Kurzvorstellung St. Martins

Landwirtschaft und Weinbau

Bis zum Zweiten Weltkrieg war St. Martin zu 70% vom Weinbau geprägt. Riesling, Portugieser und Silvaner wurden am häufigsten angepflanzt. Erwachsene Söhne und Töchter arbeiteten bis zur Heirat im Familienbetrieb mit, der selten mehr als 2 ha umfasste. Weit über einhundert Familienväter verdienten ihr tägliches Brot als Winzertagner oder als Arbeiter. Um Kleinwinzern, Tagnern und Arbeitern einen lohnenden Nebenverdienst zu sichern, konstituierte sich am 11. September 1910 der Obstbauverein. Im Jahr 1951 erbrachte eine Auflistung folgende Zahlen:

  • Kirschbäume 2215
  • Pfirsiche 1484
  • Birnen 1277
  • Äpfel 993
  • Pflaumen 520
  • Der Gesamtumsatz betrug 33.000 DM.

Auch die Heidelbeerernte im Monat Juli linderte die gröbste Not. Im Jahr 1928 wurde ein Umsatz von 83.000 RM erzielt.

Bis zum Zweiten Weltkrieg waren etwa 80% der Bevölkerung im Weinbau tätig. Um 1950 setzte allmählich die Abwanderung zur Industrie ein. Den Verlust der seitherigen Arbeitskräfte ersetzten landwirtschaftliche Maschinen. Diese erwiesen sich für kleinere Betriebe als völlig unrentabel. Zugunsten der größeren Unternehmen gaben die Kleinwinzer ihren Betrieb auf.

1973 bewirtschafteten 86 Vollerwerbsbetriebe 211,00 ha, 50 Zuerwerbsbetriebe 59,00 ha und 178 Nebenerwerbsbetriebe 50,00 ha.

1989/90 verzeichnete St. Martin 169 Betriebe. Davon bezogen lediglich 53 ihr überwiegendes Einkommen aus dem Weinbau.

1995 zählte man 35 Vollerwerbsbetriebe, die zu 97 % ihren Wein selbst vermarkteten.

Die Nebenerwerbsbetriebe waren teils Mitglieder der "Winzergenossenschaft zum Ritter von Dalberg", die 1902 unter dem Namen "Winzerverein" gegründet worden war und seit 2001 unter dem Namen "Weinkontor Ritter von Dalberg" zur Winzergenossenschaft Edenkoben e.V. gehört, teils sind sie Beteilligte der "Erzeugergemeinschaft St. Martin", gegründet 1975, deren Mitgliederzahl sich auf 140 erhöht hat.

Gestaltung des Rebgeländes:

70 % des Rebareals = flach, das sind 180 ha
22 % des Rebareals = geneigt, das sind 60 ha
8 % des Rebareals = hängig, das sind 30 ha
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Insgesamt: 270 ha

Status 31.12.2000 St.Martin
Gemarkung: 1050 ha
davon Wald: 730 ha
davon Weinberge: 250 ha

Die häufigsten Rebsorten sind heute: Riesling, Portugieser, Müller-Thurgau, Scheurebe, Dornfelder und Ortega.

Mit dem Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen wurden die Zugtiere nicht mehr gebraucht. Die Wiesen, die drei Zehntel der Gemarkung ausgemacht hatten, wurden nacheinander gerodet oder der Brache überlassen.
Die Entwicklung der Viehhaltung zeigt nebenstehende Tabelle:
 Jahr  Rinder  Milchkühe  Pferde
 1950  167  156  54
 1955  115  106  60
 1960  35  34  62
 1965  8  6  37
 1970  4  3  13
 1975  3  1  7

Der Wald

St. Martin besitzt heute 810,60 ha Wald. Davon wurden am 8. August 1823 im Zuge und Auflösung der V. Haingeraide 787 ha der Gemeinde St. Martin zugeordnet. Der Wald wird durch das Forstamt Edenkoben verwaltet und bewirtschaftet.

Zum Forstverband der V. Haingeraide zählen außer St. Martin die Ortschaften Maikammer, Kirrweiler und Diedesfeld. Letztere schied im Zuge der Eingemeindung (Neustadt) aus dem Verband aus.

In früher Zeit verwaltete jeweils eine Gruppe von Dörfern den von Abgaben freien, gemeinsamen Waldbezirk und stellte die Satzungen in Form von Weistümern auf. Jede Gemeinde hatte ihren Beitrag zur Geraideverwaltung zu leisten. Maikammer, als Sitz der V. Haingeraide, stellte den Schultheißen, Kirrweiler den Waldmeister, Diedesfeld die Weißaxt und St. Martin die an der Geraide Gerechtsame (Kontrollrecht). Die Geraide hatte ihr eigenes Gericht. Meist am Montag vor Aschermittwoch berief der Schultheiß die Geraide-Vollversammlung ein. Diese fand am Geraidestuhl (auf vier Säulen stehendes Häuschen in Maikammer, an der Kreuzung B 38, Bahnhofstraße) statt. Hier wurde die Geraideordnung verlesen und die Bauern über ihre Rechte und Pflichten informiert, außerdem wurde das Verzeichnis der bestraften Personen publiziert. Die Stürme der Französischen Revolution blieben nicht ohne Einfluß auf die bestehenden Rechtsverhältnisse. Durch einen Erlaß wurden am 10. März 1802 die Gemeindewälder unter staatliche Aufsicht gestellt.

Im naturnahen Waldbau bilden heute Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze mehr. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen gleichermaßen den Rohstoff Holz wie auch die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes. Den Gewinnen durch Holzverkauf stehen die durch Fällungs-und Rückekosten, durch Kulturen und Bestandspflege, Wegebau und- unterhaltung, Forstschutz und Sozialleistungen entstandenen Aufwendungen entgegen, so daß Defizite die Regel sind. Dennoch bleibt der Wald das "ökologische Rückgrat " (Kurt Beck) der Landschaft.

Nachtrag 2004: Im Zuge der rheinland-pfälzischen Forstreform gehört der St. Martiner Wald nun zum Forstamt Haardt, das aus den ehemaligen Forstämtern Landau, Edenkoben sowie Teilen der bisherigen Forstämter Bellheim und Haßloch-Neustadt gebildet wurde.

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