Cäcilie Ziegler

Kurzbiografie

Cäcilie Ziegler wurde als siebtes von neun Kindern am 19. April 1921 in Sankt Martin geboren. Ihre Eltern waren Egidius Seeber und Josephine Seeber, geb. Cleuren.
Cäcilie besuchte zunächst die Volksschule in Sankt Martin und das Gymnasium in Speyer. Nach dem Abitur studierte sie von 1942 an auf der Lehrerhochschule in Hirschberg/Schlesien, wo sie 1944 ihr Examen ablegte. Während dieser Studienzeit im entlegenen Hirschberg war nur wenig vom Krieg zu spüren. Nach ihrem Examen wurde Cäcilie Seeber noch 1944 in Ensheim/Saar als Lehrerin eingesetzt, wo sie auch eine Luftschutzausbildung erhielt und verpflichtet wurde, den Bürgern von Ensheim und Umgebung Vorträge über den Schutz im Angriffsfall zu halten.

1945, nach Kriegsende, wurde sie nach Göcklingen bei Landau versetzt, wo sie, die Junglehrerin, mit der Leitung der Schule betraut wurde. Dies war dem Umstand zu verdanken, daß aufgrund der Entnazifizierungsvorschriften viele der politisch vorbelasteten männlichen Kollegen für dieses Amt vorläufig nicht infrage kamen.

Hier in Göcklingen sah sich Cäcilie Seeber mit den üblichen Schwierigkeiten der unmittelbaren Nachkriegszeit konfrontiert. Sie unterrichtete alle acht Klassen (148 Kinder). Es standen keine Bänke zur Verfügung; sie waren während des Krieges verheizt worden. Als Lehrerpult diente ihr ein Gartentisch, den man ihr überlassen hatte. Lehrmaterial fehlte völlig, und die Räume waren unbeheizt. Als sie 1946 nach Sankt Martin versetzt wurde, fand Cäcilie Seeber in ihrer Heimatgemeinde etwas bessere Verhältnisse vor. Am 31. März 1948 heiratete sie Dr. Franz Ziegler.

1961 bis 1969 unterrichtete sie dann in Edenkoben. Von 1969 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1983 war sie wieder an der Grundschule in Sankt Martin eingesetzt, davon die letzten neun Jahre als Schulleiterin.

Cäcilie Ziegler 1991 Als Lehrerin förderte sie von Anfang an das Lernen mit allen Sinnen. Schon lange, bevor entsprechende pädagogische Prinzipien in der Lehrerausbildung und an den Schulen ihren heutigen hohen Stellenwert erhielten, praktizierte sie wie selbstverständlich eine Pädagogik "vom Kinde aus". Auch heute, nach ihrer Pensionierung, beurteilt sie es im Rückblick als ihre persönliche Lebensaufgabe, den Kindern kindgemäß und gerecht Wissen vermittelt zu haben.

Neben ihrer Arbeit als Lehrerin engagierte sich Cäcilie Ziegler auch in der Lokalpolitik. Dabei ging es ihr hauptsächlich um einen vernünftigen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Als sie in den siebziger Jahren Mitglied der Freien Wählergruppe wurde, setzte sie sich immer wieder mit Mut zugunsten ihres Heimatortes Sankt Martin ein, der ihr sehr am Herzen lag. Zehn Jahre lang (zwei Amtsperioden) war sie im Verbandsgemeinderat vertreten.

Als sie 1976 vom amtierenden Bürgermeister gebeten wurde, eine Ortsgeschichte zu verfassen, begann etwas, was weit über ihre berufliche Arbeit als Lehrerin hinausging und sie bis heute nicht losgelassen hat: die intensive Beschäftigung mit der Geschichte ihres Heimatdorfes. Die Ortschronik: "Sankt Martin. Geschichte eines Dorfes" erschien 1984. Bis zu ihrer Fertigstellung mußte Frau Ziegler auf zahlreichen alten Speichern des Dorfes nach "verwertbarem" Material stöbern, wo sie dann auch oft fundig wurde. Der riesige Materialüberschuß führte nach und nach zu zahlreichen weiteren Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungen und vielen heimatkundlichen Arbeiten. So verfaßte sie unter anderem ein Büchlein über die Entstehung der Schulen von Sankt Martin und den Kirchenführer "Altarweihe". 1989 erschien das Buch: "Spuren von gestern", eine Sozialgeschichte ihres Dorfes. Neben der schriftstellerischen Tätigkeit organisierte Cäcilie Ziegler zwei Photoausstellungen (darunter: "Sankt Martin 1848 bis heute"), eine Wandschmuckausstellung; Ausstellungen über sakrale Gegenstände des Ortes (zurückgehend bis ins Jahr 1500); über Kleider in früheren Zeiten, über Hochzeitsgut und zur politischen Geschichte von Sankt Martin (Fahnen, Stiche, Abzeichen). In den Vordergrund ihrer Arbeiten stellt Frau Ziegler immer wieder die Geschichte der pfälzischen Frauen, ihr Leid und ihre Unterdrückung.

Bis heute sammelt Cäcilie Ziegler alte Photos und erforscht die Mundart ihres Dorfes. Auch sind noch mehrere Ausstellungen und das Buch: "Rheinbayern in der Mühle der Zeit" in Vorbereitung. Daneben hat man ihr die Aufgabe übertragen, einen neuen Museumsraum zur Geschichte von Sankt Martin einzurichten. 1988 erhielt die unermüdliche Lokalhistorikerin den "Goldenen Ehrenring" ihrer Heimatgemeinde. Vier Jahre später wurde ihr die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

Mildred Michel-Haas

Quellen/Literatur: Interview mit Frau Cäcilie Ziegler vom 23.2.1998;
Viktor Carl: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. 1. Aufl. Edenkoben 1995.


Quelle:
Hedwig Brüchert (Hg.)
Rheinland-Pfälzerinnen
Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz
Mainz 2001
Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 23

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