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Am Rande der oberen Haardt, auf einem anmutigen Hügel, umgrünt von hohen
Kastanien und Buchen, inmitten herrlichen Rebengeländes, steht die alte Kropsburg,
die einst von den reichsten und stolzesten Baronen des römischen Reiches bewohnt
wurde. Heute [1955] sind die Mauern der Burg zu einem Wohnsitz und Hotelbetrieb ausgebaut.
Die Reste der alten Feste machen einen höchst malerischen Eindruck und lassen
uns die Pracht des ehemaligen Schlosses ahnen. Von der Terrasse aus schauen wir in
das schöne Land: St. Martin, Alsterweiler, Maikammer, Edenkoben und Rhodt leuchten
aus dem grünen Rebenland hervor, links grüßt über den Dörfern
um Hambach die Maxburg, rechts über dem Talgrunde erhebt sich die Villa Ludwigshöhe
und hoch über ihr die Rietburg.
Wenige, die hier vorüberwandern, kennen die wechselvolle Geschichte der einst
so mächtigen Burg, die besonders geeignet erscheint, Betrachtungen über den
Wechsel der Zeiten anzustellen. Wahrscheinlich wurde die Burg unter den Hohenstaufen
erbaut. Von einem uralten Geschlecht, derer von Krobsberg hat sie ihren Namen übernommen.
In einer Eußerthaler Urkunde erscheint zum ersten Male im Jahre 1229 Heinrich
von Krobsberg, der 1238 seine Güter dem Kloster Klingen vermacht. Im 11. und 12.
Jahrhundert erscheinen auch die Herren von Ochsenstein, Lichtenstein, Merkel von Krobsberg,
von Friesenheim, Mühlhofen, Altdorf und Hoheneck als Besitzer der Burg. Die Vermutung
liegt nahe, daß die Burg schon früh in zwei Hälften geteilt war. Der
Bischof von Speyer war Lehensherr der Besitzer. Im Jahre 1304 stand Anton von Dalberg
als letzter der bischöflichen Lehensträger noch unter seinem Vormund. Anton
von Dalberg vermählte später seine Tochter an Johann von Worms, dessen Ahnen
schon seit Jahrhunderten mit dem Kammeramte des Bistums Worms belehnt war. Bischof
Emich von Speyer erstreckte im Jahre 1318 das Lehen der Dalburg auch auf diesen Johann
und die Kämmerer von Worms führten von nun an den Beinamen "von Dalberg".
Die dalbergische Erbtochter schenkte Johann zwei Kinder nämlich Johann und Mathilde.
Mathilde, wurde an Merkel von Krobsberg verheiratet und erhielt von ihm die Hälfte
der Krobsburg als Witthum, was Bischof Gebhard von Speyer im Jahre 1345 genehmigte.
Gleichzeitig gestattete der Bischof, daß das Lehen dieses Teiles an der Krobsburg,
auf den Bruder des Merkel übergehen sollte, für den Fall, daß die Ehe
kinderlos bleiben sollte. Der Bischof Eberhard verlieh im Jahre 1364 an Diether, Kämmerer
von Worms, und dessen Bruder Weygand, sowie ihren sämtlichen Lehenserben, Dalburg,
Krobsburg und das Haus mit Hälfte des Zubehörs. Von nun an kommen die Kämmerer
von Worms wechselweise unter den Namen von Dalberg und von Krobsburg vor, bis sich
der Name Dalberg allein behauptet und übrig bleibt.
Die andere Häfte der Krobsburg war kaufweise von Heinrich von Hohenecken an Johannes
von Lichtenstein gekommen, welchen Kaiser Rudolf I. im Jahre 1280 wegen seiner Tapferkeit
zum Ritter schlug. Als Söldner-Hauptmann von Speyer verkaufte Ritter Hanns von
Lichtenstein für 200 Pfd. Häller auch seine Hälfte der Krobsburg im
Jahre 1281 als offenes Haus, von wo aus die Speyerer schon 1302 die bischöflichen
Dörfer verheerten.
Durch Heirat der Lichtensteinischen Erbtochter gelangte diese Hälfte um das Jahr
1345 an Heinrich von Löwenstein zu Randeck, welche Familie mit Hanns Wolf im Jahre
1664 ausstarb. Emichs Tochter brachte diesen Teil auf Wilhelm von (Schal) Odenbach.
Schon längst waren die Herren von Odenbach Teilhaber an der Krobsburg und hatten
auch den Namen davon angenommen. Im Jahre 1239 erscheinen bereits die Ritter von (Schal)
Odenbach und Herren von Crobe als Zeugenführer für das Kloster Ravengisburg
bei dem Dorfe Einkirch in einer Befreiungsurkunde des Grafen Johann von Sponheim, ja
man schreibt sogar diesen die Erbauung der Krobsburg zu. Die Herren von Dalberg und
Gerhard von Schal-Odenbach schlossen im Jahre 1413 einen Burgfrieden mit der freien
Reichsstadt Speyer. Die Grenzen des Burgfriedens heben an: "Abwendig Krobsburg
als die rechte Bach und das Kleinbächel außer dem Dedingsdall zusammenstoßend,
und von diesen Bächen rechts dem Berg auf bis in den Ufrizweg und den Ufrizweg
aus bis in die Hohle und die Hohle aus bis in den Holzweg und den Holzweg aus bis in
den Ackerweg herauf bis an den Viehweg und den Viehweg aus bis in den niedersten Haardtweg,
dann bis in den Edenkobener Steingrabenweg; sofort rechts den Berg auf bis zum Edenkobener
Horn dann rechts das Hoste hinaus bis in die Stewe beim Hohenberg, hernach von der
Stewe hinaus bis an den Hohenberg und vom Hohenberg rechts herab bis in den Dedingsdall,
dann rechts herab bis wieder an die Bache".
Hanns von Odenbach verkaufte im Jahre 1439 mit Genehmigung des Bischofs Reinhard von
Speyer seine Hälfte zum Preise von 400 fl. an die Herren von Dalberg. Er starb
ohne Erben im Jahre 1441 als letzter des Stammes, In der blutigen Fehde zwischen Kurfürst
Friedrich I. und dem Herzog Ludwig von Veldenz-Zweibrücken hatten im Jahre 1470
die Ritter von Rietburg, Breitenstein, Erphenstein nebst anderen Anhängern Ludwigs
auch die Krobsburg belagert und hart bedrängt, bis sie von dem Kurfürsten,
dem siegreichen Friedrich von Weißenburg wieder befreit wurde, Sogleich wurden
die Belagerer von ihm verfolgt, bis vor die Burg Rupertseck und dort gedemütigt.
Im nämlichen Jahre 1470 ließ Friedrich I. zur Strafe für die Belagerer
und zur eigenen Sicherheit Erphenstein erobern und ausbrennen. Der Klugheit ihrer Bewohner
verdankte die Kropsburg ihren Fortbestand nach dem Bauernaufruhr 1525.
Friedrich von Dalberg, Gemahl der Anna von Fleckenstein vergrößerte im Jahre
1560 das Schloß mit einem Anbau gegen die Mulde hin, wovon aber schon im Jahre
1778 nichts mehr vorhanden war, Im Jahre 1575 ließ Wolf von Dalberg den "Eingang
oberhalb der 1. Türe mit der runden Treppe (Wendeltreppe)", Dietrich aber
1578 das Zeughaus über dem sogenannten "Hexenturm" und 1588 ein "Gebäude
bei dem Eingang der 2. Türe" bauen. Endlich im Jahre 1599 kaufte Wolfgang
von Dalberg, Kurfürst von Mainz, den Rest, welchen Ludwig von Entzdorf noch innerhalb
des Burgfriedens besessen hatte.
Zu Beginn des 19, Jahrhunderts wurde die Kropsburg von den Herrn von Dalberg verkauft.
Sie gehörte dann einem Bürger aus Edenkoben, welcher den schönsten Turm
(1835) abbrechen ließ, um das Material "um des Profitchens" willen,
wie es August Becker nannte, zum Festungsbau nach Germersheim gelangen zu lassen.
Heute ist die Kropsburg mit ihrer malerischen Umgebung und den herrlichen Plätzchen
ein beliebtes Wanderziel geworden. Heimatfreunde, vor allem der leider so früh
verstorbene Kunstmaler Richard Platz, haben in hervorragenden Kunstwerken ihre schöne
Heimat verherrlicht.
Um das Jahr 1920/1921 wurde die Kropsburg als Ruine von dem Hotelier Herrn Karl Jungk
käuflich erworben und später im Jahre 1927 nach dem alten Plan wieder auf-
und ausgebaut.
Rheinland-Pfalz und das Geschlecht der Dalberg
Wir sitzen auf der breiten Terrasse der Krobsburg bei einem süffigen "Schloßberg".
Drunten liegt das malerische St. Martin das unzähligen Malern Modell gestanden
und vielen Dichtern bauliche und erbauliche Motive geliehen hat. Unser Blick schweift
über die vor uns liegende Rheinebene, die sich von Worms bis in die Gegend von
Baden-Baden zeigt.
Hier haben in vergangener Zeit Ritter aus dem Geschlecht der Dalberg gelebt und gewohnt.
Es interessiert uns, etwas über diese Männer, deren Name uns so häufig
begegnet, zu erfahren. Das Kämmereramt des Hochstifts Worms war einem beachtlichen
Rittergeschlecht schon um die Jahrtausendwende erbeigen. Nach diesem Amt nannten sich
die Ritter Kämmerer von Worms. Einer von ihnen krönte als Erzbischof von
Köln 1002 den Kaiser Heinrich II. Im Jahr 1318 heiratete Gerhard Kämmerer
von Worms Greta von Dalberg, einem Geschlecht, dessen Stammsitz die Dalburg bei Stromberg
in der damaligen Kurpfalz war. Durch diese Heirat erwarb Gerhard Namen und so bedeutenden
Besitz der Dalberg, daß er und seine Nachkommen mit Fürsten wetteifern konnten.
Seit 1654 tragen die Dalberg den Freiherrntitel.
Uns Rheinland-Pfälzer dürften die Freiherrn von Dalberg nicht nur interessieren,
weil sie besonders in unserer Heimat gelebt und gewirkt haben, sondern, weil sie mit
der Geschichte unserer westlichen Heimat eng verbunden sind und Gestalten von überragender
Bedeutung aufweisen. Als Kanzler des Kurfürsten von der Pfalz brachte Johann v.
Dalberg die Universität Heidelberg zu höchster Blüte. Er war Gründer
der Universitäts-Bibliothek und errichtete ein besonderes Kollegium für Juristen.
1482 wurde er Bischof von Worms, Unweit der Kropsburg liegt Kirrweiler, Dort, im kurmainzischen
Oberamt wirkte der 1674 geborene Franz Eckenbert v. Dalberg als Oberamtmann und Ritterhauptmann
am Oberrhein.
1762 erlangte in Heidelberg Karl Theodor v. Dalberg die Würde eines Dr. jur. Er
wurde letzter Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler, später Fürstprimas
des Rheinischen Bundes und Großherzog von Frankfurt, Nicht nur Wieland und Herder,
auch Goethe und Schiller, dem er ein Jahresgehalt zahlte, standen mit ihm in regem
Verkehr. Bei der Kaiserkrönung Napoleons weilte er in Paris und war auf dem politischen
Schachbrett seiner Zeit eine stark bewegte Figur. Daneben beweisen seine Schriften
aus den Gebieten der Philosophie, Geschichte und Naturwissenschaften regen Geist.
Sein Bruder, Wolfgang Heribert v. Dalberg, seit 1803 badischer Staatsminister, war
Intendant des Mannheimer Nationaltheaters, das er zu hoher Blüte brachte. Er ist
uns bekannt durch seinen Verkehr mit Schiller, dessen erste Dramen durch ihn zur Aufführung
kamen.
Ein weiterer Bruder dieser beiden, Johann Friedrich v. Dalberg, geboren 1752, war Domkapitular
in Trier, Worms und Speyer. Er glänzte als Klavierspieler und Komponist, ganz
besonders aber fanden seine Schriften aus dem Gebiet der Musik Beachtung.
Sein Neffe, ein Sohn Heriberts, Emmerich Josef, nachmaliger Herzog v. Dalberg ging
1803 als badischer Gesandter nach Paris und hatte enge Fühlung mit Talleyrand.
Er war es, der die Heirat Napoleons mit Marie Luise herbeiführte. Als bevollmächtigter
Minister Frankreichs finden wir ihn auf dem Wiener Kongreß, wo er 1815 die Ächtung
Napoleons unterzeichnete. Dafür wurde er später nach der Rückkehr Napoleons
auf die Liste der 12 Verbannten gesetzt und aller Titel und Güter für verlustig
erklärt. Nach der 2. Restauration der Bourbonen erhielt er alles Verlorene zurück,
wurde Staatsminister und Pair von Frankreich und Gesandter am Turiner Hof. Er starb
1833 auf seinem Schloß Herrnsheim bei Worms.
So sehen wir in Mainz, Worms, Herrnsheim, Speyer, Kirrweiler und Kropsburg, in Mannheim
und Frankfurt die Stätten einer Wirksamkeit dieses bedeutenden Geschlechts, durch
die kulturell und politisch die Geschicke unserer engeren Heimat wie ganz Europas mitbestimmt
wurden.
August Jungk
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