VI.

 

Im Kapitel III wurden die Aufzeichnungen von dem Winzer und Küfer Georg Straub erwähnt. Seine am 14. Januar 1857 geborene Tochter Anna, Ehefrau des vor einigen Wochen verstorbenen Valentin Seeber, folgte dem Beispiel ihres Vaters. Ab 1893 fertigte auch sie Einträge in das Hausbuch ihrer Familie. Diese sagen:

1893. März und April trocken, sehr warm. Auf "Järgetag" d. i. Georg, 23. April, 32 Grad Wärme. Den ältesten Leuten gedenkt dieses nicht. Ueber ein Vierteljahr kein Regenwetter. Auf Johannistag sind die Trauben schon schön gewachsen gewesen. Ausgangs Juni die Kirschen ziemlich all; es wurden schon Birnen verkauft.

Am 20. September haben wir schwarze Trauben geherbstet. - 65 Grad. Vom März bis September fast keine Regen; großer Futtermangel. Am 22. Sept. mittaqs ½4 Uhr großer Hagelschlag in der Größe von Würfeln und Taubeneiern. Am 27.September fing der Herbst an. Rotwein 40 Liter 10-11 Mk. Weißwein 10 Mk. Tausend Liter Weißwein 310 Mk. Gewicht 70-85 Grad. Es hat über einen halben Herbst gegeben.

(In diesem Sommer gab es sehr viele Wespen. Da diese an Obst und Trauben vielen Schaden anrichteten, setzte die Gemeinde für die Zerstörung der Wespennester Prämien aus. Für eine beim Gemeindediener abgelieferte "Rose" (Wabe) wurden 30 Pfennig bezahlt. Georg Franz).

1894. Januar kalt, 12-16 Grad; im halben März fing gutes Wetter an. Anfangs April blühten überall die Kirschen, im halben April die übrigen Obstbäume; recht war ein Tag wie der andere; - heller Himmel. Kinder sind schon barfuß gelaufen. Am 20. fing es an zu regnen; dabei bis 18. Mai recht kalt. Dann trocken bis zum Herbst. 40 Liter Most 8 Mk.; 1000 Liter Wein 240-250 Mk. Ein Viertelherbst.

1895. Januar, Februar und halber März viel Schnee. Sehr kalt, 10-15 Grad, in manchen Gegenden 25 Grad. Ueber Sommer große Hitze. Der ganze September heiß. Ein Tag wie der andere bis Oktober. 40 Liter Most 15-16 Mk. 1000 Liter Wein 450-480 Mk. Ein Glücksherbst.

1896. Der Winter war gut; wenig Schnee und nicht kalt. Ueber Sommer viel Regen. Viel Wein, aber sauer. 40 Liter Most 4.50-5.50 Mk. Wein 1000 Liter 150-160 Mk.

1897. Wenig Kirschen; am 26. Juni hatten wir Feuerosen; naßkalt. Viel Heuwurm.

Der September regnerisch. Auch der Sauerwurm hat viel vernichtet. Ein Viertelherbst. 40 Liter Most 8,20-9.50 Mk. 1000 Liter Wein 260-290 Mk.

27.September fing der Herbst an.

1898. Warmer Winter, fast gar keinen Regen; den ganzen März Nebel und Gewitter. Auf Maikammer Kirchweihmontag 4 Uhr großer Hagelschlag. Die Schloßen waren 15-30, mitunter 40 Zentimeter hoch gelegen. Die Portugieser liefern einen vollkommenen Herbst; 40 Liter Most 12 und 13 Mk. Weißer Most 40 Liter 12-13 Mk. 1000 Liter Wein 400-420 Mk. Ein Drittelherbst.

(Der genannte Hagelschlag hatte in der Hauptsache die Gemeinde Maikammer, von St. Martin die gegen Maikammer-Alsterweiler gelegenen Weinberge, betroffen.)

1899. Schlechtes Frühjahr, daß Blüten an Kirschen und Obstbäumen erforen sind. Auf Kirchweihsonntag mittags 3 Uhr großer Wolkenbruch. Beide Keller und der Hof waren mit Wasser gefüllt bis an die Stubentür. Ein vollkommener Herbst. Portugiesermost 8.50 M. und 9 Mk., Weißmost 10-12 Mk. 1000 Liter Wein 290-310Mk., nach dem Herbst 320-360 Mk.

1900. Ziemlich guter Sommer; September und Oktober gut; viel Obst. Dreiviertelherbst. Wein gut. Portugieser 7 - 7.50 Mk. Weißer zu-

erst 8.50 Mk., dann 9-11 Mk. Wein 290 bis 310 Mk.; nach dem Herbst 320-360 Mk.

1901. Juni bis August sehr heißes Wetter. Die Wingerte und Trauben waren sehr schön; aber im September hatten wir zehn Tage Gewitter mit starkem Regen. Dann singen die Trauben an zu faulen. Die Blattfallkrankheit trat auf; schon am 30. September fing der Herbst an. Maikammer fing 14 Tage vor uns mit dem Herbsten an. Portugieser kostet 5 Mk., 5.50 und 6 Mk., weißer Most 8 Mk., Bergmost 9 Mk. Wein 240 bis 250 Mark.

1902. Ein gelinder Winter. Im März haben wir schon die Kammert fertig gemacht. Aber der Mai war kalt und regnerisch. Vom 7. auf 8. Mai - Christi Himmelfahrtstag - sind die Wingert bei Maikammer und Edenkoben bis zur Bahn ziemlich verfroren. Portugieser wurde verkauft zu 8.50 Mk., 9 und 9.50 Mk. Der Herbst fing am 16. Oktober an. Weißer Most 9 -11 Mk. Das Fuder Wein kostete 310 und 320 Mk. Portugieser vollkommener Herbst. Weißer gut ein Drittelherbst. Der Winzerverein wird gegründet.

1903. Februar und März schon sehr warm, bis zu 15 Grad Wärme; mit Kammert fertig; aber April rauh; ein Tag wie der andere kalt, regnerisch und Schnee. An manchen Plätzen 4 und 5 Grad Kälte. Juli und August regnerisch und kühl. Portugieserherbst ab 28. September; dieser Most wurde verkauft zu 6 und 6.50 Mk. Am 10. Oktober fing der Herbst an. Der weiße Most wurde zu 8 und 9 Mk. verkauft. 1000 Liter Wein 240 Mark.

Der Wurm hatte vielen Schaden gemacht. Im Ueberfeld und Kastanienbusch hat er fast alles gefressen. Im oberen Feld waren die Trauben zu mast. Es hat viel Faules gegeben. Ein Drittelherbst. Kirschen fast gar keine.

1904. Im Feld von Maikammer während des Winters alle Rebstöcke abgerieben. Man wollte damit die Puppen vom Heu- und Sauerwurm vernichten. Februar und März viel Nebel und regnerisches Wetter. Bis zum 12. April kalt. Ab 13. April Sommerhitze. Im Schatten 22 Grad Wärme. In drei Tagen war alles in Blüte gestanden. V i el H e u w u r m. Kirschen gewannenweise ziemlich viel. Juni und Juli recht heiß, im Schatten 24-28 Grad, im Freien sogar 36-40

Grad. Der September regnerisch. Ueberall Sauerwurm. Am 12. September Portugieserherbst. 40 Liter Most kosten 7 und 7.50 Mk. Ab

Das Kriegerdenkmal

22. September allgemeiner Herbst. Der Most wurde verkauft zu 8 und 8.50 Mk. 1000 Liter Wein zu 260 und 275 Mk. Ein Drittelherbst.

1905. Maikammer hat alle Rebstöcke abgerieben. Winter ziemlich gut. Schneller Wechsel. Abends warm, morgens 5-8 Grad Kälte. Viel Nebel und regneris'ch. Am 25. März schon fertig mit der Kammert. Anfangs April kalt; Schneegestöber. Am 8. April 2 Grad Kälte. Juni und Juli bis 10. August große Hitze, 25 und 26 Grad, im Freien 35 bis 40 Grad. Am 10. August mittags 12 Uhr großer Hagelschlag. Fenster, Dächer, Weinberge, Obst und Pflanzen zerschlagen Abends 9 Uhr wieder ein Gewitter. Zwei Hochwasser an einem Tag. Beide Keller, Hof und Wirtszimmer mit Wasser gefüllt. Den ältesten Leuten gedenkt so was nicht.

Am 2. September hat es sogar im Wald geschneit. Der Herbst ist schlecht ausgefallen. In 24 Dezimalen Wingert 4 Kübel voll Trauben bekommen. Vom Dörnelweg an bis Maikammer und im Steidig bis Edenkoben war es ein bißchen besser. 40 Liter Most kosten 6 und 6.30 Mk. Wein 200 und 210 Mark. Aber gar kein Kauf drin.

Der Dörnelweg war von oben bis unten ganz ruiniert, stellenweise 2.60 Meter tief und auch so breit ausgeschwemmt. Die Straßen im Dorf hoch mit Steinen und Geröll angefüllt.

Unterstützungsgelder wurden 24 000 Mark ausgeteilt. Unverzinsliches Darlehen vom Staat bekam St. Martin 113 000 Mk. Innerhalb von 15 Jahren mußte das Geld wieder zurückbezahlt werden. Vom 1. Dezember 1907 ab mußte wieder abbezahlt werden, das Mindeste von 20 Mk. an. Wir haben kein Darlehen bekommen.

Im Dezember war Mission.

1906: Winter nicht sehr kalt, aber viel Regen. Mai viel Gewitter. Anfangs sehr heiß. Vom halben an jeden Tag regnerisch und kühl. Ganzer Sommer sehr heiß. Im August ist die Blattfallkrankheit stark aufgetreten; die Lederbeerkrankheit kam dazu. Die Beeren wurden dürr und fielen herunter. W o g e s p r i tz t wurde, haben sich die Trauben besser gehalten. Der Herbst fiel klein aus. Wo die Krankheit so arg war, gab es im Viertel Wingert 4-5 Hotten voll Brocken. Am 1. Oktober fing der Herbst an. Portugieser kostete 11-12 Mark, der weiße Most 12,50-13 Mk., 1000 Liter Wein 400 bis 450 Mark.

1907: Kalter Winter. Am 26. April hat's fest geschneit auf die Kirschenblüte. Doch hat es ziemlich Kirschen gegeben. Die ersten kosten 22 Pfg., die andern 20, 18 und 16 Pfg. Ein guter Sommer. Vom Mai an keinen Durchregen mehr bis zum Herbst. Den 10. Oktober fing der Herbst an.

Portugieser 12,50 und 13 Mark. Weißer Most 15 und 16 Mark, Wein 450-500 Mark.

1908: Ueber Sommer regnerisches Wetter. Am 1.Oktober fing der Herbst an. Ueber den Herbst sehr gutes Wetter. Der Wurm hatte viel gefressen. Die Bergwingert waren schön. Portugieser 12 und 12,50 Mark, weißer Most 13 und 14 Mark, Wein 420-440 Mark.

Im Dezember ist Herr Pfarrer Schäfer gestorben. Er hat den Armen 5000 Mark, dem Elisabethenverein das, was im Haus war, dem katholischen Arbeiterverein 1000 Mark, dem Pfarrcäcilienverein 1000 Mark testamentarisch vermacht.

Am 20. Oktober hatten wir 4-5 Grad Kälte; den ganzen Winter recht viel kalten Nordwind. Viele alte Rebstricke aufgerissen. Großer Schaden an den Weinbergen.

Pfarrer Boslet kam am 9. Mai 1909 hierher.

1909: Kirschen hatten sehr gutes Wetter zum Blühen. Auf Georgtag sehr heiß. Dann regnerisch. Am 1. Mai hats im Wald feft geschneit. Kirschen gab es viel. Heuwurm war stark aufgetreten und der Sauerwurm hat fast alles vernichtet. Am 27. September fing der Herbst an. In einem Viertel Wingert 1, 2, 4, 5 Hotten Trauben. Portugieser 7 Mark, weißer Most 8 und 8,50 Mark. Wein 315-330 Mark. Der Wein recht sauer und gering.

1910: Gelinder Winter, viel Regen. Ueber Sommer recht viel Gewitter und Regen. Ueberall Ueberschwemmungen. Wurm war sehr stark. In den Portugieser-Wingerten hat er alles ruiniert. Im Kastanienbusch hat es in einem halben Morgen Portugieser noch 4-6 Liter Most gegeben. Am 15. September fing der Portugieser-, am 21. September der Weißherbst an. Portugieser kostet 16-17 Mark, Weißmost 20-21,50 Mark. In den Gewannen Steinwegel, Raubfeld, Hardtgasse, Steidig und in den Hardten gab es einen Drittel- bis einen halben Herbst. Im Torwingert ging's auch noch; aber in den anderen Lagen war wenig. Sogar in den Wingertsbergen und im Dörnel war es schlecht. Der Wein recht sauer und gering.

1911: Abreibungskrieg. Den ganzen Winter war wegen dem Wurm Abreibungskrieg. Vom Unterland bis Landau mußten durch oberpolizeiliche Vorschrift alle Weinstöcke abgerieben werden. St. Martin, Edenkoben und Freinsheim waren dagegen. Und es ging so weit, daß der Minister von Brettreich aus München und die Herrn von der Regierung aus Speyer hierherkamen. Es wurde so weit getrieben, daß wir doch die Grenze gegen Maikammer abreiben mußten. ("Wir reiben nicht ab, und wenn der Teufel auf Stelzen kommt!" hatte es in einer Versammlung gelautet.)

Hausmarke Henrich Seber Wenn wir den ganzen Sommer kein so heißes Wetter gehabt, hätte der Wurm auch wieder großen Schaden angerichtet. Juli, August bis 14. September keinen Regen. Im Schatten 25-30 Grad warm, im Freien bis in die 40 hinein. 18. September war Portugieserherbst. Die Trauben waren sehr schön. Der Most wurde verkauft zu 15 -15,50 bis 15,75 und 16 Mark. Am 21. September setzte Regen ein. Am 2. Oktober fing der Herbst an. Der Wein sehr gut, ein Stichwein. 40 Liter Most 18 Mark, 1000 Liter Wein 520 bis 540 Mark, im Januar 1912 580-600 Mark.

1912: Im halben April stand alles Obst im Blühen. Es wurde aber sehr kalt, 4 und 6, im Unterland sogar bis 9 Grad unter Null. Die Kälte hat vielen Schaden gemacht. Es war aber trocken dabei.

Den 15. Mai, Tag vor Christi Himmelfahrt, abends 7 Uhr ein schweres Gewitter mit Hagelschlag und großem Wolkenbruch. Die Wingerte von der Kropsburg bis zum Bildhäusel und weißen Kreuz gräßlich zugerichtet. Die Reben waren "Handeslang" gewachsen. Samen heruntergeschlagen, Reben abgegipfelt. Großer Sturm dabei.

Die Blüte war gut. Halben Juli fing es an zu regnen. Dieses Wetter hat acht Wochen angehalten. Den 7. Oktober fing der Herbst an. Vom 4. zum 5. Oktober hatten wir starken Frost; Winterkälte.

In den unteren Feldern ist das Laub von den Wingerten gefallen. Die Trauben waren lumpig da gehangen. Großer Schaden. Portugieser kostet 15-16 Mark, weißer Most 15,50 und 16 Mark, Bergmost 17 Mark, 1000 Liter Wein 480 bis 500 Mark.

1913: Der Winter war bis zum 11. April sehr gut. Da schneite es. Der Schnee war fast fußhoch gelegen. In der Nacht vom 11. zum 12. April 3 und 4 Grad Kälte. Blütezeit war nicht zum besten. Der Sauerwurm hat viel vernichtet.

Im September fing der Herbst an. Portugieser kostet 10,50-11,25 Mark, Weißmost 11 Mark, Wein 350-370 Mark.

20 Dezimalen Wingert geben 3, 4, 5 bis 8 Hotten Most.

1914: Kriegsjahr. Der Winter ziemlich gut. Ganzer März naß. April vom ersten bis zum letzten sehr warm; bis zu 20 Grad. Mai kühl und regnerisch. Viele Kirschen und anderes Obst. Am 1. Oktober fing der Herbst an; er ist sehr schlecht ausgefallen. Schlechte Blütezeit. Die meisten Traubenbeeren waren kaum so groß wie Stecknadelköpfe. Dann hat der Wurm seinen Teil auch bekommen. Hardten, Heideweg, Kastanienbusch, Ueberfeld, Acker und Geisenweid ertragen in einem Viertel Wingert 1-2 Hotten Trauben;

im obern Feld war es besser bestellt. Portugiesermost kostete 8,50-9 Mark, Weißmost 11,50-12 Mark.

Am 2. August auf Kirchweihsonntag wurde der Krieg erklärt. Traurige Tage. Vom Montag an mußten schon die jungen Leute einrücken. Alles wurde rar und teuer.

1915: Kriegsjahr. Der Winter nicht so kalt. Vom April an sehr heiß. Gute Blütezeit und doch hat der Wurm in den unteren Feldern vielen Schaden gemacht. 20. September fing der Herbst an. Portugieser wurden verkauft 40 Liter 16-18 Mark, der weiße um 16-18 Mark. Der Wein ist sehr gut.

Vom März 1915 an bekommen wir Brotkarten. Auf die Person trifft einhalb Pfund Brot täglich. Das Pfund Brotmehl kostet 20-25 Pfg. Weißmehl bekam man fast gar keins. Butter und Fettwaren rar und teuer. Für das Pfund Butter wurde bis zu 2 Mark bezahlt. Kartoffeln kosten im Frühjahr 10-12 Mark, im Spätjahr 4,20 Mk. pro Zentner, das Schweinefleisch 1,60-1,80 Mark, Kalbfleisch 1,10-1,30 Mark, Rindfleisch 1,10 bis 1,20 Mark pro Pfund. Der Staat nahm alles in die Hand sonst hätten wir alles noch teuerer bezahlen müssen.

(In meinen eigenen Notizbüchern finde ich über den Hagelschlag im benachbarten Edenkoben folgenden Eintrag: Sonntag, 27. Juni 1915.

Ein Spaziergang führt mich am Nachmittag auf den Wingertsberg bei St. Martin. Die Luft war den ganzen Tag schwül gewesen. Da steigt gegen 4 Uhr in der Gegend von Landau ein Gewitter auf. Blitze leuchten und der Donner rollt. Das Gewitter zieht gegen Edenkoben herab. Mit meinem 9jährigen Töchterchen, das mich begleitete, suche ich zum Schutz gegen den Regen ein Wingertshäuschen auf. Da setzt der Sturm ein. Es wird merklich kühl. Edenkoben liegt plötzlich in Regen und Wolken gehüllt. Wir können dort kein Haus mehr erkennen. Ein sonderbares Rauschen dringt von dort an unser Ohr.

Nach einer Weile ist alles vorbei. Wir können weiter gehen. In St. Martin und dessen Gemarkung ,war nur ganz wenig Regen gefallen. Wie sah es aber in Edenkoben aus, das wir noch am gleichen Abend erreichten? Das Gewitter war dort von einem schweren Hagelwetter begleitet. Am Eingang zur Stadt sehen wir eine Hausrebe, die vollständig vernichtet ist. Hagelkörner in der Größe von Erbsen liegen umher. Vor der Wirtschaft zum Ratskeller liegen diese auf eine Strecke von etwa 30 Meter Länge zirka 30 Ztm. hoch. Die gefangenen Russen schaffen sie mit Schaufeln und Karren fort. Man konnte meinen mitten im Winter zu leben, wo Eis und Schnee fortgeschafft werden. Die Felder zu beiden Seiten der Staatsstraße

Edenkoben-Landau mit den Orten Edenkoben, Edesheim, Roschbach, Walzheim, Böchingen und Nußdorf waren in der Hauptsache betroffen worden. Das Gebiet westlich der elektrischen Oberlandbahn blieb verschont. Die Felder hatten zuvor in Ueppigkeit gestrotzt, die Weinberge zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Das warme, sonnige Wetter der letzten Wochen war der Entwicklung der Trauben günstig gewesen, wenn auch der Wurm an manchen Plätzen nicht fehlte. Die Trauben hatten bereits große Beeren. Sie hingen sich schon, wie der Weinbauer zu sagen pflegt. In den verhagelten Gegenden standen Reben und Obstbäume kahl wie im Winter. Gg. Fz.).

Kriegsjahr 1916. Ein nasser Jahrgang. Kirschen gab es nicht viel; sie waren sehr teuer; 30-50 Pfg. das Pfund. Traubenblüte schlecht. Das Graue war nicht zu bekämpfen. Schlechte Witterung und schlechter Schwefel. Herbst fiel sehr schlecht aus. Aber gute Preise. Portugieser 40 Liter 40-45 Mark, Weißes 40-45 Mark, 1000 Liter Wein 1500-1800 Mark.

Rindfleisch kostet 2,00 Mark, Kalbfleisch 1,68 Mark, Schweinefleisch 1,66 Mark pro Pfund. Höchstpreise wurden gesetzt.

Kriegsjahr 1917. Sehr kalter und langer Winter. Im Mai wurde noch gekammert. Weiden sind sehr teuer; es wurde bis zu 18 Mark pro Zentner bezahlt.

Im Mai fing gutes Wetter an. Jeden Tag sehr warm. Viele Gewitter mit großem Wasser. Hagelschlag am 18. Mai. Die Gegend von Edesheim bis an die Grenze von Neustadt hart betroffen. In der ganzen Gemarkung von Maikammer war kein Auge mehr auf den Wingerten. Bei uns war das untere Feld mitgenommen.

Im Mai alles rar und teuer. Rindfleisch kostet 2,20 Mark, Kalbfleisch 1,60 Mark. Schweinefleisch gab es keines. Kartoffeln 12 Mark. Für die Butter wurden 5 Mark und mehr bezahlt. Wir haben unseren Wein von 1916 im Mai zu 2800 Mark - achtundzwangzighundert Mark - verkauft. Der 17er Wein gut. Portugiesermost 40 Liter = 120 bis 130 Mark, weißer 110-120 Mark, 1000 Liter Wein 3200-3500 Mark. Im Dezember wurde Wein zu 4000-4200 verkauft. Im Juli 1918 kostete das Fuder 7000-8000 Mark.

Kriegsjahr 1918. Alles sehr teuer. Für Weiden zur Kammert mußten wir 46-45 Mark per Zentner zahlen. Taglöhner erhalten 6 und 7 Mark, für Spritzen und Schwefeln 9 Mark. Weibliche Arbeiter 4 - 5 Mark. Für Kirschen wurden pro Pfund 1,00 Mark bezahlt, Frühbirnen 60 Pfg., Pfirsiche 0,80-1,00 Mark, Zwetschen 70-80Pfg., Aepfel bis 1,00 Mark, Butter bis zu 15 Mark, Kartoffeln 10-15 Mark pro Zentner.

Portugiesermost 200-235 Mark - 40 Liter -, Weißmost 110-120 Mark, 1000 Liter Wein 3200 bis 3500 Mark.

Im November gab es Waffenstillstand. Am 1. Dezember kamen die Franzosen und besetzten die Pfalz und das linke Rheinufer. Der Wein wurde im Dezember zu 1600-1800 Mark verkauft. Es hat geheißen, der Wein wird von den Franzosen beschlagnahmt. Das war aber nicht der Fall. Er fing wieder im Preis an zu steigen und kam auf 8000 Mark.

1919: Es gab wenig Kirschen, diese wurden bis zu 1,80 Mark pro Pfund bezahlt. Sie hatten in der Blüte Not gelitten; auch die obern Wingerte waren damals teilweise erfroren. Da gab es ganz wenig. Wein. Portugieser wurde verkauft pro 40 Liter mit 110-130 Mark, weißer Most 200 Mark. Der Wein war so in der Höhe, daß der rote bis 7500 und weißer im November 8000 und 10 000 Mark kostete.

Aber alles andere war auch sehr teuer. Rindfleisch bis 7,50 Mark, amerikanisches Schweinefleisch 10,50 Mark, Schmalz 17 Mark, Rinderfett 17 Mark das Pfund, Kartoffeln 15-20 Mark pro Zentner, Gelbrüben und Kohlraben 10 und 12 Mark pro Zentner. K oh l e n n o t. Der Zentner 7,00 Mark. Aber kein Holz. 9,00 Mark der Zentner. Wolle das Pfund über 100 Mark.

Kleiderstoffe bis 80 Mark das Meter. Ein Herrenanzug bis 1000 Mark. Das Paar Schuhe bis 150 Mark. Stearinkerzen das Stück 2,00 Mark. Ein Pfund Kaffee 16 Mark, eine Flasche Oel bis 30 Mark, Mandeln 16 Mark, Zucker bis 700 Mark pro Zentner. Vom Kleinsten bis zum Größten mußte man alles bis zum Zehnfachen bezahlen.

Für Weiden zum Anbinden der Reben wurden bis 120 Mark bezahlt.

1920. Das Fuder Wein vom Jahr 1919 kostete im April bis zu 20 000 Mark. Butter und Fett 20-26 Mark per Pfund. Der Zentner Kartoffeln bis 50 Mark, Heu bis 100 Mark. Brotmehl im Mai 1,40 Mark, 3 Pfund Brot 4,80 Mark, Weißmehl bis 7 Mark das Pfund, ein Ei bis 2 Mark, der Schoppen Milch 75 Pfg., Schweinefleisch 16 und 20 Mark, Rindfleisch 10-20 Mark. Als Taglohn bekam ein Mann 20 Mark, eine Frau 12 Mk. Der Wein von 1919 ging im September 1920 zurück. Er wurde jetzt um 8000-9000 Mark verkauft. Im November ging er wieder in die Höhe bis 12 000 Mark. Im Herbst 1920 kostete die Hotte Rotmost 210-250 Mark, Weißmost 300-340 Mark, 1000 Liter Wein 10 000 Mark.

Der Zentner Kartoffeln 30-40 Mark, das Pfund Rindfleisch 12 und 14 Mark, Schweinefleisch 22-24 Mark, Butter 25 und 26 Mark, Kaffee 36 Mark, Wurst 16 und 20 Mark, Eier bis 3 Mark das Stück,

Weißmehl ohne Karte kostete bis 8 Mark, Brotmehl bis 4 Mark pro Pfund. Weißmehl auf Karte kostete 2,20 Mark, Brotmehl 1,40 Mark. Alles ohne Ausnahme war sehr teuer. Ein Schoppen Milch 1,15 Mark, ein Pfund Zucker 11 Mark, der Zentner Weiden bis 170 Mark.

1921: Winter sehr gut. Februar und März ein Tag wie der andere Sonnenschein und warm. Am 27. März war Ostern. Vieles Obst hat schon geblüht. Die Kammert war fertig. Der Wein ging im Preis zurück. Er wurde zu 6000 Mark verkauft. Taglöhner bekamen im März 32 Mark, Frauen 16-18 Mark.

Rindfleisch pro Pfund 12 und 14 Mark, Kalbfleisch 14 Mark, Schweinefleisch 18 Mark, Butter 25 Mark, Weißmehl bis 8 Mark, 3 Pfund Brot 5 Mark.

Am 22. September fing der Herbst an. Portugieser und Weißmost 40 Liter 260-330 Mark. Tausend Liter Wein 9000-10 000 Mark. Im halben Oktober wurden schon 15 000 Mark bezahlt. Der alte Wein ging im Preis wieder hinauf bis 9000 und 10 000 Mark.

Der Most wog bis 100 Grad. Vom April bis Herbst hatten wir fast gar keinen Regen. Immer Sonnenschein und große Hitze! Kartoffeln kosten 75-100 Mark pro Zentner. Es kamen viele aus Bayern. Bei uns gab es wenig.

Butter 30 Mark, Schweinefleisch 20 Mark, drei Pfund Brot 7 Mark. Ein sehr guter und starker Wein.

1922: Der Winter sehr kalt; viel Schnee. Am 21.März hat es fest geschneit. Der alte Wein (von 1920) kostet im Februar und März 15000-20 000 Mark, der neue (vom Jahr 1921) 20 000-30 000 Mark. Der Zentner Weiden 250 Mark, Rind- und Kalbfleisch pro Pfund 24 Mark, Schweinefleisch 30 Mark, ein Weck 90 Pfg., Kaffee über 100 Mark, Butter bis 50 Mark, ein Taglöhner erhielt 60 Mark, eine Frau 32 Mark pro Tag. Alles Obst sehr teuer.

Der Wein im Herbst 1000 Liter 60 und 70 000 Mark, 40 Liter Rotmost 2200 und 2300, weißer Most 1800-2000 Mark. Herbstlöhne: Leser 200 Mark, der Hottenträger 500 Mark pro Tag. Der Wein hat von Tag zu Tag aufgeschlagen. Im Dezember kostet er von 1922 = 300 000-400 000 Mark (Viermalhunderttausend Mark), alter von 1921 = eine Million.
Lebensmittel aber auch sehr teuer. Kartoffeln der Zentner bis 800 Mark, Kraut 1000 Mark, Stroh bis 8 und 9000 Mark, Heu 11 000 Mark, Butter das Pfund 15-20 Mark, Rindfleisch, 500 Mark, Kalbfleisch 500 Mark, Schweinefleisch 800 Mark, Wurst 500-800 Mark, ein Weck 50 Mark,

Brot 260 Mark, Brotmehl bis 300 Mark, Kaffee über 3000 Mark. (Die Winzergenossenschaft Kropsburg wird errichtet.)

1923: Den ganzen Winter hindurch ab September Regenwetter. Der Wein kostet im Februar 1922er bis 800 000 Mk., 21er über zwei Millionen, Fleisch und Wurst bis 2000 Mk. Drei Pfund Brot 560 Mk., das Pfund Mehl 170 Mk., Weißmehl bis 600 Mk., Butter bis 4000 Mk., Heu und Stroh 10 bis 12 000 Mk., der Zentner Weizen 20 000 Mk., Schwefel 18 000 Mk. pro Zentner, ein Meter Stoff zu einem Herrenanzug 50 000 M., zu einem Damenkleid 40 bis 45 000 Mk. Gewürze und Suppensachen ungrad teuer. Ein Ei über 1000 Mk., ein Pfund Reis 1000 Mk., ein Schoppen Oel 1200 Mk., Holzschuhe 8000 Mk., Lederstiefel 10 bis 20 000 Mk. Der 23er Herbst war sehr schlecht. Den ältesten Leuten gedenkt kein so schlechter Herbst. Im ganzen Feld gibt durchschnittlich der Morgen Wingert eine Hotte voll Trauben. Wir haben die Trauben fast alle mit dem Obstkorb heimgetragen.

Im November wurde mit Milliarden gerechnet, im Dezember mit Franken. Der Liter Wein 1 - 1.50 - 2 Franken. Es wurden immer nur 100 bis 30 Liter Wein verkauft, weil der Wein jeden Tag aufschlug.

Das Pfund Fleisch eine Billion und darüber. Butter 8 Franken. Kohlen, Holz, Briketts, Kartoffeln, Mehl, Brot und alle Krämerartikel ungrad Milliarden und Billionen.

1924: Januar sehr kalt, 8 bis 12 Grad. Viel Schnee. Der Wein wurde verkauft pro Liter zu 600 bis 700 Milliarden. Im Wirtshaus kostet der Schoppen 50 Pfennig oder fünfhundert Milliarden. Zehn Pfennig sind 100 Milliarden, 1 Mark eine Billion. Verrückte Wochen haben wir erlebt. Jeden Tag kostet es Milliarden und Billionen. Alles mehr! 22er Wein kam auf 1000 Billionen, 21er auf 2000 und 3000 Billionen. Es ist nicht alles zu schreiben, wie die Lebensmittel im Preis gestiegen sind. Dann das Allerschwerste, die Geldentwertung! Ueber Nacht hatte sämtliches Papiergeld, Hunderttausende und Millionen, keinen Wert mehr. Das Geld auf den Banken und Sparkassen alles verloren! Die reichsten Leute wurden arm. Dann wurde wieder mit Mark und Pfennigen gerechnet. Im August kostete das Fleisch 80 Pfennig bis 1 Mk. und 1.20 Mk.; Wurst 1.20 bis 1.60 Mk. ein Weck 4 Pfg., 3 Pfd. Brot 50 Pfg., Butter 1.60 bis 2 Mk. Der Wein 1000 Liter 400 bis 450 Mk.

Der Herbst fing am 1. Oktober an. Portugieser kosten 40 Liter 12 Mk., weißer Most 40 Liter 15 bis 18 Mk., 1000 Liter Wein 500 bis 550 Mk.

St. Martin mit der Kalmit

Der Herbst ist sehr gut ausgefallen. Es hat viel gegeben, aber etwas sauer, denn August und September waren sehr naß. Der Oktober war gut. Im November schon wieder Aufschlag. 3 Pfund Brot sechzig Pfennig,. Rindfleisch 80 Pfg., Kalb- und Schweinefleisch 1.20 Mk, Wurst 1.20 bis 1.60 Mark das Pfund.


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