VII.

 

Für die Jahre 1924, 25 und 1926 stellt der Winzer August Lorenz, ein Enkel des wiederholt genannten Daniel Lorenz, seine Kalender-Einträge zur Verfügung. Wir erfahren.

1924. Der Januar ist mehr trocken als naß. Die tiefste Temperatur ist 6 Grad unter Null. Als der wärmste Tag wird der 12. Januar mit 4 Grad Wärme erwähnt. Die Leute beginnen mit dem Rebschnitt.

Der Februar war sehr rauh. Es herrscht vorwiegend rauher Ostwind. Das Schneiden nimmt seinen Fortgang. Das Rebholz ist nicht besonders schön, so daß man sich keine großen Hoffnungen auf einen vollen Herbst machte.

Der März anfangs rauh und kalt, gegen Ende regnerisch. Es wird fleißig Kammert gemacht. Weil das Rebholz schlecht ist, brechen viele Reben.

Ende März fangen die Kirschen an zu knospen. Der 22er Wein kostet zur Zeit 650-700 Mk. pro Fuder.

Der April bringt in seinem Anfang regnerisches Wetter. Mitte des Monats wird es warm. Am 14. finden sich Pfirsich-, am 21. Kirschblüten.

Am 26. blühen die Kirschbäume allgemein. Am 21. setzt wieder regnerisches Wetter ein, das bis zum 10.Mai dauert. Die Leute können im Grund nicht arbeiten, so daß sie kaum die Steckkartoffeln in den Boden bringen.

Das Weingeschäft ist sehr flau. Es sollen 500 Mark für das Fuder Wein geboten worden sein. Man fürchtet noch weiteren Preisrückgang. Verschiedene Winzer wollen ihre Bestände an Wein aus den Jahren 1921 und 1922 am 14. Mai durch Versteigerung in der Wirtschaft zum grünen Baum an den Mann bringen. 21er Wein kostet 1000-1400 Mk., 22er 450-480 Mk.

Am 12. Mai nimmt gutes Wetter seinen Anfang. Es währt durch den ganzen Monat. Am 25. die ersten gefärbten Frühkirschen gefunden. Am 30. zum erstenmal gegen Rebsticher gespritzt.

Der Juni bis zum 6. kühl. Dann bis zum Schluß heiter und warm. Am 8. an unserer Hausrebe die erste Traubenblüte gefunden. Die Wingerte stehen im Wachstum sehr schön. Die meisten Triebe zeigen wohl als Folge des Schlechten Holzes nur einen Samen.

16. Juni: Gegen Oidium allgemein geschwefelt.

22. Juni: Man findet im Feld Traubenblüte.

28. Juni:Traubenblüte ziemlich beendet.

Der Juli war für das Wachstum der Trauben sehr günstig. Bei dem feuchwarmen Wetter

erscheint aber auch die Peronospora. Sie tritt allgemein auf. Durch mehrmaliges Spritzen. wird sie mit Erfolg bekämpft.

Der August anfangs sehr schön. Am halben dieses Monats setzt Regen ein. Dieser dauert bis zum 8. September. Die Winzer sehen in dieser Zeit besorgt in die Zukunft. Die Trauben reifen zusehends trotz des vielen Regens.

Am 5. August an unserer Hausrebe die ersten gefärbten Trauben gefunden.

Ab 10. September wird das Wetter wieder besser. Es hält Stand bis zum Ende des Monats..

Am 18. September beginnt der Portugieserherbst. Das Mengeergebnis befriedigt nicht ganz. Man rechnet mit einem halben Herbst. Das Mostgewicht schwankte zwischen 65 und 75 Grad. Der preis für die Logel beträgt 12-12.50 Mk.

Am 1. Oktober beginnt die allgemeine Weinlese. Das Ergebnis ist wider Erwarten sehr gut.. Im Durchschnitt rechnet man einen Zweidrittelherbst.

Der Pfälzer Waldverein St. Martin führt eine großzügige Propaganda durch (Herbstfest in Karlsruhe.) St. Martin sieht ein Herbstgeschäft, wie es wohl kaum dem ältesten Winzer gedenken mag. An manchen Tagen waren mitunter an 20 große Lastautos mit Anhängern hier. Diese führten den

neuen 24er seinem Bestimmungsort zu. Der Preis bewegte sich im Herbst von 500 Mk. steigend bis 560 und 570 Mk. Nach dem Herbst war das Weingeschäft wieder flauer. Der allgemeine Preis war 500 Mk.

Das Jahr 1924 war für St. Martin ein gesegnetes.

1925. Der Winter 1924-25 war ziemlich mild. Am 14. Februar fand man schon Aprikosenblüte. Das Weingeschäft geht ziemlich flau. Man hört von Kaufabschlüssen zu 450-430 Mark. Die Winzer sind zur Zeit mit Rebschneiden beschäftigt. Das Rebholz ist schön ausgereift und berechtigt zu den schönsten Hoffnungen.

März: Das Wetter ist ziemlich rauh. Am 14. und 16. Schneefall. Zur Zeit herrscht große Nachfrage nach Wurzelreben hauptsächlich nach Würzburgern. (Bocksbeutel.) Für das Hundert werden 30 bis 35 Mk. bezahlt.

April: Anfangs warmes Wetter. Ab 16. etwas kälter. Am 27. früh liegt Reif. Im Gäu sollen die Wingert Not gelitten haben. Das Weingeschäft geht etwas flotter. Der Preis beträgt zur Zeit etwa 500 Mk.

Mai: Anfangs rauh und regnerisch.. Vom 4. ab wärmer. Das Wingertgraben ist sehr schwierig, weil der Boden im Winter nicht ausgefroren ist.

Am 5. findet man viele Rebsticher. Am 7. haben wir Rebsticher gefangen. Sie treten massenhaft auf. 9. Mai: Die Heuwurm-Motten fliegen allgemein. Da die Rebsticher trotz fleißigen Suchens nicht abnehmen, spritzen wir mit Uraniagrün und zwar mit Erfolg.

Juni: Das Wetter ist warm und zur Entwicklung der Wingerte sehr günstig. Man findet überall Heuwurm. Jnsbesondere sind die Lagen Wingertsberg, Torwingert und Hub sehr stark befallen.

Am 17. Juni findet man vereinzelte Traubenblüten. Am 22. blüht alles. Blüte schreitet bei dem günstigen Wetter rasch voran. Ab 27. Temperatursturz. Morgens in der Frühe haben wir bloß 6-7 Grad Wärme. Die verblühten Träubchen zeigen gar kein Wachstum. Man befürchtet, daß sie abfallen. Von Nachbargemeinden hört man, daß der Heuwurm dort alles gefressen habe. Auch in unserer Gemeinde sieht man seine verheerenden Wirkungen.

Juli: Die Witterung wird wieder besser. Die Trauben wachsen voran. Heute kann man auch sehen, daß in Wingerten, welche mit dem Dr. Sturmschen Mittel gründlich behandelt, die "gestürmt" worden waren, der Wurm nicht sovielen Schaden verursacht hat wie in den "nicht gestürmten."

In der Zeit um den 15. Juli fangen die Wurmmotten wieder mit ihrem Flug.

20. Juli: Wir spritzen mit Nosprasen, einem arsenhaltigen Gift. Dann haben wir gestürmt. Weil es gleich darauf regnete, war die Arbeit nutzlos. Wir mußten sie nochmals wiederholen.

August: Anfangs regnerisch. Am 7. sehen wir an unserer Hausrebe die ersten gefärbten Portugieser. Man findet im Feld vereinzelt durch den Sauerwurm angestochene Traubenbeeren. Am 15. macht sich der Sauerwurm allgemein bemerkbar. Heute kann man die Wahrnehmung machen, daß die gegen Wurm behandelten Weinberge im Behang besser sind wie die unbehandelten.

September: Am 9. Beginn des Portugieser-Herbstes. Die Mostgewichte betrugen 65-75 Grad. Für die Logel Rotmost werden 14-15 M. bezahlt. Der allgemeine Herbst beginnt am 28. Sept. Das Ergebnis war sehr verschieden. (Ein Sechstel- bis ein halber Herbst.) Die Trauben sind trotz der schlechten Witterung im September schön ausgereift. Das Herbstgeschäft aber geht schlecht. Es herrscht bald keine Nachfrage. Man hört von einigen Kaufabschlüssen in neuem Wein in der Höhe von 540-580 Mk. Für die Logel Most werden 18 Mk. bezahlt.

Ausgangs Oktober fängt in Rheinhessen der Herbst an. Der Weinhandel unserer Gegend kauft

dort viel Most um den Preis von 12 Mk. Bei uns geht darum der Weinpreis auch herunter. Das Fuder Wein kostet 500 Mk.

Der November bringt nochmals sehr warmes Wetter. Das Rebholz ist sehr gut ausgereift.

1926. Das Frühjahr war für das Wachstum der Reben außerordentlich günstig. Im April wurden die meisten Wingerte schon gegraben. Rebsticher und Wurmmotten traten in großen Massen auf. Durch das naßkalte Wetter im Mai wurden dieselben indes zurückgehalten. Es zeigte sich aber bald, daß die Witterung für die Weinberge sehr nachteilig war. Bei der anhaltenden Kühle haben die Reben schlecht verblüht. Sie sind beim Anwachsen durchgefallen. Am 9. Mai waren die Bergköpfe mit Schnee bedeckt und im Gäu sind die Wingert erfroren.

Der Wein kostete um diese Zeit 400-430 Mk., eine Folge des spanischen Handelsvertrages.

Jm Juli wurde das Wetter besser und die wenigen Trauben, die durchkamen, machten schöne Fortschritte. Es zeigte sich, daß Portugieser und Würzburger sowie junge Weinberge einen schönen Behang hatten. Der Wein stieg im Preis bis 750 Mark das Fuder.

August und September waren sehr trocken und heiß. Am 23. September war Beginn des Portu-

gieserherbstes. Der Ertrag war besser als man gehofft hatte. Die Logel kostete 21-22 Mk. Das Mostgewicht betrug 60-70 Grad.

Der allgemeine Herbst hat am 7. Oktober angefangen., Das Ergebnis war auch hier wider Erwarten ein ziemlich gutes zu nennen. Das Geschäft war lebhaft. Die Logel Most kostete 30 Mk., das Fuder Wein 900-930 Mk. Es wurden Mostgewichte erzielt bis zu 85 Grad.

Die Gemeinden Maikammer und Edenkoben hatten im Durchschnitt einen halben bis Dreiviertel~ Herbst zu verzeichnen, während St. Martin einen Viertel- bis einen Drittelherbst erntete.

Weitere Aufzeichnungen im Rahmen dieser Abhandlung aus der Zeit von ungefähr 1880 bis zur Gegenwart standen noch zur Verfügung. Von der Wiedergabe derselben soll indes abgesehen werden. Ihr Inhalt bringt uns nichts Neues mehr von Belang.

Notizen aber, die der Winzer Johannes Rößler, geb. am 10. Januar 1834, gest. am 28 Juli 1916, hinterlassen hat, geben eine Uebersicht über den jährlichen Ertrag seiner in den verschiedensten Teilen der Gemarkung gelegenen Weinberge. Im Jahr 1883 wird von ihm zum erstenmal der Ertrag von Portugiesern erwähnt. Diese Rebsorte

wurde um 1880 in der Gemeinde bekannt. Allmählich, erobert dieselbe alle leichteren, sandigen Böden. Die übrigen Teile der Gemarkung bleiben in der Hauptsache Gebiet der Oesterreicher-(Franken)-Rebe. Die folgenden Zahlen geben Jahrgang, Besitz des Rößler an Viertel-Morgen Weinbergen, jährlichen Gesamtertrag derselben an Hotten Trebermost à 50 Liter, die mit einbegriffene Hottenzahl an erzieltem Portugiesermost, Preis für Rot- und Weißmost sowie für ein Fuder Wein wieder.

Jahrgang 1/4-Morgen  Hotten Extras  Preis p.F. 
1870 18  263     145 fl.
1871  23 108     120 fl.
1872   23 39   à 10 fl.  
1873   27 2871/2  39 Eichhotten Most geben 33 3/4 H. Wein  130 fl.
1874   28 496     160 fl.
1875   31  764    97 fl.
1876   34  2881/2  à 41/2 fl.  
1877   34  387    122-135 fl.
1878   36  1051/2  à H. 40 L. 8 M.  
1879  37  158    380 M
1880  38  78  15 M.  
1881  33  456  10 M.  
1882  40  568  6 M.  
1883   40 1/2  770 Portug. 180 M., Weißwein 250 M.   
1884   40 1/2  575    300 M
1885   40 1/2   230    350 M
1886 43  181   à 16 M.  
1887  44 674    380 M. 
1888  48  889   350-420 M. 
1889  51  457 Port. 17 H.  500 M. 
1890  52 1022  Port. 40 H. à 11 M., 8 M.   240 M.
1891  52  285  70 H. Port.  640 M.
1892  32  661    
1893  32  714 49 H. Port. / à 16 M.  
1894  32  248 40 H. Port.   330 M.
1895  32  208 77 H. Port./ à 141/2   490 M.
1896  32  247 114 H. Port.   400 M.
1997  32  315 57 H. Port./ à 9 M.   
1898  24  148 37 H. Port. / à 101/2 M.   
1899  24  254  78 H. Port. à 101/2 M. 300 M. 
1900  24  418 78 H. Port.   300 M.
1901  24  479 69 H. Port. à 12  400 M. 
1902  16  283  63 H. Port. à 10 M. 260-320 M. 
1903  16  188  27 H. Port. à 8 M.  
1904  8  50  15 H. Port. 330-360 M. 
1905  8   Hagelschlag am 10. August   
1906  8   V. Peronospora alles vernichtet  à 12,5 M.
1907  8  177  30 H. Port./ 15-151/2 M.  
1908  8  78  37 H. Port. à 12,50 M. 400 M. 
1909  8  67 Rotmost 7 M., Weißmost 9 M.   
1910  8  48 38 Liter 17 M.   
1911  8  94 43 H. Port. à 15-15,75 M.  650 M. 
1912  8  57  45 H. 15 Ltr. Port. 16 M. 495 M. 
1913  8  66  10-11,50 M. 400 M. 
1914  8  47  Port. 10 H. 8,75 M. 400 M. 
1915  8  109  Port. 24 H. à 18 M. 600 M 

[1 Gulden (fl.) = 60 Kreuzer = 1,70 Mark; 3 1/2 Kreuzer = 10 Pfennig]

Für die Jahrgänge 1793, 1795, 1796, 1797, 1798, 1799, 1800, 1801, 1802 und 1803 versagen meine Quellen. Ueber St. Martiner Weinerträgnisse in den genannten Jahren konnte bis jetzt nichts gefunden werden. Um die Sache doch etwas zu vervollständigen, soll angeführt werden, was sich im 3. Band der Geschichte des Weinbaues unter besonderer Berücksichtigung der Bayerischen Rheinpfalz von Dr. Friedrich Bassermann-Jordan, Abteilung V Seite 740/41 bezw. S. 795/96 über Jahrgänge, Witterung und Weinpreise der ausstehenden zehn Jahre findet. Wir lesen

1793 anfangs warm, Mai kalt, 31. Mai erfroren die Weinberge in Haßloch. Juni sehr kalt, dann heil und trocken bis September. Mißernte in den Feldfrüchten. Am 1. Juni und 2. Juli (?) erfroren Reben und Korn. Anhaltende Hitze bis Oktober. Wenig aber guter Wein.

1795. Teuerung. Wenig aber sehr guter Wein, noch besser als 1794. Am 13. Mai erfroren die Reben.

1796. Gelinder Winter. Am 29. Februar große Kälte. Heißer, trockener Sommer, am 12. Juli Hagel. Ziemlich viel Wein mittlerer Güte. Ungünstiges Wetter in der Blüte. (In Deidesheim soll nach den Henricischen Aufzeichnungen 1796 und 1797 nur sehr wenig Wein gewachsen sein.)

1797. Nicht viel Wein mittlerer Güte.

1798. Kalter Winter, 18 Grad Kälte, gesegnetes Jahr, viel und guter Wein. Anfangs etwas hart, später sehr angenehm.

1799. Kaltes, trockenes Frühjahr bis April. Sommer ungünstig, Hagel am 15. August, Reben erfroren. Wein wenig und sehr schlecht. Mißjahr, besonders infolge des strengen Winters. (Erfror alles; "keine Kelter ging rum".)

1800. Strenger Winter, sehr kalter März; rauhe Witterung in der Blüte, sehr heißer, trockener Sommer. Wenig aber guter und starker Wein. Lese begann in Deidesheim 3. Oktober.

1801. Nicht viel Wein von mittlerer Güte, ungünstige Blütezeit, vom .10. Juni bis Johanni rauhe, regnerische Witterung. Der Rheingauer Bericht sagt darüber: "Der Winter von 1801 war durchweg gelind und naß. In der Charwoche hatten

wir das schönste Wetter wie mitten im Sommer; in der Osternacht blitzte und donnerte es. Während der Traubenblüte im Juni war es schlecht, um Johauni wurde es wieder gut, so daß die spät blühenden Trauben gut und geschwind durchkamen, Den Gescheinen nach hätten wir einen vollen Herbst zu erwarten gehabt; sie fielen aber sehr stark ab. Der Heuwurm stellt sich, stark ein, und es fehlte an warmen Nächten. Dabei gab es weit und breit auf den Feldern viele Mäuse, die großen Schaden anrichteten. Heu und Ohmet ist gut geraten, Korn nicht zum besten, Obst gar wenig, aber viel Kraut, Rüben und Kartoffeln. An den Trauben war im Oktober teils gute, teils rohe Fäulnis, in Oestrich und Hallgarten begann die Weinlese am 19., in den übrigen Orten am 31. Oktober."

1802. Mitte Mai kalt, am 18. Frost. Trockner, heißer Sommer, 39 Grad Hitze, in Paris die größte seit Erfindung des Thermometers, Teuerung. Sehr guter, süßer Wein und ziemlich. viel. Die Hitze dauerte 54 Tage an. (Zu Deidesheim, Forst, Ruppertsberg "sehr feuriger Wein".)

1803. Strenger Winter, vom 19. März bis 18. April sehr warm, trockener Sommer, Herbstfrost. Wein mittelmäßig und wenig. Am 26. September waren nur in den guten "mittleren" Lagen von Deidesheim die Trauben "ziemlich reif".

Der Wein kostete in der Pfalz nach Jordanschen Büchern im Maximalpreis (Höchstpreis):

  Jahr   Preis
 1793  27 fl. die Ohm
 1794  das Fuder in Roschbach 110 fl., in Deidesheim das Stück 1760 fl.
 1795  das Fuder 450 fl.
 1796  350 fl.
 1797  350 fl.
 1798  800 fl,-1300 fl.(Die Bestrebungen nach Qualitätsbau machen sich bei Jordan-Deidesheim bemerkbar.)
 1800  1100 fl. das Stück
 1801  525 fl. das Fuder
 1802  1300 fl. das Fuder
 1803  600 fl. das Fuder

in Neustadt a. d. H.: das Fuder 1793: 190 fl, 1794: 100 fl. (später das Dreifache), 1795: 200 fl., 1796: 300 fl., 1797: 150 fl., 1798: 240-250 fl., 1799: 100 fl., 1800: 250 hfl., 1801: 155 fl., 1802: 270-280 fl., 1803: 180 fl.

Nach dem "statistischen Zusammentrag" im Grundsteuer-Kontaster von St. Martin aus dem Jahr 1839 umfaßte die Gemeinde damals 249 Gebäude und Hofräume mit einer Gesamtfläche von 14 Tagwerk 6 Dezimalen,

  Gärten  5 Tgw.  80 Dzm.
  Weingärten  428 Tgw.  15 Dzm.
  Aecker  279 Tgw.   96 Dzm.
  Wiesen  144 Tgw.   45 Dzm.
  Waldungen privat)   190 Tgw.  71 Dzm.
 Oedungen u. Weideplätze   2 Tgw.   17 Dzm.

Insgesamt 5338 Parzellen mit 1110 Tagwerk und 11 Dezimalen. Dazu kommen noch 729.08 Hektar d. i. 2104 Tagwerk Gemeindewald.

Hof im Hause der Hund von Saulheim an der Übergasse

Der Verein für Weinbau und Weinhandel der bayerischen Pfalz stellte für das Jahr 1907 eine Statistik der Traubenernte in der Pfalz auf. Diese bezifferte die bebaute Fläche in St. Martin mit 227 Hektar, davon 199 Hektar Weißmost, 25 Hektar Rotmost.

Beim Weißmost wurden pro Hektar 180 Logel à 40 Liter erzielt, für die Logel im Durchschnitt 15 Mark, pro Hektar 2700 Mark, pro Fuder Wein 450 Mark erlöst. Die gesamte Ernte an Weißwein betrug 1194 Fuder à 10 Hektoliter mit einem Erlös von 537000 Mark.

An Rotmost erzielte die Gemeinde pro Hektar 200 Logel à 13 Mark = 2600 Mark pro Hektar = 350 Mark pro Fuder, insgesamt 166,6 Fuder im Wert von 65 000 Mark.

Der Ertrag an Weiß- und Rotmost bezifferte sich zusammen auf 1360,6 Fuder im Wert von 602 300 Mark.

Jm Jahr 1923 umfaßte die angebaute Fläche 296 Hektar; davon waren 240 Hektar Weingärten.

Die Leute am Gebirg schauen durch das ganze Jahr mit großer Sorge dem Herbst entgegen. Mehr als bei andern Bauern ist der Segen ihrer Mühe von der Gunst des Himmels und der Witterung abhängig, durch Schädlinge bedroht. Es kann daher nicht wundernehmen wenn dort die Herbstaussichten immer wieder den Stoff der Unterhaltung bilden im Kreis der Familie wie auch beim geselligen Zusammensein.

Das nicht weit von St. Martin gelegene Dorf Kirrweiler, ehemals Sitz des fürstbischöflichen Oberamts der umliegenden Orte, besitzt eine alte Bildsäule des heiligen Johann von Nepomuk. Die Inschrift an derselben sagt unter anderm: "Vermes a vincis nostris depellat". (Er möge uns die Würmer vertreiben von unseren Weinbergen.)

Die Bewohner von Maikammer, Diedesfeld und St. Martin haben auf einer bei ihrem Dorf gelegnen Bergeshöhe je ein Wetterkreuz errichtet. Groß und klein pilgert am zweiten Bittag aus St. Martin in feierlichem Zuge den steilen "Kreuzweg" hinan und erfleht droben "am Wetterkreuz" vom Himmel günstiges Wetter und Abwendung der gefürchteten Hagel- und Unwetter, die besonders von der Kalmit her drohen.

Ist dann der Herbst glücklich eingebracht und naht Weihnachten, dann gehört die Aufmerksamkeit der Christrose im Garten. "Weinblume" wird

sie im Dorf genannt. Je zahlreicher und prächtiger sich ihre Blüten entfalten - die Christrose, der schwarze Nieswurz, blüht in der Weihnachtszeit - desto günstiger sind auch die Herbstaussichten für das kommende Jahr.

Andere beobachten den Efeu an verschiedenen alten Häusern oder an der Kropsburg, an deren altem Gemäuer er in wunderbarer Schönheit rankt. Daniel Lorenz schreibt daher:

"Heute, den 22. April 1855. Der Epheu auf dem Schloß zeigt einen halben Herbst, sehr gut, am Neujahr fing er zum theil schon an zu zeitigen - heute allgemein zeitig - der Maikammer Epheu soll nichts sein ebenso der Edesheimer - der Alsterweiler einen großen Herbst." Und: "Den 2ten März 1856 der Epheu auf dem Schloß ans Schädlers Konrad seim Haus droben ist er zeitig - hängt nicht arg voll - im Hof droben halb zeitig hängt aber arg voll - an denn Schießscharte ein wenig, aber noch grün, - an denen Rundelle hängt so ziemlich etliche Stöcke ganz zeitig andere erst etwas gefärbt - durchschnittlich. kann man, in Bezug auf den Herbst einen starken halben annehmen."


top  Top
next  Kapitel VIII
previous  Kapitel VI
history:back