V. (1)
Wohl
keinem Fremden, der je einmal St. Martin durchwandert hat, dürften
die zahlreichen alten Häuser, Schmuckstücke der Baukunst
vergangener Tage, in seiner Aufmerksamkeit entgangen sein.
Das Dorf, ehedem zum Fürstbistum Speyer gehörig, war
durch Jahrhunderte der Sitz adeliger Familien. Die Bischöfe
hatten diese für geleistete Dienste unter anderm auch mit
großen Rechten in Dorf und Flur St. Martin entschädigt.
Mit der Burg wurde z, B. 1318 und 1441 der gesamte Kropsberg
als Lehen den Dalbergern gegeben. Der Stern dieses Hauses war
bereits im Erbleichen, als Gottlob Amand um 1760 im Dorf St.
Martin die sogenannte "Kellerei" erbauen ließ.
An ihrer Stelle und in dem nicht weit davon gelegenen Gebiet
des noch zu erwähnenden Hauses an der Ameisengasse standen
die zwei Häuser, welche die älteren Berichte in Verbindung
mit der Kropsburg immer wieder erwähnen. Die jetzt in deren
unmittelbaren Nachbarschaft gelegenen ländlichen Anwesen
sind erst in der Zeit um 1800 entstanden.
Diese zwei herrschaftlichen
Gebäude lagen frei inmitten von Feldern und Gärten.
Sie zählten zu den Besitzungen der Burg, in die sich bis
1441 zwei ritterliche Familien teilten. In diesem Jahr erst werden
die Dalberger alleinige Inhaber.
Das Haus an der Ameisengasse aber bleibt ihnen vorenthalten.
Hier hausen die Schlichterer von Erfenstein und nach deren Aussterben
um 1457 die Herren von Altdorf. Den Namen ihrer ehemaligen Vorgänger
in Amt und Lehen, der Krobsberg, fügen sie ihrem angestammten
Namen bei.
Die Schlichterer von Erfenstein und die Herren Altdorf, genannt
von Krobsberg, waren zweifellos die Landrichter in diesem Teil
des Speyerer Bistums, schlichteten in der Weise der alten Sendboten
die Streitigkeiten zwischen den Untertanen.
Jakob Hunt von Saulheim, um 1600 Nachfolger im St. Martiner Besitz
der Erfensteiner und Krobsberger, setzt wohl nur aus diesem Grund
in einer Urkunde über einen Güterverkauf im Dorf St.
Martin, die sich im Staatsarchiv zu Speyer befindet, sein Siegel
bei.
Ueber dem Eingang in dem Haufe an der Ameisengasse sehen wir
die Jahreszahl 1604 mit einem Wappenschild, das die Buchstaben
T und S verschlungen zeigt. Vielleicht, daß beide an die
Hunt von Saulheim erinnern.
Der Bischof von
Speyer, Marquard von Hattstein, belehnt 1579 den Jakob Hunt von
Saulheim, der des Bischofs Schwester geehelicht hatte, mit gedachtem
Haus und der Hälfte vom Zehnten in der Gemarkung. Weiter
erhält derselbe Aecker, Wiesen und Weinberge.
Ameisengasse
lautet die amtliche Bezeichnung dieser Dorfgasse. Nicht weit
davon liegt der Ameisenacker, eine Flur der Gemarkung. Der Volksmund
aber sagt "Ehmsegaß" und "Ehmseacker".
Zwar gibt es dort wenig "Ehmse", das sind Ameisen;
aber ein "Embßer Melcher" hatte um 1600 dort
Haus und Feld.
Die Hunt von Saulheim erbauen nach ihrem Einzug in das Dorf um
1600 auch die drei herrschaftlichen Häuser an der Dorfstraße
nach Maikammer. (Uebergasse.) Der schöne Erker dort zeigt
unter anderm auch das Wappen der freiherrlichen Familie, den
weißen Schild mit den roten Monden und einem Schwarzen
Stern.
Der Erker an der östlichen Hälfte des Doppelhauses
mußte um 1830 abgetragen werden. Der Wappenschmuck blieb
jedoch erhalten. Er wurde an der gleichen Stelle des Hauses eingemauert.
Ein Besuch in den drei Häusern zeigt reiche Steinhauerarbeiten,
Steinmetzzeichen, Wappen, die Jahreszahl 1587 u. a. m.
Hinter diesen drei Gebäuden liegen mehrere Morgen von Weinbergen,
die zum Pfarrgarten
gehören.
Diese dürften früher wohl Bestandteile des den Krobsbergern,
Erfensteinern, Altdorfern und Saulheimern zugewiesenen bischöflichen
Lehens gewesen sein.
Der Kirchensatz in St. Martin, das Patronatsrecht, mit dem die
Ernennung des Pfarrers verknüpft gewesen, stand ja ehedem
den Herren von Krobsberg zu. Aus diesem Grunde durften sie ihr
Wappen im Gotteshaus anbringen und in der Kirche bestattet werden.
Herrschaftlichen Ursprungs ist sodann als sechstes Gebäude
das ehemalige Kaplaneihaus am unteren Ende der Mühlgasse.
An seiner Stelle stand ehedem ein Hof, der freiherrlichen Familie
"von Duttweiler" gehörig. Es ist schade, daß
die zu dem Haus führende Freitreppe vor ungefähr hundert
Jahren abgetragen wurde.
Noch kennt man heute im Dorfe die Kaplaneiwiesen. Diese gehörten
dereinst gleich den benachbarten Dalbergerschen "Zehnmorgen"
zu der unteren Allmend.
Rat-, Pfarr- und Schulhaus dürften in ihrer Bauweise den
beschriebenen Anwesen einmal nicht unähnlich gewesen sein.
Die Zeit um 1820 aber forderte die drei alten Bauten als Opfer.
Die gotische Kirche, die in der Zeit um 1488 erbaut gewesen,
wurde bereits 1770 niedergelegt. Nur Turm und Chor mit dem schönen
Sakramentshäuschen

blieben damals
erhalten. Beim Kirchenneubau um 1890 wurde der Turm erhöht,
das Chor abgetragen und zirka 20 Meter weiter ostwärts in
alter Größe und in alter Bauweise mit den alten behauenen
Steinen wieder aufgeführt.
Die
übrigen alten Bürgerhäuser des Dorfes gehören
in ihrer Entstehung meistens der Zeit von 1720 bis 1790 an. Unsere
arme Pfalz hatte sich von dem Kriegselend des vorausgegangenen
Jahrhunderts einigermaßen erholt. Ein gewisser Wohlstand
dürfte in St. Martin eingekehrt gewesen sein. Ein schmuckes
Dorf entstand. Gar manches Haus aus jener Zeit ist erhalten geblieben
und zeigt uns die Bauweise im pfälzischen Weindorf jener
Zeit.
Der Unterbau ist in Sandstein gehalten. Der weitere Aufbau besteht
aus Holzfachwerk. Die damals in den Geraidewäldern noch
reichlich vorhandenen Eichenbestände lieferten das Material.
Erker und Türmchen fehlen nicht. Zahlreiche Nischen enthalten
Heiligenfiguren, die Schlußsteine im Torbogen die Hausmarke.
Diese ist gleichzeitig das Familienwappen und wird von dem Hausherrn
im Petschaft geführt. In amtlichen Urkunden erscheint es
in Siegellack der Unterschrift beigedruckt. Das Selbstbewußtsein
beim Weinbauer des 18. Jahrhunderts erwacht. Er macht es wie
der Bürger in der mittelalterlichen Stadt,
der sich auch
nach dem Vorbild des Ritters ein Wappen wählte.
Traube und "Sesel" (Winzermesser), die Werkzeuge des
Küfers, erscheinen als Symbole, alte Familienerinnerungen
werden festgehalten. Der Vertreter der Familie Will führt
z. B. ein Schiff im Siegel. Es soll ja einmal ein Will als Schiffsbauer
den Reichtum der Familie begründet haben. Ein Glied der
Familie Schneider hat einen Baum gewählt. Er war wohl Besitzer
der Wirtschaft zum grünen Baum, die 1584 erbaut wurde. Laut
Lagerbuch des Oberamts Kirrweiler vom Jahre 1573 zahlte der Wirt
in St. Martin an den Bischof jährlich als Schankgeld 3 fl.
zur Herbst- und ebensoviel zur Maibeed.
Alle Häuser des Dorfes lagen bis zirka 1800 frei. Sie waren
von Hof und Garten umgeben. Allmählich aber werden die zwischen
und vor den alten Anwesen gelegenen Plätze verbaut. Das
ursprüngliche, schöne Dorfbild verschwindet. Die von
Frankreich kommende Aufklärung läßt nur Raum
für praktische Werte. Dazu verlangt die Not der Zeit ihre
Opfer. Nach einem "Geld-Register" vom Jahre 1764 zählte
das Dorf damals 126 Bürger und 28 "Wittweiber".
Die regierenden Herren messen bereits den Reichtum ihrer Gebiete
an dem vorhandenen Menschenmaterial. Auswanderung und Kriegsdienste
in fremden Ländern
werden verhindert. Die Leute bleiben im Dorf. Man nistet sich
mit neuen Häusern und Häuschen zum größten
Teil vor, zwischen und hinter den bereits vorhandenen älteren
Häusern ein.
Was aber an Menschen wohnungs- und obdachlos durch das Land streift,
hält gleich dem Fürsten von Leiningen auf dem Matzenderg
(Karlsberg) bei Grünstadt der oben genannte Gottlob Amand
auch auf der Kropsburg fest. Unter anderem kann er sich ja "außerordentliches
Ehrenmitglied der Kurfürstlichen Pfälzischen Physiokratisch-ökonomischen
gelehrten Gesellschaft zu Kaiserslautern" nennen, die das
Wohlergehen des Landvolkes fördern will. Dazu sind die Kassen
des Freiherrn immer leer.
Die Kropsburg ist nur mehr als Ruine auf
ihn gekommen. Die Burgen aber hatten ihre ursprüngliche
Bedeutung verloren. Zwischen den alten Mauern siedelt er Familien
an. Sie erhalten Räume und Häuschen im Erbbestand.
Nach einer mir zur Verfügung stehenden Urkunde von 1786
gibt es jetzt "Bürger und Untertanen zu Kropsberg",
die der "Kellerei zu Kropsberg" einen "jährlichen
Erbzins" entrichten.
Unabhängig vom Dorf bildet sich dort oben eine kleine Gemeinde.
Diese zählte zeitweise über hundert Seelen. In dem
erwähnten Geldregister,
in dem das Schulgeld
für den Lehrer zusammengestellt ist, sind diese Bürger
mit einbegriffen.
In der Zeit der französischen Herrschaft wird der Kropsberg
mit der Gemeinde vereinigt. Allmählich steigen die Schloßleute
nieder in das Dorf. Sie bauen besonders am "Viehweg"
die zahlreichen Arbeiterhäuschen.
Die "Einlaub" entsteht. Ursprünglich ist nur die
gegen die Burg gerichtete Seite dieser Gasse verbaut. Neben jedem
Häuschen erhob sich auf vier bis sechs Balken ein Holzgerüst,
eine Art Laube, zur Aufnahme von Reb- und Reiserholz.
Als Waldarbeiter, Steinhauer und später als "Fabrikler"
fanden diese zahlreichen Leute, die nur wenig Grund und Boden
ihr eigen nennen konnten, den Lebensunterhalt. Um das Jahr 1880
hatten sich sogar zwei Emaillewaren-Fabriken in dem an der Bahn
abseits gelegenen Dorf auf kurze Zeit aufgetan. Steinhauer sterben
meist in jüngeren Jahren. Darin dürfte der Grund zu
der hohen Zahl der Witwen liegen.
Jm Jahre 1796 wurde die Kirche renoviert. Zur Erinnerung ließ
die Ortsverwaltung im Anschluß daran eine Bleiplatte innerhalb des Turmes anbringen.
Neben den Schultheißen und den andern sechs Gerichtspersonen
(Gemeindeverwaltung) wird auf derselben von 180 Bürgern
und 35 Wittweibern gesprochen.
Nach einer Aufstellung bei den Akten des
Bürgermeisteramts betrug die Seelenzahl
|
Jahr |
Einwohner |
Jahr |
Einwohner |
|
1802 |
748 |
1890 |
1819 |
|
1815 |
1400 |
1895 |
1783 |
|
1849 |
1924 |
1900 |
1845 |
|
1861 |
1561 |
1910 |
1935 |
|
1871 |
1496 |
1917 |
1711 |
|
1875 |
1564 |
1919 |
1933 |
|
1880 |
1670 |
1925 |
1948 |
|
1885 |
1759 |
|
|
Die
mitten im Dorf gelegene "Wirtschaft zum Wolf"
zeigt heute noch, wenn wir von dem seitlichen Anbau absehen,
die ursprüngliche Gestalt. Dieses Anwesen beherrscht das
Bild der Straße, die sich hier zu einem kleinen Platz erweitert.
Die Inschrift über dem Tor setzt die Erbauung des Hauses
in das Jahr 1744. Die über derselben angebrachte Krone läßt
vermuten, daß der Erbauer Schaar wohl fürstlicher
Schultheiß gewesen jein dürfte.
Eine Urkunde, die im Gastzimmer unter Glas und Rahmen gezeigt
wird, sagt, daß dem Anwesen im Jahre 1797 durch Fürstbischof
Wilderich das Schankrecht verliehen wurde.
Der
"Wolf" war länger als ein Jahrhundert der Mittelpunkt
im Most- und Weingeschäft des Dorfes. Der erste Wirt, Valentin
Schneider, führte lange Zeit das gemeindliche Amt eines
"Weinstichers", der für die Weinkäufer die
Weinproben mit einem Stechheber aus den Fässern nahm. Von
den zwei durch ihn geführten diesbezüglichen Registern
ist das eine im Weinmuseum zu Speyer aufgelegt.
Wirtschaft und das aus dem Amt eines Weinstichers hervorgegangene
Geschäft eines Weinkommissionars vererbte Schneider auf
seinem Schwiegersohn Franz Eisele. Dieser überließ
1881 alles wiederum seinem Tochtermann Georg Linzenmeier, von
dem 1908 der jetzige Eigentümer, Heinrich Lorenz, Haus und
Geschäft käuflich erworben hat.
Alljährlich gaben Linzenmeier,
später auch Lorenz, ihren Kunden in einem Schreiben vor
Beginn der Weinlese Kenntnis über den Stand der Weinberge,
über Quantität und Qualität des zu erwartenden
Herbstes. Außer diesen Rundschreiben lassen die durch Linzenmeier
sehr sorgfältig geführten Geschäftsbücher
ersehen, was uns im Rahmen dieser Veröffentlichung interessieren
dürfte.
Wir finden:
1881. Beginn der Weinlese am
10. Oktober. Quantität ein halber Herbst. Qualität
mittelmäßig. 60 bis 80 Grad Mostgewicht nach Oechsle.
Preis per Logel 50 Liter Trebermost 11 bis 12 M. 1000
Liter Wein 265
bis 290 M. "Im allgemeinen kann das Geschäft im Weinverkauf
als zufrieden bezeichnet werden".
1882.
Beginn der Weinlese 18. Oktober. Ein halber Herbst - zufrieden.
- Qualität gering, wässerig. 50 bis 70 Grad. Die Trauben
animieren nicht zum Essen. Preis per Logel (50 Liter) 6,75 bis
7,25 M. 1000 Liter Wein 190 bis 200 M. Das Geschäft im Vergleich
zum Vorjahr schlecht. Aeltere Weine täglich seltener. Diese
werden am 12. Oktober 1882 angeboten: 1881er 330 bis 400 M, 1878er
400 bis 450 M, 1880er 450 M, 1876er 500 bis 700 M.
1883.
Beginn der Weinlese 10. Oktober. Qualität sehr zufrieden.
Dreiviertel-Herbst; Qualität mittelmäßig, etwas
besser wie der 81er. - 65 bis 85 Grad. Preis der Logel (40 Liter)
7,20 bis 7,80 M. 1000 Liter Wein 230 bis 250 M. Weinverkauf recht
lebhaft. "Aeltere Weine sind infolge der günstigen
Herbstaussichten im Preise zurückgegangen. Es stehen heute
82er auf 150 bis 165 M, 81er (selten) 300 bis 330 M, 80er 350
bis 400 M."
1884.
Mai: Witterung für Reben äußerst günstig.
12. Juni: Vereinzelt Traubenblüten. Schlechtes Wetter bis
25. Juni. Heuwurm macht großen Schaden.
1. Juli: Reben
in voller Blüte.
4. Juli: Ende der allgemeinen Traubenblüte. Witterung äußerst
günstig. Ende Juli waren die Trauben schon ziemlich ausgewachsen.
Man findet bereits helle Beeren.
26. August: Sauerwurm stark aufgetreten, namentlich im Ueberfeld;
viel Schaden. Witterung bis zum 10. September ungünstig.
18. September: Außergewöhnlich gute Witterung; 20
bis 21 Grad R. im Schatten.
23. September: Versand von Gartenmost (Vorlese) per Logel (40
Liter) 12 bis 13 M. Mostgewicht 65 bis 70 Grad nach Oechsle.
26. September: Lese der Portugieser. Mittelpreis per Logel (40
Liter) 12,50 M. 75 bis 85 Grad. Fortwährend gute Witterung.
8. Oktober: 1882er per 1000 Liter 180 bis 200 M; 1883er per 1000
Liter 270 bis 300 M.
10. Oktober: Weinlese bei Schützen und Weinträgern.
Preis per 1000 Liter Wein 330 bis 350 M. 78 bis 83 Grad Mostgewicht.
13. Oktober: Allgemeine Weinlese, Quantität ein halber Herbst,
Qualität sehr gut, der beste Wein nach 1865. Preis per Logel
(40 Liter) 12 bis 13 M, für 1000 Liter Wein 350 bis 375
M. Mostgewicht 75 bis 95 Grad. In den ersten Tagen des Herbstes
war großer Andrang von Käufern. Es ging ein flottes
Geschäft zu 350 bis 360 M. "Nachdem die Bauern in ihren
Forde-
rungen zu stolz
wurden und 380 bis 400 M verlangten, haben die Kauflustigen unser
Dorf verlassen, um anderwärts zu kaufen". Im allgemeinen
war doch das Herbstgeschäft zufriedenstellend. Nach dem
Herbst Stille im Weinverkauf.
1885.
Mai: Rückgang der 1884er Weinpreise. 300 bis 330 M. Schlechte
Witterung, Regen und Kälte.
15. Juni: Beginn der Traubenblüte. Als außergewöhnliche
Erscheinung ist zu beobachten, daß viele Sämlinge
in leichten Böden ganz abgefallen sind, wahrscheinlich infolge
der langandauernden Kälte im Mai und der darauf folgenden
großen Hitze.
1. Juli: Ende der Traubenblüte. Witterung in diesem Monat
ausgezeichnet. Ende des Monats die Trauben ausgewachsen. Sauerwurm
stark angesetzt.
3. August: Helle Traubenbeeren sind vereinzelt gefunden worden.
26. August: Die Aussichten auf den Herbst sind qualitativ günstig
und versprechen einen halben Herbst. Portugieser sehr schön
und vollkommen gefärbt.
September: Witterung für die Trauben wenig günstig.
Sauerwurm stark aufgetreten. Immer getrübtere Aussichten
auf den 85er.
28. September:
Lese der Portugieser. Die Trauben waren ziemlich schön und
gesund. Man hatte sich ein Mostgewicht von 80 Grad versprochen,
war aber enttäuscht als das Mostgewicht nur 60 bis 70 Grad
betrug. Der Verkauf von Portugiesermost ging flott; die Logel
zu 40 Liter kostete 10 M. Witterung stets schlecht. - Fäulnis
und Sauerwurm verheerend.
1. Oktober: Gartenmost-Vorlese per Logel (40 Liter) 9 M. Fortwährend
Regenwetter. Man erwartet noch einen Viertelherbst und eine dem
1883er ähnliche Qualität. Aeltere Weine sind sehr gesucht.
Es kosten 1883er 250 bis 280 M., 1884er 320 bis 360 M per 1000
Liter.
5. Oktober: Beginn der Weinlese. Während derselben das schlechteste
Wetter. Fäulnis ungeheuer zugenommen. Preis der Logel (40
Liter) 6,50 bis 7 M. 62 bis 75 Grad Mostgewicht. 1000 Liter Wein
200 bis 210 M. Quantität schwacher Viertel-Herbst. Weingeschäft
in allgemeinen schlecht.
Dezember: Lange andauernde Kälte. Hier bis 9 Grad R., in
der Ebene 11 Grad, im Unterland bis 18 Grad. Die Weinberge haben
in den niederen Lagen Schaden gelitten, hier jedoch unbedeutend.
An vielen Reben zeigte sich der Bast unter der Rinde braun; da
dies nur selten vorkommt, läßt sich heute der Frostschaden
nicht leicht
bemessen. Es
ist abzuwarten, wie das Wachstum im Frühjahr vor sich geht.
Preise der 85er Weine 170 bis 200 M, 84er 325 bis 360 M, 83er
250 bis 300 M per 1000 Liter.
1886.
18. März: Die 85er Weine haben sich besser gebaut, als man
geglaubt hatte. Die vielfach "braun oder fuchsig" gewordenen
Weine haben sich gebessert. Es ist ein Preisaufschlag eingetreten.
Unter 200 M kann man nicht mehr ankommen. "Gegen das Braun-
oder Fuchsigwerden ist meiner Ansicht nach anzuraten, in geringen
Jahren und bei faulen Trauben die Lagerfässer vor dem Füllen
des frisch gekelterten Weines etwas einzubrennen. Besonders anzuempfehlen
ist Transportfaß doppelt einzuschwefeln."
Mai: Trotz Winterkälte und Frost sind die Reben hier im
Anfang dieses Monats schön gewachsen. Sie hatten reichen
Samenansatz. Vier Sämlinge an einer Rebe kommen oft vor,
bei günstiger Witterung wäre hier ein ganzer Herbst
zu erwarten.
15. Juni: Die Traubenblüte wurde durch lang anhaltendes
schlechtes Wetter (Regen und Kälte) sehr verzögert.
Der Heuwurm trat massenhaft auf.
1. Juli: Witterung wieder besser geworden. Die Hälfte der
Sämlinge wurde dürr und fiel ab. Die Herbstsaussichten
dadurch gewaltig reduziert.
Die Träubchen
sind schlecht angewachsen und in Massen durchgefallen. Weinpreise
rasch gestiegen. 85er heute 230 bis 260 M, 84er 400 M per 1000
Liter.
15. August: Aussichten auf den 86er Herbst immer getrübter.
Der Sauerwurm tritt in den niederen Lagen verheerend auf.
3. September: Witterung ausgezeichnet. Reife Trauben werben überall
getroffen.
15. September: Portugieserherbst: Fast nichts, da die Sämlinge
bei dieser Traubensorte fast alle abfielen. Sauerwurm bis zum
Herbst schrecklichen Schaden angerichtet.
30. September: ". . . gehört St. Martin zu den Orten,
die vom Herbstglück am meisten begünstigt, da unsere
höheren und Berglagen von Wurmfraß fast gänzlich
verschont sind."
Aeltere Weine werden offeriert: 1883er 300 bis 320 M, 1884er
400 bis 450 M, 1885er 300 M die 1000 Liter.
4. Oktober: Beginn der Weinlese. Ausgezeichnetes Wetter. Sehr
heiß. Mostgewicht 65 bis 90 Grad. Quantität hier ein
Fünftel-Herbst. Die Traubenmaische war hier gegenüber
andern Orten dieses Jahr sehr schön und gesund, namentlich
in den Berglagen. Dadurch ein außergewöhnliches, lebhaftes
Mostgeschäft.
Preis per Logel
(40 Liter) 14 bis 15 M, 1000 Liter Wein 410 bis 430 M. Die alten
Weine steigen bedeutend im Preis. 85er stehen auf 320 M, 84er
auf 420 bis 450 M.
1887.
Januar: Weinverkauf sehr still. Die Preise des Neuen sinken auf
360 bis 420 M per 1000 Liter.
8. Mai: Schlechte Witterung für die Reben, die einen Zoll
lang gewachsen sind. Regen und Kälte. An den Tagen der Eismänner
bis 4 Grad Wärme, jedoch ohne Schaden.
17. Mai: Es regnet von jetzt an beinahe ohne Unterlaß Tag
und Nacht bis zum 7. Juni. Mehrere große Wasser haben in
dieser Zeit hier stattgefunden, jedoch nicht über einen
Fuß hoch. Unsere Weinberge erlitten etwas Schaden durch
Abflößungen. Viele Winzer hatten keine Hoffnung mehr
auf ein Erträgnis der Reben. Die Schößlinge ,der
Reben waren am 7. Juni 2 bis 3 Zoll gewachsen.
7. Juni: Die Witterung wird besser. Die Reben erholen sich rasch.
25. Juni: Vereinzelt Traubenblüten. Witterung sehr günstig.
Die Traubenblüte nimmt einen raschen Verlauf.
8. Juli: Trotz dem raschen Verlauf der Blüte ist der Heuwurm
stark aufgetreten. Er macht bedeutenden Schaden.
Von jetzt ab
anhaltend heiße, trockene Witterung.
1. August: Die Trauben ziemlich ausgewachsen. Mit dem Hellwerden
der Traubenbeeren geht es langsam, da die Witterung gar zu trocken
ist.
15. August: Helle Beeren werden in den Weinbergen gefunden.
18. August: Regen trat jetzt endlich ein, doch ohne anzuhalten.
Einige kühle Tage und kalte Nächte folgten.
25. August: Es wird wieder heiß und trocken. Der Regen
drang nur wenig in den Boden ein. In den leichten Böden
welken die Trauben, namentlich die Portugieser. Der Sauerwurm
hat sich wieder zahlreich eingefunden und macht ziemlich Schaden.
Von einzelnen Winzern werden die angestochenen Beeren gesammelt;
die meisten halten die Arbeit für zu schwierig und nutzlos.
31. August: Die meisten Trauben sind jetzt hell und weich. Portugieser
nahezu ganz gefärbt.
19. September: Vorlese an weißem Gartenmost. Mostgewicht
65 bis 70 Grad. Preis die Logel zu 40 Liter 10,50 M.
27. September: Lese der Portugieser. Quantität Dreiviertel-Ernte.
Qualität gut; 65 bis 75 Grad. Preis per Logel 10 bis 11
M. Die Trauben sind gesund. Es wurde ein schöner Rotwein
erzielt.
4. Oktober: Aeltere
Weine kosten: 1884er 420 bis 450 M, 1885er 340 bis 380 M, 1886cr
360 bis 410 M per 1000 Liter.
10. Oktober: Allgemeine Weinlese. Quantität sehr zufrieden;
Dreiviertel-Herbst. Qualität mittel, Mostgewicht 65 bis
80 Grad. Preis die Logel zu 40 Liter 7,54) bis 8 M. 1000 Liter
Wein 230 bis
250 M. Die Trauben waren größtenteils schön und
gesund, trotzdem Heu- und Sauerwurm stark angesetzt hatten. Außergewöhnlich
lebhafter Verkauf, namentlich nach Württemberg, da in diesem
Land heuer fast gar kein Obst gewachsen ist.
Nahezu zwei Drittel der Kreszenz wurde während und kurz
nach dem Herbst verkauft. Das Geschäft war so lebhaft, wie
es St. Martin schon lange Jahre nicht zu verzeichnen hatte.
1.November: Die Weinpreise gingen rasch in die Höhe. Der
Neue kostet 300 M per 1000 Liter.
1888.
Januar: "Die Kälte stieg im Anfang dieses Jahres auf
10 Gr. R."
April 1.: Heutiger Preis des 87er per 1000 Liter 350-360 Mark.
Mai 1.: Die Reben fangen an zu knospen. Man merkt jetzt, daß
der lang andauernde, strenge Winter doch nicht ohne Schaden vorüberging.
Reben, die zu mast und deren Holz im Herbst noch nicht
vollständig
reif war, sind in allen Lagen, auf dem Berg wie in der Ebene,
wahrscheinlich sofort nach dem Herbst durch die zu früh
eingetretene Kälte erfroren. Doch ist dieser Schaden im
allgemeinen nicht ohne Belang. Das Wachstum der Reben geht ziemlich
rasch vorwärts.
Juni 7.: Auf unserm Wingertsberg an der Mauer die erste Traubenblüte
gefunden. Der
Samenansatz in diesem Jahr Sehr zahlreich. Der Heuwurm ist schwach
aufgetreten.
25.: Die Blüte hatte sehr günstiges Wetter, feucht
und warm. Man kann sagen, daß die allgemeine Traubenblüte
noch in diesem Monat beendigt wurde.
In diesem Monat hatten wir mehrere große und schwere Gewitter
mit starkem Regen. Die meisten zogen vom Rhein her gegen unser
Gebirg.
26.: Heftiges Gewitter mit Regen. Großes Wasser vor dem
Wolf. Einen Fuß hoch. Zirka
100 Wagen Sand und Geröll mußten aus den Ortsstraßen
fortgeschafft werden. In allen Lagen haben die Weinberge durch
Flößen (Fortschwemmen der fruchtbaren Erde) Schaden
gelitten.
28.: Eintritt kühlerer Witterung; oft Regen.
Juli: Schlechtes Wetter, naß und kalt. Große Sorge
wegen Durch- und Abfall der Trauben. Dies ist indes nicht so
stark erfolgt. Hie und da kam ein warmer Tag. Die Träubchen
haben sich ziemlich gehalten.
Das Wachstum
ging langsam vonstatten. Die Reben litten sehr durch die andauernde
Feuchtigkeit und Kälte, bekamen ein gelbes Aussehen und
in vielen Lagen den kalten Brand.
August 1.: Immer noch schlechtes Wetter. Weinbergsarbeiten haben
sich sehr verzögert. Viele Winzer haben wenig Hoffnung mehr.
Doch soll man nicht zu bald verzweifeln. Zukünftige Witterung
kann alles wieder gut machen.
5.: An diesem Kirchweihsonntag war das Wetter sehr schlecht;
Regen und Kälte, wie es keinem Menschen gedenkt.
7.: Von heute an besseres Wetter. Dasselbe war jedoch nicht von
langer Dauer. Wir hatten schlechte Witterung bis in den Herbst.
Durch die lang anhaltende Nässe zeigte sich die Blattfallkrankheit
(Peronospora) in verschiedenen Lagen und Gemarkungen mitunter
so stark, daß sämtliche Blätter abfielen und
die unreifen Trauben welk wurden.
Oktober 10.: Die hiesigen Weinberge sind gegenüber jenen
in vielen anderen Orten noch grün, da die Blattfallkrankheit
hier nur unbedeutend aufgetreten ist. Qualität der Portugieser
sehr schlecht,
45-60 Gr. Mostgewicht. Preis der Logel 40 Liter = 10-12 Mark.
15.: Allgemeine Weinlese. Quantität zufriedenstellend. Dreiviertel-Herbst.
Qualität sehr gering.
45-60 Grad. Preis
per Logel 40 Liter 6-7 Mk., Preis per 1000 Liter neuer Wein 170-180-200
Mark.
In 87er Weinen lagern hier noch schöne Partien. Dafür
werden heute 370 - 390 Mk. verlangt.
Während der Lese starker Frost. Viele Trauben sind gefroren.
Der Most wurde braun. Man befürchtete, daß der Wein
einen Frostgeschmack bekäme; dies war jedoch nicht der Fall.
Verkauf von keiner großen Bedeutung. Man befürchtete
durch die Herbstsfröste großen Schaden an den Reben.
1889.
Mai: Die Witterung in diesem Monat so ausgezeichnet gut, wie
es nur selten der Fall ist. Anfangs des Monats die Reben noch
"blott und blind". Am 4. Juni waren jedoch schon Traubenblüten
zu finden. All die Reben, die man für verloren geglaubt,
haben sich bei der guten Maiwitterung wieder ausgeheilt.
Juni 12.: Mitte der Trauenblüte.
Heuwurm sehr stark; in manchen Lagen fast alles vernichtet. Die
Preise für 88er Weine sind daher sehr rasch in die Höhe
gegangen, von 215 auf 280 Mark per 1000 Liter.
August 24.: Reife Trauben gibt es in allen Lagen. Sauerwurm sehr
stark, in manchen Lagen fast alles vernichtet. Auf dem Wingertsberg,
wo der
Wurm weniger
war, haben wir die angestochenen Beeren ausbrechen lassen. Dies
fanden wir sehr zweckmäßig.
September 7.: Portugieser-Most heute ziemlich vorverkauft per
Logel 40 Liter 16 Mark.
11.: Lese der Portugieser. Mostgewicht 70-80 Grad. Man hatte
sich ein höheres Mostgewicht versprochen. Es wird aber stets
der Fehler gemacht, daß zu früh geherbstet wird.
23.: In den meisten Orten des Haardtgebirges zwischen Neustadt
und Landau hat die Weinlese bereits ihren Anfang und teilweise
auch schon ihr Ende genommen, besonders in solchen Orten, deren
Ernte vom Heu- und Sauerwurm bis auf ein äußerst kleines
Quantum vernichtet gewesen.
Unsere Weinberge, besonders die oberen Lagen, machen eine erfreuliche
Ausnahme; dieselben sind wurmfrei. Sie versprechen eine halbe
Ernte, während die Qualität eine vorzügliche werden
dürfte.
88er Weine stehen heute auf 280-300 Mark, 87er auf 400 - 450
Mark.
30.: Allgemeine Weinlese. Mostgewicht 75 bis 90 Grad, Ausnahmsfälle
höher bis 105 Grad. Preis für die Logel zu 40 Liter
15-16 Mark; per 1000 Liter Wein 450 Mark.
Dieser Herbst war hier sehr zufriedenstellend, da das Quantum
noch besser ausfiel, als man ver-