Kurzvorstellung St. Martins

Schule, Kultur, Vereinswesen

Schule

In St. Martin lassen sich die schulischen Anfänge bis ins Jahr 1583 zurückverfolgen. Eine Eintragung des genannten Jahres nennt den Lehrer Jakob Christ, der bei einer Taufe zum Paten genommen wurde.

Im Jahr 1599 wurde westlich der Pfarrkirche das erste Schulgebäude erstellt. Es war einstöckig und stand in einem Baumgarten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg stieg stetig die Zahl der Einwohner. Fürstbischof Damian Hugo Philipp Graf von Schönborn (1719 - 1743) ordnete die allgemeine Schulpflicht nach vollendetem 6. Schuljahr an. Der kleine Schulsaal reichte nicht mehr aus. 1727 ließ die Gemeinde das Schulhaus aufstocken und den einzigen Saal im Erdgeschoß erweitern. Das obere Stockwerk des Gebäudes diente dem Lehrer als Wohnung. Ein weiterer Schulsaal wurde zur gleichen Zeit im Rathaus eingerichtet.Die Schülerzahl stieg und stieg. 1797 besuchten 104 Schüler den Unterricht. Im Jahr 1827 wurde ein neues Rathaus mit zwei Schulsälen errichtet. Nach der bayerischen Schulordnung durften einem Lehrer 80 Schüler zugemutet werden. 1877 unterrichteten drei Lehrer 241 Schüler.

Die Gemeinde drängte auf Errichtung eines neuen Schulgebäudes. Es erstand im Jahr 1879 auf dem ehemaligen Kirchhof, der sich von der Kirche bis zur Bergstraße ausdehnte. Die feierliche Einweihung fand am Festtag der siebenhundertjährigen Regierung des Hauses Wittelsbach und Namenstag des Königs Ludwig II., am 25. August 1880 statt. 1890 zählte die untere Knabenschule 90 Schüler, die obere 91, die untere Mädchenschule 99 Schülerinnen und die obere 87, die von vier Lehrkräften unterrichtet wurden. Nur 56 Zentimeter Pultlänge standen einem Schüler zu. 1909 wurde die Schule um zwei Lehrsäle erweitert. Sechs Lehrer unterrichteten nun in St. Martin.

Mit Beginn des Schuljahres 1971/72 wurde durch einen Erlaß der Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz die Volksschule in St. Martin aufgelöst. Bestehen blieb die Grundschule.

Einzuschulende Kinder (nur Hauptwohnsitz)
Quelle: Verbandsgemeinde Maikammer. Stand: 31.12.2005

Kultur

Hierorts wurden die Voraussetzungen für einen kulturellen Aufstieg vorwiegend im 19. Jahrhundert geschaffen. Drei Gasthäuser, alle mit einem geräumigen Saal, einer mit einer Musikertribüne ausgestattet, wurden in der Zeit von 1834 bis 1893 erbaut, obwohl der "Grüne Baum", die "Krone" und der "Goldene Wolf" je einen Saal bereits aufweisen konnten.
Sechs Säle boten somit genügend Raum für Ausstellungen, Musikveranstaltungen sowie für Vereinsfeste und Theateraufführungen. Der kunstschaffende Maler, Richard Platz, schuf um 1920 im "Grünen Baum" eine Bühne, die nicht nur den damaligen Ansprüchen genügte, sondern weit und breit Bewunderung hervorrief.

Das "Haus am Weinberg", auf der Höhe des Breitenberges 1960/61 erbaut, ist eine Stätte der internationalen Begegnung, zugleich dient es kulturellen Veranstaltungen und der Fortbildung.

1978 wurde das Pfarrzentrum, ein Gemeinschaftshaus für Bildung und Vereinsarbeiten erstellt. Für kulturelle Darbietungen ist das Gebäude vorzüglich geeignet. Der Saal mit Bühnen- und Tonanlage bietet 400 - 500 Personen Platz.

Die "Alte Kellerei", die 1771 der letzte regierende Dalberger, namens Gottlob Amand, erbauen ließ, dient nach gründlichen Renovierungsarbeiten kulturellen Veranstaltungen. Ein Saal mit Bühnenanlage ist vorhanden.

Feste

Der Veranstaltungskalender der Ortsgemeinde weist zahlreiche Feste auf, die zu einem großen Teil von den hiesigen Vereinen gestaltet werden. Das herausragendste ist das St. Martinus-Weinfest, das sich um den Dorf- und Kirchenpatron St. Martinus rankt, dessen Gedenktag am 11. November begangen wird.

An mehreren Tagen werden besondere Attraktionen geboten, zum Beispiel die Pferdesegnung, der Martinsritt , der Martinslauf, der vor allem die Sportler anzieht, die feierliche Überbringung der Martinusstatue zu einem jährlich wechselnden Winzerhof und die Verlosung der Gänse [bis 2000 - seit 2001 Gänsemenüs].

Am Martinstag (Martini) findet ein Lampionumzug der Kinder statt. Während des Umzuges werden halbe Gratisbrezel an die Teilnehmer verteilt - ein Hinweis auf die Mantelteilung des hl. Martin.
Das Martinusspiel der Laienspielgruppe vor der Kirche bildet den feierlichen Abschluss dieses Tages.

Brauchtum

So, wie der Wein im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht, so verband sich auch das Brauchtum mit ihm im Weinlesefest.

Bis in die 30er Jahre hinein fand zum Schluß des Herbstes ein Winzerfestzug, das sog. "Herbstpuddel" statt. Voraus fuhr ein mit einer Fahne, Weinlaub und Trauben geschmückter Wagen, in dessen Mitte auf einem Faß ein junger Winzer saß, der sich als Bacchus verkleidet und mit Weinlaub geschmückt hatte. Den gefüllten Weinbecher schwenkend, grüßte er die Zuschauer. Es folgten, teils fahnenschwingend und fröhlich singend, die Winzer und Winzerinnen in Arbeitskleidung. Sie trugen Traubenkübel, die mit Weinlaub geschmückt waren.
Nach Auflösung des Festzuges traf sich abends die Jugend in den Scheunen zum Tanz, während die ältere Generation sich bei Kuchen und Kaffee erfreute.

Das heutige Martinsbrauchtum, bestehend aus:
- Pferdesegnung
- Martinusspiel
- Lampionumzug mit Freibrezel
- Wanderbild des hl. Martinus
- Weinfest
- Martinsfeuer
- Martinslauf
ist nach dem 2. Weltkrieg durch das Aufblühen des Fremdenverkehrs sukzessive entstanden.

Vereine

Das Vereinsleben ist der Pulsschlag der Gemeinde. Sein gemeinschaftsbildender Charakter belebt und aktiviert das dörfliche Leben, egal ob es sich um die Trachtengruppe, Pfälzerwald-Verein, Cäcilienverein, Winzerverein, Weinbauverein, die Freiwillige Feuerwehr, Förderverein, Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, Katholische Junge Gemeinde, die Katholische Frauengemeinschaft oder andere Gruppen handelt.
Die meisten Mitglieder, es sind derer 630 an der Zahl, kann der Turn- und Sportverein aufweisen. Ihm folgt der Elisabethenverein mit 600, sodann die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung mit 306 Mitgliedern. Letztere unterhalten ein eigenes Gebäude. Dem 1893 gegründeten Turn-und Sportverein steht eine moderne Sporthalle sowie ein gepflegter Sportplatz zur Verfügung.

"Musikantendorf" St. Martin
Der Carneval-Verein Frohsinn aus Edenkoben wirbt 1886 mit der Hundemer-Kapelle St. Martin war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg unter dem Namen "Musikantendorf" bekannt. Zwei Kapellen, die "Kiefer-" , und die "Hundemerkapelle" , genossen über die Grenzen der Pfalz hinaus einen guten Ruf. Heute ist es die KAB -Blaskapelle, gegründet 1954, die das musikalische Erbe pflegt. Sie ist aus dem kulturellen Leben des Dorfes nicht mehr wegzudenken.
Außerdem bereichern drei Chöre das kulturelle Geschehen. Der Kirchenchor St.Cäcilia (gegr. 1882), die "arche musica"    (1987) und die KAB-Singgruppe (1900).

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