauer
  • 4 Schreiner
  • 5 Krämer
  • 5 Bäcker
  • 6 Schuhmacher
  • 4 Schneider
  • 2 Barbiere
  • 3 Zimmerleute
  • 3 Hufschmiedemeister
  • 3 Spengler
  • 4 Müller
  • 2 Wagner
  • 10 Musikanten
  • 2 Totengräber
  • 3 Fuhrleute
  • 7 Näherinnen
  • 5 Tüncher
  • 36 Witwen führten den Betrieb ihres Mannes weiter.

Alle, die hier aufgeführt wurden, ernährte das Dorf; den einen mehr, den anderen weniger. Müller, Metzger und Gastwirte zählten zu jenen, die am meisten verdienten.

Eine industrielle Entwicklung kann St. Martin nicht verzeichnen. 80 % der Bevölkerung waren bis zum Zweiten Weltkrieg im Weinbau tätig. Der Strukturwandel der 50er und 60er Jahre setzte Arbeitskräfte frei. Dies läßt die Pendlerbilanz erkennen.

1970 wurden bereits 493 Berufsauspendler registriert. 1987 stieg deren Zahl auf 527, im Jahr 1990 sogar auf 719.

1970 listete die Gemeinde 40 Einpendler auf. Im Jahr 1987 belief sich deren Zahl auf 99.

Die Zahl der Ausbildungsauspendler stieg 1970 auf 92, im Jahr 1987 auf 192.

Versorgungseinrichtungen

In alter Zeit leiteten ausgehöhlte, aneinandergereihte Baumstämme frisches Quellwasser vom Brunnenhäuschen zu den einzelnen Brunnen, die fast in jeder Straße anzutreffen waren. Dem Brunnenmeister oblag, täglich nach dem Rechten zu sehen.

Wegen der "eigentümlichen Gassen" wurde bereits 1875 eine nächtliche Straßenbeleuchtung aufgestellt.

Ein denkwürdiges Ereignis fand am 21. Juni 1892 statt. An diesem Tag wurde die Wasserleitung feierlich in Betrieb genommen.

Am 30. Juli 1905 beschloß der Gemeinderat, elektrisches Licht einzuführen. Die Firma Wilhelm Leiner aus Pirmasens erstellte die Anlage in der Hintergasse.

Seit 1919 versorgen die Pfalzwerke das Dorf mit Strom.

1994/95 wurde St. Martin an die Gasversorgung angeschlossen.

Die Abwasserbeseitigung ist die Aufgabe der Verbandsgemeinde, die in Kirrweiler eine moderne Kläranlage betreibt.

Fremdenverkehr

St. Martin, als Wein- und Luftkurort bekannt, wurde im Dezember 1996 zum schönsten Ort an der Deutschen Weinstraße gekürt. Schon in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts erblickte es im Fremdenverkehr einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Von jeher bietet es nämlich Spaziergänge und größere Ausflüge, seien es die Pfade um die Haardt oder Partien auf dem Ottilien- Hoch- oder Hüttenberg mit seinem Felsenmeer, die Totenkopfplatte oder der Gipfel der Kalmit. Die Kirschblüte zog von Jahr zu Jahr mehr und mehr Besucher an. Allmählich mauserte sich das Dorf zu einem attraktiven Fremdenverkehrsort.

Fünf Hotels, 25 Gasthäuser, vier Straußwirtschaften, eine Parkanlage mit Minigolf, Grillplatz und Grillhütte, Sauna, Camping- und Kinderspielplatz, Ferienhäuser, Tagungs- und Konferenzräume, Bücherei, Radwanderweg, Trimm-Dich-Pfad, Waldlehr- und Weinlehrpfad, Reitgelegenheit, Weinproben, Ortsführungen, Wein- und Vereinsfeste, insbesondere aber das grüne Sanatorium, der Wald, locken Gäste aus nah und fern an.

Die Übernachtungstabelle verdeutlicht die Beliebtheit des Ortes und seiner Naturschönheiten.

 Jahr  Übernachtungen
 1973  14 673
 1979  40 785
 1982  60 605
 1983  46 095 - Bettenzahl 327
 1986  70 821
 1988  85 088 - 50% gewerblich - 27%privat
 1989  96 447 - 51% - 21%
 1994  91 722 - Bettenzahl 734
 1995  85 955 - Bettenzahl 812
 1997  95 530
 1998  95 000
 1999  92 262
 2000  93 119
 2001  95 415
 2002  92 691
 2003  89 000
 2004  94 100
 2005  95 264 - Bettenzahl 850
 2006  94 813
 2007  101.886

Durchschnittliche Aufenthaltsdauer 2005: 2,8 Tage

Nicht selten lassen sich hohe Persönlichkeiten vom Ortsbild und seiner Landschaft begeistern.

Die Schattenseiten des Fremdenverkehrs liegen in der einseitigen Ausrichtung der Infrastruktur auf die Bedürfnisse der Erholungssuchenden, während jene, die hier wohnen und arbeiten, viele Dinge des täglichen Bedarfs im Ort nicht mehr erhalten. Als Beispiele seien die Schließung des Raiffeisenlagers vor einigen Jahren genannt, die Aufgabe des letzten Lebensmittelgeschäftes (2001) und der Post- und Quelleagentur (2003); keine geringen Verluste für die einstmals vorhandene dörfliche Autarkie.

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