IV. (2)

 

alles wieder frisch gestellt, weil wir einen zarten Boden gehabt haben. Seit Ausgangs des April bis 21. Juli keinen Regen. Am 21. und 26. zwei gute zarte Regen ohne Schaden. Meistens Hochgewitter. Auch ein wenig kühl. Das Feld stand schön. "Die Trauben sind gewachsen", wie man im Sprichwort sagt, "wie die Schwammen". Der 1880iger Wein kostete noch 380 bis 390 Mark. Für das Vieh war es sehr schlimm. Im Feld kein Gras mehr. Die Leute haben es in den Waldtälern gesucht. Von Anfang August bis zum 9. wieder große Hitze, dann drei Tage starker Wind. Diesem folgte ab 12. regnerisches Wetter bis zum 15.September. "Aber es hat den Boden nicht vernäßt; es war auch meistens warm dabei." Die Trauben anfangs September alle weich oder hell. Der 1880iger Wein kostete wieder 425 Mark per Fuder. Vom 16. bis 21. September sehr gutes Wetter, so warm, daß der 19. zwei Gewitter brachte. Ab 22. wieder kühl und regnerisch. Auch der Oktober kalt und mit trüben Tagen angefangen. Am Morgen des 6. Oktober war es gefroren. Jm Mittelwald Schnee gelegen, daß sich die Aeste gebogen haben. Nachher wurde es wieder besser, doch immer regnerisch und kühl durch den Rest dieses Monats. Am 10. begann die Weinlese. Viel Wein, im Durchschnitt einen Dreiviertel-Herbst. Die Hotte Most zu 50 Liter

zwischen elf und zwölf Mark, das Fuder Wein 260 bis 280 Mark. Großer Absatz im Herbst. Der Wein trankbar, kein Hauptwein. Der November sehr gut, besser wie der September und Oktober, immer trocken und warm. Man konnte immer Gras holen. Auch der Dezember ziemlich gut. Maurer und Steinhauer konnten immer arbeiten. Nicht gefroren und kein Schnee bis Weihnachten. Einige Tage dann wenig kalt und ganz wenig Schnee.

1882. Ganzer Januar und anfangs Februar dichter Nebel und immer kalt. Der Boden fußdick gefroren. "Man hat geglaubt, sie bringen viel Schnee oder Regenwetter, es ist aber gar nichts darauf erfolgt." Der Februar ziemlich gut, immer trocken, aber rauh. Der März gut. Bis zum 6. nebelig, dann warm und Schön den ganzen Monat. Man konnte immer "grasen." April rauh und trocken. Am 12. und 13. so kalt wie im Winter. Drei bis vier Grad Kälte. Ein Glück, daß der Boden trocken gewesen. An vielen Plätzen Obst und Wingerte Not gelitten, namentlich. im Unterland und in Ramberg die Kirschen. Den April bis zum 25. keinen Regen, am genannten Tag aber ununterbrochen. Es wurde jetzt wärmer. Der Mai sehr gut angefangen, ein paar zarte Regen und warm dabei. Vom 12. bis 20. kalt,

jeden Morgen alles weiß gereift. Dann warmes Wetter mit Gewittern bis zum Ende.

Am 25. Mai wurden zeitige Kirschen auf dem Markt feil geboten. Der Juni bis zum 7. warm. Vom 8. bis 20. schlimmes Wetter, regnerisch und kalt. Man glaubte, es würde Schnee geben. An manchen Tagen nur 5 Grad Wärme. Die Trauben standen am Blühen. Einige Blüten hatte man bereits gefunden, konnten aber nicht fertig blühen. Die Zeitungen meldeten später, daß im Schwarzwald der Schnee zwei Zoll dick gelegen habe und an vielen Plätzen die Bohnen verfroren seien. "Es ist beinahe nicht zu glauben, daß es im Juni noch so kalt werden kann." Der 21. brachte so warmes Wetter, daß am 25. die Wingerte völlig in der Blüte standen. "Am 24ten auf Johanni schon 23 Grad Wärme und 8 Tage zuvor bloß 5 Grad." Am 26. ein schweres Gewitter, dann wieder regnerisch, aber warm dabei bis zum 5. Juli. Die 14 nächsten Tage gutes Wetter, mit dem 19. setzte Regen ein. Es blieb bis zum Ende des Monats kühl. Bis zum 4. August noch immer Regen, 5. bis 14. gut, 15. bis 30. wieder regnerisch und kühl, an manchen Tagen kalt. Anfangs September gutes Wetter, vom 12. bis 23. Regen, daß es an den großen Gewässern, Rhein und Neckar, Ueberschwemmungen gegeben hat. Mitunter Tag und Nacht beständig geregnet, dann auf

zwei Tage gut, dann wieder Regen. Diese Witterung währte durch den Rest vom September. Der Oktober guten Anfang, sehr warm, morgens Tau und Nebel, mittags Sonnenschein. Vom 10. bis 17. Regen. Am 18. begann der Herbst. Vier Tage gute Witterung, dann aber unaufhörlich Regen bis zum Ende. Der Wein sehr gering. Die Hotte Most, 50 Liter, 7 Mark, das Fuder Wein 190 bis 200 Mark. Schlechter Geschäftsgang im Herbst. Als der Wein hell war, wurde er zu 180 Mark gekauft.

"Der November hat wieder mit nichts als Regenwetter angefangen. Es hat auch drunter geschneit. Aber in der Nacht vom 12. auf den 13. hat es so geschneit, daß am vorderen Gebirg der Wald so zusammengebrochen ist, daß man mehrere Tausend Ster Holz hat machen können. Der Schnee war zu naß. Er hat große Bäume aus der Wurzel gerissen und starke Stangen in der Mitte abgebrochen. Der Schnee ist aber gleich wieder mit starkem Regenwetter abgegangen. Da hat es so großes Wasser gegeben, als noch einmal war. Es hat sehr großen Schaden gemacht. Die Nacht vom 25ten auf 26, hat es so geregnet, daß man geglaubt, es geht alles zugrund. Es sind merkwürdige Rutschungen von Hebel (kleinen Abhängen) und Eisenbahndämmen vorgekommen, so daß der Verkehr mit der Eisenbahn gehindert war.

Im Gai (Gäu-Speyergau) sind ganze Ortschaften im Wasser gestanden. An großen Gewässern haben die Leute ausziehen müssen, daß es bei Mannsgedenken noch nicht so war. In der Neustadt war zwei Drittel von der Stadt im Wasser gestanden, auf manchen Stellen bis an den zweiten Stock an den Häusern. Die Leute haben sie mit Nachen in den Häusern holen müssen und Essen gebracht. Die Nachen haben sie kommen lassen von Speyer und Pionier-Soldaten dazu, wo mit den Nachen gefahren sind. Aber im Dezember war das Wasser noch größer. Am Rhein sind Dammbrüche vorgekommen. Da sind ganze Ortschaften in einen See verwandelt worden. Viele Häuser hat es weggerissen. Die Leute haben Sich flüchten müssen und alles müssen im Stich lassen, daß sie mit dem nackten Leben sind davon gekommen. Es sind große Sammlungen vorgenommen worden in allen Ländern sogar in Amerika. Es sind Tausende und abermals Tausende Mark eingegangen und noch viele Lebensmittel und Kleidungsstücke, Bettung und Weißzeug."

1883. Januar und Februar ziemlich gut. Kein Regenwetter und kein Schnee, nicht gefroren. Aber der März schlimm. Völlig Winter; viel Schnee und sehr kalt. Ausgangs März die Fenster gefroren bis obenan. Im April bis zum 5. gutes warmes Wetter; vom 6. bis 15. rauh und

kalt: am Morgen öfters gefroren. Dann ein paar Tage warm. Rauhes, kaltes Wetter folgte bis zum 29.Am 30. einen halben Tag Regen, der erste im April. Der Mai in den ersten Tagen wieder rauh mit kaltem Wind. Ab 6. ein wenig warm. Am 9. ein Gewitter mit zartem Regen. Am 10. kalter Regen und "Hundsrückwind." Der 13. brachte gutes Wetter mit Sonnenschein, das durch den ganzen Monat anhielt. Doch die Nächte blieben kühl. Die Kirschen blühten erst zu Beginn des Mai. Doch hatte es bereits am 3. Juni reife Maikirschen. Die Kirschenernte sehr schlecht. Maikirschen sehr wenig. Mancher große Baum vielleicht drei bis vier Pfund. Der Juni bis zum 10. sehr gutes Wetter. Am 8. die ersten Traubenblüten. Man hatte gehofft, daß die Wingerte bis zum 15. verblüht hätten. Aber am 10. trat kaltes, regnerisches Wetter ein, das bis zum 24. anhielt. Diesem folgte eine große Hitze bis zum 10. Juli. Der Wurm hatte sehr stark angesetzt. Durch die Hitze und "Trocknung" aber ist er kaputt gegangen. Die Trauben sind schnell gewachsen. Man erhoffte bis zur Kirchweihe reife Trauben. "Aber es ist nicht wahr geworden, denn vom 10. Juli bis 15. August nichts als Regenwetter und kalt dabei. Die Ernte hat man nicht. wissen heimzubringen. Die Frucht ist auf den Aeckern ausgewachsen und beinahe verfault." Vom 16. bis zum letzten Antust große Hitze. Ende August die

Trauben ziemlich hell. Der September bis zum 10. wieder regnerisch, dann bis 21. wieder sehr gutes Wetter. An manchen Tagen große Hitze. Der Ausgang des Monats ziemlich regnerisch. Die Trauben aber waren gut zeitig. Anfangs Oktober wieder viel Regenwetter. Am 10. Herbstanfang. Acht Tage ziemlich gutes Wetter, dann wiederum Regen bis Ende des Monats. Einen Dreiviertel-Herbst. Bei manchen Leuten noch mehr. Der Wein ziemlich gut. Das Fuder im Herbst 240 bis 245 Mark, ausgangs Herbst 220 bis 230, gegen Weihnachten wiederum 246 bis 250 Mark. Ziemlich Absatz. Man konnte zu jeder Zeit verkaufen. Im November wieder viel Regenwetter, die ersten acht Tage im Dezember Kälte und Schnee, dann gelind und regnerisch bis Jahresschluß.

1884. Januar warm, aber regnerisch. Februar sehr gut. Die meisten Wingert wurden geschnitten. März sehr gutes Wetter. Manche Tage so warm wie im Sommer. Man konnte alles arbeiten. "Es sind viele Rott gesetzt worden". Kammert wurde gemacht. Am 21. ein wenig rauh und kalt. Im Ausgang des Monats wieder sehr schönes Wetter. Der April bis zum 6. sehr gut. Alsdann rauh und kalt. In der Nacht vom 18. zum 19. Schnee gefallen, im Feld einen halben, im Wald einen ganzen Fuß hoch. Hier acht, dort vier Tage gelegen.

Ziemlich kalt dabei. Zum Glück waren die Nächte trüb. "Wenn wir hellen Himmel gehabt hätten, wäre alles verfroren, denn die Wingert waren ziemlich haus. Es hat schon Augen gehabt, wo ziemlich groß gewachsen waren." Alle Obstbäume standen in voller Blüte. Man hatte alles Obst für verloren gehalten, es hat aber nicht viel Schaden gemacht. Vom 27. April bis 2. Mai gutes Wetter, 3. und 4. Mai starker Regen. Alle übrigen Tage im Mai sehr gutes Wetter, mancher Tag 22 Grad Wärme. Im halben Mai einige Gewitter, Hochgewitter, wenig Regen und warm dabei. Ausgangs Mai reife Kirschen. Auch wurde von Traubenblüten gesprochen, die gefunden wurden. Der Juni aber nahm einen schlechten Anfang. Vom 3. an kaltes Regenwetter. Am 9. ein Gewitter mit Schloßen. Die Wingerte in den Gewannen Schraußental, Hasenpfad, Grabenteil, Hardt, Obermarkbach, Forst, Kaul und Ueberfeld ziemlich verschlagen. Am 12. und 13. zwei schöne Tage. Gutes Wetter wurde erhofft. Der 14. brachte indes drei Gewitter an einem Tag. Dann stellte sich wieder das alte Wetter ein, kalt und Regen, manchmal nur sechs Grad Wärme. Am 22. auf vier Wochen sehr gutes Wetter. Mitunter sehr heiße Tage mit 26 und 28 Grad Wärme im Schatten. Für unsere Wingerte war dies von großem Vorteil. Sie hatten erst am "Kanstag" mit der Blüte angefangen

und der Wurm war sehr stark daran. Wäre das gute Wetter noch acht Tage ausgeblieben, so hätte er alles gefressen. Er hat doch noch Schaden gemacht. Jm halben Juli auf vier Tage täglich Gewitter, aber immer gleich wieder große Hitze. Bei einem herrschte ein derartiger Sturmwind, "daß er geladene Wagen mit Frucht auf der Straße in Gai umgeworfen", in den Wingerten viele Reben abgerissen, viele Bäume abgebrochen hat. Nachher aber große Hitze bis zum Ende des Monats. Angust sehr gut. September bis zum 8. regnerisch. Nur Strichregen, die wenig naß gemacht haben. Vom 9. an sehr gutes Wetter bis zum 3. Oktober. Dann kaltes Regenwetter. In der Nacht vom 11. zum 12. hat es so geschneit, daß am Morgen des 12. alles weiß war. Am 13. begann der Herbst. "Da war den Leuten alle bang, denn es hat ausgesehen wie im Winter. Aber der Schnee ist schnell wieder weggegangen und war über den Herbst doch so ziemlich gutes Wetter. Der Wein wurde verkauft das Fuder zu 350-370 Mark, die Hotte Most zu 40 Liter 12 Mark." Nach dem Herbst aber war keine Nachfrage mehr. Im nächsten Frühjahr wurde etwas Wein gekauft zu 310 und 320 Mark, indes kaum 10 Fuder. Im Kauf blieb es hier wie an allen anderen Orten still. In Edenkoben wurde zu 280-290 Mark verkauft. Das hatte

sich kein Mensch vorgestellt. Im Herbst hatten die Leute einen Weinpreis von 400 Mark erhofft. Zu 350-360 Mark hätte damals noch viel Wein verkauft werden können.

Der Winter hat früh angefangen. Im halben November schon ziemlich Schnee. Doch war der Winter anzunehmen; er war nicht gar streng und der Schnee ist von Zeit zu Zeit wieder weggegangen.

1885. Das Frühjahr ziemlich gut. Die meisten Wingerte im Februar geschnitten. Im Anfang vorn März ziemlich Regenwetter. Dann rauher, kalter Wind. Ausgangs März so kalt, daß die Fenster noch gefroren sind. April sehr trocken. Den ganzen Monat kein Regenwetter. Im Anfang des Monats rauher kalter Wind, vom halben April au warmes Wetter. Die Wingerte sind schnell herausgekommen. Die Kirschen in fünf Tagen verblüht. Im Mai bis zum 25. Regen und kalter Wind. An manchen Tagen nur vier bis fünf Grad Wärme. Die Wingerte waren so gelb von dem kalten Wetter, daß man sie nicht mehr ansehen mochte. Vom 25. ab sehr gutes Wetter. Am 28. und 29. eine Wärme von 20-22 Grad. Am 30. Mai reife Kirschen. Das hatte man sich acht Tage zuvor nicht vorgestellt. Mit den Wingerten aber wurde es schlimm. Die meisten Samen sind heruntergefallen. Juni sehr gut. Am 12. die ersten

Traubenblüten. Am "Kanstag" die Reben völlig in Blüte. Doch bei all dem guten Wetter war der Wurm so stark, daß er auf manchen Plätzen alles verdorben hat. Im Juli bis zum 14. ziemlich Regenwetter, aber keinen Platzregen, immer zarten Regen. Dabei warm. Alles ist sehr schnell gewachsen. Die Kirschen aber sind aufgesprungen, man konnte sie nicht mehr fahren oder tragen. Die Brühe ist durch den Korb gelaufen. Die meisten schwarzen Kirschen sind "geblockt" und in Fässer eingemacht worden. Der Zentner davon kostete fünf Mark. Mit dem 15. beginnt sehr gutes Wetter. Kein Regen mehr und immer warm. Die Ernte ist sehr gut heimgekommen. Auf Jakobi (25. Juli) hat man bereits gefärbte frühschwarze Trauben gefunden. Der August brachte auch sehr gutes Wetter. Am 26. aber stellte sich Regenwetter ein, das bis zum 12. September dauerte. Zehn sehr gute Tage folgten, dann wiederum unaufhörlicher Regen durch den ganzen Oktober. Der Sauerwurm hatte sich derart entwickelt, daß im Feld beinahe alles verdorben ist. Bloß am Gebirg sind die Wingerte gut geblieben. Am 5. Oktober Herbst. "Da hat es jeden Tag so geregnet, daß es nicht zum aushalten war. Man hat manche Tage gar nicht ins Feld gehen können. Man wäre in ein paar Tagen fertig gewesen. So ist es 9-10 Tage geworden, bis es

zu Hause war. Es hat auch sehr wenig gegeben. Wer keine Bergwingert gehabt, hat kaum ein Sechstel-Herbst gemacht. In den Gewannen, wo der Wurm zu arg war, das Viertel zwei Hotten und das war nichts als Brocken und schlechte War." Die Hotte voll Most (40 Ltr.) im Anfang vom Herbst 8 Mark, später 7,50-7-6,50, zuletzt noch 6 Mark, das Fuder Wein 210, nachher 200 und 190, an Weihnachten 170 und 175 Mark. Ein schlechter Winter. Man konnte im Feld nicht viel arbeiten. Im November ziemlich Regenwetter. Zu Beginn des "Dezember viel Schnee und so kalt, daß man gehört hat im Gäu sind die Wingert verfroren." Die zweite Hälfte vom Dezember gelind, aber Regenwetter dabei.

1886. Der Januar wieder mit Schnee und kaltem Wetter angefangen. So den ganzen Monat. Der Februar ebenso kalt. Jeden Tag die Fenster gefroren. Im Feld konnte nichts gearbeitet werden. Der Boden fußdick gefroren. Auch der März schlecht. Bis zum 20. völlig Winter. Viel Schnee und sehr kalt. Ausgangs März und den ganzen April ziemlich gutes Wetter. Man konnte jeden Tag arbeiten. Es hat bis zum 28. April gar nicht geregnet. Die Wingerte haben sich im Anfang, wie sie herausgekommen sind, schön gezeigt. Es sind aber "viel Augen sitzen geblieben, wo bloß FIatterwisch gegeben hat." Die Reben hatten im Winter

Hausmarke Jakob Ullerich ziemlich Not gelitten. "Der Mai hat nicht viel dazu geholfen, denn am 2. und 3. war so kalt, daß sie auf manchen Plätzen noch verfroren sind." Kalt bis zum 18. Dann gutes Wetter bis Ende des Monats. Manche Tage 25-26 Grad Wärme im Schatten. Es hat sich alles schön hergestellt. Am 30. Mai wurden bereits Kirschen gebrochen, am 1. Juni im Feld schon Traubenblüten gefunden.

Der Juni auch sehr gut angefangen; aber am 3. schon morgens 7 Uhr ein schweres Gewitter. Damit fing das schlechte Wetter an. Alle Tage schlecht. Den ganzen Juni Regenwetter und kalt. Die Reben in diesem Jahr so viele Samen als je einmal. An jedem "Semel" drei bis vier Samen. Aber durch das naßkalte Wetter, den "kalten Brand", sind die meisten mit dem Laub heruntergefallen. Bis anfangs Juli sehr schlecht. Vier Wochen Blütezeit. Der Wurm so stark, daß man geglaubt, er fresse alles. Der Juli ziemlich gut, auch etwas Regenwetter, aber warm dabei. August und September immer sehr gut, im letzten Monat mitunter große Hitze. Trotzdem hat der Sauerwurm alles verdorben. Anfangs August stellte er sich ein und machte fort bis zum Herbst. Wer keine Bergwingert gehabt, hat nichts gemacht. Im Feld draußen hat man mitunter im Viertel Wingert ein oder zwei Hotten voll bekommen.

Das waren aber nichts als Brocken. Am 4. Oktober Herbst. Er hatte einen schönen Preis. Die Hotte Most zu 40 l. im Herbst 14-15 Mark, das Fuder Wein 420 Mark. Nach dem Herbst im Wein keine Nachfrage mehr. Wer im Herbst verkaufte, hat gut getan.

Der Winter im Anfang ziemlich gut. Bis zum 20. Dezember keinen Schnee und nicht gefroren, aber viel Regen. Am 21. und 22. Dezember ein solcher Schnee, daß weder Eisenbahnzüge noch Post gehen konnte, bis der Schnee weggeräumt war. Das war schlimm, gerade an Weihnachten, wo immer großer Verkehr ist.

1887. Dieser Schnee blieb bis zum halben Februar liegen. Dabei kalt. Ziemlich gutes Wetter folgte bis zum 12. März. Viele Leute waren mit Schneiden der Wingerte und Rebenlesen fertig, als am 13. März sich wiederum eine große Kälte einstellte. Die Fenster alle Morgen bis obenan gefroren. Am 16. und 17. hat es beinahe einen Schnee geworfen wie an Weihnachten. Vom 24. ab Regen. Bis Ende April sehr rauh und kalt. Im Halben der Boden oft hart gefroren. Den ganzen April keinen Regen. Ende dieses Monats fangen die Kirschen mit dem Blühen an.

Der Mai mit zartem Regen begonnen. Aus diesem ist aber "ein großartiges Regenwetter" entstanden. Regen vom l. Mai bis 7. Juni.

Sechs Wochen lang konnte im Feld gar nichts gearbeitet werden. Die Leute fürchteten, es gehe alles zugrunde. Die Wingerte waren erst fingerslang gewachsen. Alles traurig und betrübt. Schon hatten wir zwei schlechte Herbst und jetzt wieder keine Aussichten auf Herbst. Doch hat es sich anders gestaltet. Vom 7. Juni ab gutes Wetter, den ganzen Juni alle Tage besser. Die Wingerte wurden sehr schön. Am 26. angefangen mit Blühen, in zehn Tagen fertig. Es war Wetter nach Wunsch. Der Wurm war sehr stark: weil indes die Reben schnell geblüht, hat er nicht viel geschadet. Die Trauben sehr schnell gewachsen.

Der Juli auch sehr gut. Zweimal ein wenig Regenwetter, dann immer große Hitze. Anfangs August die Trauben ausgewachsen. August sehr gut; immer große Hitze: Vom 18. bis zum 22. regnerisch und ein wenig kühl. Große Hitze folgte. Vom 4. bis 14. September regnerisch und kühl. Vom 15. bis 20. in der Nacht Tau, am Tage Sonnenschein. Mit dem 20. trübe Tage und kalte Winde bis in den Oktober hinein. Am 10. desselben Herbstanfang. Die erste Woche im Herbst täglich Regen, die zweite Woche ein wenig besser, aber immer kalter Wind. Vom 25. bis 28. Oktober so kalt, daß die Fenster gefroren sind, desgleichen der Boden; man konnte nichts arbeiten. Einen Dreiviertel-Herbst. Das Fuder Wein

im Anfang 250, alsdann 240 und 235 M. Die Logel Most zu 40 Liter 8 M. Es konnte jeden Tag verkauft werden. Es sind im Herbst an 5000 Logel Most und 1000 Fuder Wein gekauft worden.

Kaum aber war der Herbst vorbei, so hat der Wein aufgeschlagen. Vierzehn Tage nach dem Herbst wurde er bereits zu 300 M per Fuder verkauft.

Im November bis zum Halben gelind, dann ein paar Tage kalt. Die Fenster gefroren. Dann gelindes Wetter mit Regen bis zum Ende des Monats. Der Dezember ziemlich gut. Bis Weihnachten keinen Schnee und kein gefrorenes Fenster. Ab Weihnachten etwas Schnee und ziemlich kalt, manche Tage 14 bis 16 Grad.

1888. Das Wetter der letzten Dezembertage dauerte bis zum halben Januar, dann gelind bis Ende dieses Monats. Der Februar bis zum 12. ziemlich gut. Jetzt wieder völlig Winter, Schnee, Kälte und gefrorene Fenster bis 10. März. Gelindes Wetter und Regen folgen. Am 16. ein schweres Gewitter. Alsdann kalt und ziemlich Schnee. Ab 24. gelind und viel Regen. An den großen Gewässern viele Ueberschwemmungen. "Am 27. wieder ein Gewitter mit so starkem Rengenwetter, daß unser Bach übergegangen ist." Im April bis den l4ten völlig Winter, kalt und

ziemlich Schnee dabei; ab 15. wieder besser. Der Schnee war gegangen. Rauher, trockener, kalter Wind. Die Wingerte am l. Mai noch ganz "blind". Wider erwarten scheinen die Wingerte an Pfingsten (20. Mai), wie es die Weinbauern gerne haben. Auch wurden in diesem Monat noch die Maikirschen reif. Die ersten Kirschen blühten am l. Mai. Die Blüte war indes schon in 8 Tagen bei gutem Wetter beendet. "Wenn wir ausgangs Mai nicht so kalte Nächte gehabt, hätte es noch Traubenblüten gegeben. An einem Tag aber zeigte das Thermometer morgens nur vier Grad Wärme. Anfangs Juni sehr gut. Am 6. und 8. solch schwere Gewitter, daß man schon lange Jahr keine solchen mehr gehört." Diese haben indes bei uns keinen Schaden angerichtet. Dabei immer warm. Am 10. schon ziemlich Traubenblüten. Es schien, als würde die Blütezeit günstig werden. Vom halben April bis 6. Juni keinen Tropfen Regen. Mit den Gewittern am 13. stellte sich unaufhörlicher Regen ein. Da haben die Leute den Mut wieder verloren. Auf den Wiesen lag das Heu; die Maikirschen waren vollständig reif und die Wingerte standen am Blühen. Alles schien verloren. Doch mit dem 19. kam gutes Wetter. Alle Furcht war unbegründet. Am "Kanstag" vollständig Traubenblüte. Tag und Nacht sehr warm. Am 23. wieder drei Gewitter. "Wir sind

wieder gut davon gekommen. Es hat nicht viel geregnet." Aber vom 27. ab wieder nichts als Regenwetter durch den ganzen Juli. Desgleichen der August viel Gewitter und kalter Regen. Erst anfangs September hat man helle Beeren in den Wingerten gefunden. Der September ziemlich gut und die Trauben wurden in diesem Monat ziemlich weich. Doch der Oktober hat viel verdorben. Zuerst brachte er unaufhörlichen Regen, dann Kälte und Schnee. Am 9. ist ein solcher Schnee gefallen, daß im Wald Aeste und Bäume gebrochen sind unter seiner Last.

An vielen Plätzen sind die Trauben verfroren. Diese haben gar keine Brühe mehr gegeben. Am 15. war Herbst. Während desselben hat es keinen Tropfen mehr geregnet, aber morgens war es immer ziemlich kalt, so daß manchmal der Boden hart gefroren war. Der Wein bei uns doch trankbar. Jm Herbst wurde ziemlich Most und W.ein verkauft. Hauptpreis die Logel Moft, 40 Liter, 6-6,50 M, das Fuder Wein 180-200, nach dem Herbst bis zu 230 M gestiegen, im nächsten Frühjahr (März, April und Mai) wieder 215 M.

Der Winter ziemlich gut. November, Dezember und

1889 Januar keinen Schnee und keinen Regen. Aber Februar und März haben ihre Schuldigkeit

getan. Die zwei Monate "war es hart Winter", kalt und soviel Schnee, daß die Züge der Eisenbahn überall im Schnee stecken geblieben sind. Ende März für unsere Wingerte gefährliches Wetter, am Tag Regen, in der Nacht die Fenster gefroren. April rauh und kalt. Anfangs Mai erst blühen die Kirschen. Die Wingerte waren damals noch blind. Der Mai sehr gut, immer warm und schwül, ein paar zarte Regen dabei. Das war ein großes Glück, dann die Wingerte sind schlecht gekommen, brachten auch wenig und schlechte Samen. Ein sehr guter Sommer. Trotzdem haben Heu- und Sauerwurm arg gehaust. Die Wingerte anfangs Juni geblüht. Im untern Feld der Wurm alles verdorben. Doch haben wir noch einen halben Herbst gemacht. In Maikammer, Edenkoben, Diedesfeld, Edesheim sehr wenig. Ein guter Wein. Die Logel Most zu 40 Liter 15-16, das Fuder Wein 450 M. Am "Michelstag" (29. September) hat schon der Herbst angefangen. Den ganzen Herbst hindurch konnte jeden Tag Wein oder Most verkauft werden. "Aber nach dem Herbst war gar keine Nachfrage mehr. Wie sie ihr Sach gehabt haben zum Schmieren hat das Kaufen aufgehört. Den ganzen Winter und das ganze Frühjahr war gar keine Nachfrage mehr."


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