Franz Schweizer 'Bellachini'

Kurzbiographie

Am 12. April 1886 wurde Franz Schweizer als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Kaum der Schule entwachsen, zog es ihn hinaus in die weite Welt. 1904, Franz Schweizer war achtzehnjährig, weilte er in Frankfurt am Main. Zur Zeit seines Aufenthalts gastierte der königlich-rumänische Zirkus "Sidoli". Der auftretende Zauberkünstler, dessen Assistent gerade abwesend war, dingte den Arbeitssuchenden als Handlanger. Für fünfzig Mark Monatslohn, freie Kost und Wohnung zog er mit seinem Lehrherrn auf Tournee. Nach knapp zwei Jahren lernte Franz Schweizer in Görlitz den berühmten Zaubermeister Strack-Bellachini aus Marburg an der Lahn kennen. Mit dem Künstler bereiste er nun drei Jahre lang Europas Städte. Dann verbesserte er seine Tricks und machte sich selbständig. Wohin der junge St. Martiner kam, feierte er große Erfolge. Mit seinem Taubentrick und der "schwebenden Dame" erntete er tosenden Beifall. Selbst Kaiser Wilhelm II. wurde auf ihn aufmerksam. Franz Schweizer wurde gebeten, im Schloß Vorstellungen zu geben. Der Kaiser war so begeistert, daß er ihn zum Hofkünstler ernannte. Der Herzog von Sachsen Meiningen zeichnete Franz Schweizer mit dem "Heinrich der Löwe"-Orden aus. Bellachinis Leben war zu einem einzigen Triumph geworden.

Durch den zweiten Weltkrieg und die Geldentwertung verlor er sein gesamtes Vermögen. 1951 kehrte er in seine Heimat zurück und lebte mit seiner Gattin, die ihn bis dahin überall begleitet hatte, still und zurückgezogen.


Bellachini-Brunnen
Im April des Jahres 1966 erlebte er noch einmal das applaudierende Publikum anläßlich eines Ehrenabends zu seinem 80. Geburtstag. Der Präsident des Weltbundes der Magier und der Präsident des Magischen Zirkels von Deutschland, Willi Faster, Triberg im Schwarzwald, überbrachten Glückwünsche und den Ehrenteller der Magischen Kunst, eine Auszeichnung, die nur selten verliehen wird. Der Enkel des letzten deutschen Kaisers übersandte ein Bildwerk "Die Hohenzollern". Regierungspräsident Keller ließ durch Landrat Dr. Graß, Landau, einen Präsentkorb überreichen.

Die zersägte Jungfrau Franz Schweizer, der ausgezogen war, aus seinem Leben das Beste zu machen, ist es gelungen, den Namen "Bellachini" im Buch der Magischen Kunst mit goldenen Lettern zu verewigen. Er verstarb am 6. Oktober 1969.

aus: Cäcilie Ziegler, St. Martin - Geschichte eines Dorfes, Landau:PVA, 1984

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