Kurzvorstellung St. Martins

Religiöse Verhältnisse

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1203. Sie beurkundet die Loslösung der damaligen Kapelle von der Mutterkirche in Kirrweiler durch eine Verfügung des Bischofs Conrad von Scharfenberg. Gleichzeitig wurde dem Truchseß Counrad von Cropfesberc das Patronatsrecht verliehen, das künftig jeweils vom Ältesten im Mannesstamm ausgeübt werden sollte.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1285 bezeugt erstmals einen Pleban namens Heinrich in Marten (St. Martin). Das Kirchlein dürfte eine Wallfahrtsstätte gewesen sein, denn die Urkunde aus dem Jahr 1203 berichtet: "qui dicitur apud sanctum Martinum"; also in einem Ort beim heiligen Martin gelegen.
Das Kirchlein, vermutlich aus Holz erstellt, wich im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts einem Steinbau. Von dem romanischen Westturm steht noch der Unterbau. Dieser konnte aufgrund der Bearbeitung der Steinquader im Vergleich mit anderen Bauten relativ genau datiert werden.

Die gotische Aufstockung des Turmes im Jahr 1488, die barocke 1774/79 und die neugotische im Jahr 1890 zeigen entsprechende Gesimsbänder.
Vermutlich regte Junker Hanns von Dalberg im Jahr 1492 den Bau des an. Das Netzgewölbe umfaßt drei Joche. Die gekehlten Rippen ruhen auf profilierten Polygonkonsolen, denen Köpfe vorgelegt sind.
Von 1774 bis 1779 erfolgte der Neubau des Langhauses. Carl Philipp Schneider von Edenkoben wurde vom Oberamtsschaffner der Hochfürstlichen Hofkammer beauftragt, den Neubau zu erstellen. An Chor und Turm durften nur Reparaturarbeiten ausgeführt werden.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich das Gotteshaus in einem desolaten Zustand. Architekt Ferdinand Bernatz erhielt den Auftrag, die Kirche zu erweitern. Das Langhaus wurde um zwei Fensterachsen erweitert und der Chor zwanzig Meter ostwärts in den Pfarrgarten versetzt. Außerdem wurden die Mauern um 80 Zentimeter erhöht, die Fenster gotisiert, in den Winkeln zwischen Chor und Langhaus diagonale Seitenkapellen eingefügt und der Turm um zehn Meter erhöht. Am 28. August weihte Bischof Joseph Ehrler von Speyer die erweiterte Kirche ein.
Das Gotteshaus birgt im Innern erlesene Steinbildwerke, zum Beispiel die Grablegung Christi aus dem Jahr 1514. Stilgemäß läßt das Grabmal auf die weitverbreitete Schule des Mainzer Bildhauers Hans Backoffen (1460 - 1519) schließen.
Das Doppelgrabmal des Ritters Hanns von Dalberg und seiner Gemahlin, Catharina Dalberg geb. von Cronberg dürfte ein Frühwerk des sogenannten Meisters von Oppenheim sein. Eine beachtenswerte Schöpfung ist das Sakramentshäuschen, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts geschaffen wurde.

Bis zum heutigen Tag (1996) wirkten in St. Martin nur katholische Priester, weil die Bewohner auch nach der Reformation ihrem Glauben treu geblieben waren. Das Dorf unterstand nämlich den Fürstbischöfen von Speyer. Im Lauf der Jahrhunderte variierte die Zahl der evangelischen Christen nur unwesentlich. Im Schnitt zählte man zwanzig Protestanten. Bis 1896 wurden sie vom Pfarrverband Edenkoben betreut. Am 4. November 1896 erfolgte die Lostrennung der St. Martiner Protestanten vom Pfarrverband Edenkoben zwecks Einrichtung des protestantischen Vikariatbezirks Maikammer. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der Protestanten stetig zu.

Bis ins Jahr 1998 verfügte die Pfarrei St. Martin über einen eigenen Seelsorger (und oft auch noch über einen Frühmesser/Kaplan).
Seit 1998 ist die St. Martiner Pfarrstelle unbesetzt. Die Pfarrei wird von Pfarrer Kolb aus Edenkoben mitbetreut.

Nachtrag Oktober 2008: St. Martin gehört jetzt zu einer Pfarreiengemeinschaft bestehend aus Roschbach/Walsheim, Edesheim, Edenkoben und St. Martin.

 Jahr   Einwohner   rk.  ev.  andere
 1916    2003  19  
 1960    1965    60 (mit ev.)
 1961  1995  1919  72  4
 1975  1947  1784  137  26
 1980  1940  1709  192  39
 1985  1853  1591  221 130
 1995  1937  1470  290  177
 1999  1952  1407  302  243
 2005  1875  1315  268  292

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