Kurzvorstellung St. Martins

67487 St. Martin - Südliche Weinstraße

St. Martin - Südliche Weinstraße

Siedlung

Der 1940 Einwohner zählende historische Wein- und Luftkurort St. Martin zählt zur Verbandsgemeinde Maikammer. Er liegt im Kreis Südliche Weinstraße. In einer langgestreckten Talfalte eingebettet, lehnt sich das Dorf an den Ostabhang des Haardtgebirges. Im Norden wird es von der zweithöchsten Erhebung der Pfalz, der Kalmit begrenzt. Die Totenkopfstraße, die zum deutsch-französischen Biosphärenreservat "Pfälzerwald-Nordvogesen" führt, zieht unmittelbar am nördlichen Dorfende vorbei. Südlich des Ortes erhebt sich auf einem vorgelagerten Hügel des Hochberges die Veste, einst Sitz der obersten Barone des Reichs, der Ritter von Dalberg. In östlicher Richtung breitet sich die Rheinebene aus.

Ortsname

Die Siedlung ist aus einer dem fränkischen Nationalheiligen Martinus geweihten Kapelle der Merowingerzeit hervorgegangen. Sie dürfte sich im 7. /8. Jahrhundert als Ausbauort von Maikammer, dem Magingheim der Landnahmezeit des 5. und 6. Jahrhunderts an der Römerstraße entwickelt haben. Zur Zeit ihrer Entstehung führte die Siedlung den Namen Marten (Martinus), im Mittelalter Martenheim, nach dem Dreißigjährigen Krieg dominierte die Bezeichnung St. Martin

Ortswappen

Das Dorf ist der einzige Ort in der Bundesrepublik, der den Namen des Bischofs Martin von Tours trägt. Der Heilige, der als Orts- und Kirchenpatron verehrt wird, findet daher im Ortswappen besondere Würdigung. Dieses zeigt im blauen Schilde, aus dem drei Spitzen in das goldene Schildhaupt aufsteigen, den golden gekleideten St. Martin auf silbernem, rot gezäumten, nach rechts schreitendem Rosse, seinen rotgefütterten Mantel mit dem silbernen Schwert teilend, in der ersten und dritten blauen Spitze je eine silberne heraldische Lilie, in der Mitte des Schildfußes einen kleinen silbernen Schild mit schwarzem Hufeisen.

Lage/Anbindung

St. Martins Gemarkungsfläche beträgt 1200 ha, davon werden 270 ha als Rebflächen genutzt. Der Waldanteil beträgt 810 Hektar. Das Dorf liegt 240 m ü. M. zu beiden Seiten des Kropsbaches, der in Richtung Maikammer die Gemarkung verläßt.
Die Landesstraße 514 führt zum Autobahnanschluß Edenkoben. Die Kreisstraße 32 zur Bundesstraße 38. Außerdem verbinden die Busse des Weinstraßenverkehrs, die tagsüber stündlich verkehren, das Dorf mit den Ortschaften entlang der Weinstraße sowie mit den Städten Neustadt und Landau.

Ortsentwicklung

Zur Zeit der Besiedlung bildeten Ackerbau und Viehzucht die Lebensgrundlage des sich allmählich um das Martinskirchlein und an den Hängen entwickelnden Weilers. Die Flurnamen "Viehtrifft", "Viehgässel", "Sauweed", "Geißenweide", "Schafskopf ", "Rambergel", "Hartwiesen" (Hart = Hert, Hirte) geben Grund zu dieser Annahme.
Die Klöster Weißenburg und Eußerthal, die im frühen Mittelalter in St. Martin begütert waren, intensivierten und kultivierten den Rebanbau. Infolgedessen rückte der Weinbau in den Vordergrund des Wirtschaftslebens.
Im 14. Jahrhundert begann der zum Hochstift Speyer gehörige Pfarrort, dessen Geschichte - abgesehen von einer zeitweiligen Verpfändung mit der Ortschaft Weyher und der Rietburg - mit der Kropsburg eng verbunden war, unter der Herrschaft der Dalberger, den bischöflichen Lehensherren auf der Kropsburg, aufzublühen.
Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg ließen sich Schweizer, vorwiegend aber Südtiroler, im Talgrund, der bereits im Laufe des Mittelalters kultiviert worden war, zu beiden Seiten der Steinach (heute Kropsbach) nieder. Gleichzeitig setzte sich auch die talwärtige Entwicklung des "Oberdorfes" fort. In den neuerstandenen Gassen, die für die damaligen Verhältnisse einen extrem weiträumigen Tanzplatz einschlossen (heute nimmt der ehemalige Tanzplatz nur ein Drittel der damaligen Fläche ein), entstanden neben dem Rathaus etliche Gast- und Tanzhäuser sowie stattliche Fachwerkhäuser und herrschaftliche Adelssitze. Das Schloß der Edlen Hund von Saulheim ist ein eindrucksvoller Renaissancebau mit Stufengiebel, ebenso das Gebäude der Schlichterer von Erphenstein. Die Stammsitze der Junker Lärch und Emser sind infolge Kriegseinwirkung im Jahr 1689 als solche kaum noch erkennbar.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich das Dorf abermals beachtlich aus. Im Osten entstand ein neuer Straßenzug, die Edenkobener Straße. Es waren fast ausschließlich vermögende Winzer, die sich an der genannten Straße einen Wohnbau mit Ökonomiegebäude erstellen ließen. Nach Westen entwickelte sich die Einlaubstraße. Ferner entstand in den Hungerwiesen ein neuer Straßenzug, die Jahnstraße. Eine bauliche Erweiterung durch Verdichtung erfolgte längs des Holzweges (heute Totenkopfstraße), Maikammerer Straße, Friedhofstraße und Finsterlandstraße.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte abermals eine rege Bautätigkeit ein. Drei Neubaugebiete, nämlich "Im Stöckelfeld", "Im Dörnel" und "Im Bannholz" wurden ausgewiesen.
Die bauliche Entwicklung hat im Laufe der Jahrhunderte im heutigen Ortskern ein geschlossenes Ortsbild von seltener Eindruckskraft geschaffen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Dorf von der Regierung der Pfalz zum "Interessengebiet des Heimat- und Denkmalschutzes" erklärt.

Das herausragendste Denkmal ist die Kirche, die sich gebieterisch auf dem Hügel am Nordrand des Dorfes erhebt.
Die südlich den Ort überragende Ruine Kropsburg, eine Lehensburg der Fürstbischöfe von Speyer, gegen Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, gehört in die Reihe des einstigen Burgenringes um die Reichsfeste Trifels. Die Burg diente sowohl dem Schutz der Totenkopfstraße (Römerstraße) als auch der mittelalterlichen Heerstraße auf römischer Trasse in der Vorhügelzone entlang dem Gebirgsfuß. Auf die ersten Besitzer, die Edlen von Crophesberg, folgte eine Besitzteilung. Die Veste wurde eine Ganerbenburg und später von den Speyerer Fürstbischöfen erworben, die sie zu Lehen gaben. Im Jahr 1441 wurden die Kämmerer von Worms genannt von Dalberg die alleinigen Besitzer der Burg.  

Hinter der Kropsburg steigt der Wetter- oder Ottilienberg, eine Vorhöhe des Hochberges, steil empor. Ein ausgesteinter Kreuzweg führt mit seinen Stationen hinauf, wo ein barockes Bildhäusel, das der heiligen Ottilia geweiht ist, sich befindet. Eine Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1755, dicht neben der Kapelle, zeugt vom hohen Kunstschaffen der damaligen Zeit.

Die Mariengrotte, ein beschaulicher Ort am unteren Nordhang des Ottilienberges, wurde 1912 zu Ehren der Gottesmutter errichtet und kommt ihrem Original in Lourdes sehr nahe.

Auf der Hangterasse des Breitenberges, zwischen Rebflächen und Wald, entstand 1960 bis 1961 an der neu angelegten Oberst-Barrett-Straße das "Haus am Weinberg", eine Tagungsstätte, insbesondere aber ein Treffpunkt für internationale Begegnungen.

Wappenschmiede im St. Martiner Tal. Bis 1902 war hier eine Hammerschmiede der Familie Gienanth. Wappenschmiede ums Jahr 1920 Das Gasthaus zur Wappenschmiede im westlichen Teil der Gemarkung, bis 1902 im Besitz der namhaften Familie Gienanth (Gienandt), das ehemalige "Kurhaus Wolsel" sowie das "Haus an den Fichten" bieten Touristen und Wanderern Einkehr und Entspannung.

Einen besonderen Akzent innerhalb des Dorfes setzten einst die fünf Mühlen entlang des Kropsbaches. Sie waren teils Eigentum der Gemeinde, des Fürstbischofs von Speyer und der Dalberger. Grund und Boden gehörten allerdings dem Grund- oder Landesherrn. Die Wasserkraft war von jeher Nutzungsrecht der Allgemeinheit.
Wegen des Wasserrechts kam es bis in unser Jahrhundert hinein ständig zu Reibereien und Streitereien. Im Jahr 1597 löste es eine blutige Fehde zwischen bewaffneten bischöflichen und kurpfälzischen Söldnern aus. (Die Dalberger hatten auch kurpfälzische Güter zu Lehen.)

Die seit 1986 andauernde Flurbereinigung [bis 2002] verändert nicht unwesentlich das seitherige Erscheinungsbild der Gemarkung. Die früher auf Parzellen beruhende landwirtschaftliche Nutzung weicht größeren Einheiten infolge Besitzverdichtung. Ein großzügig angelegtes Wegenetz, Biotope, Baumgruppen, Freizeitanlagen, Regenauffangbecken und die Schaffung gärtnerischer Anlagen um alte Flurmale und Bildstöcke sollen die Landschaft beleben. Die Flurbereinigung soll die Arbeit des Winzers erleichtern, aber auch Erholungssuchenden zur Entspannung dienen. Schilder mit der Aufschrift: "Verbotener Weg für Nichtbegüterte" gehören der Vergangenheit an. Durch die Schaffung von Großlagen (Schloß Ludwigshöhe) und Einzellagen (Kirchberg und Baron) wurden die geschichtsträchtigen Gewannenamen aus dem Sprachgebrauch verdrängt. Hinweisschilder machen nun auf frühere Wegebezeichnungen aufmerksam.

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