IV. (1)

 

In Kapitel 2 dieser Abhandlungen wurden Aufzeichnungen aus dem Nachlaß der Familie Stöckel erwähnt. Diese fanden sich auf losen Blättern, die aus einem Buch geschnitten waren.

01: Valentin Ziegler Während mit der Veröffentlichung der Weinchronik bereits begonnen war, fand ich dieses Buch bei einem ehemaligen Jugendkameraden der Heimat, dem dortigen Winzer Franz Ziegler.

Er hatte es als Erbstück von seinem Vater Valentin Ziegler (+ 1922) übernommen. Letzterer stand in jungen Jahren bei Familie Stöckel in Arbeit.

Valentin Ziegler benutzte das Buch als Hausbuch. Er beginnt seine Einträge mit den Worten:

"Im Jahre 1862 den 11. Februar haben wir Hochzeit gehabt." Dann gibt er uns in der bereits bekannten Weise Auskunft bis 1889.

Es soll begonnen werden mit dem Jahr 1866. Dieses ist anfangs sehr gut ausgefallen; aber der Mai war sehr kalt. Am 24. sind auf manchen Plätzen die Wingert noch verfroren. Da hat es Eis gehabt. Im Gäu waren die Wingert all kaputt. Bei uns hat es nicht viel Schaden gemacht. Der Juni dagegen ist sehr gut ausgefallen. Am 15. die ersten Traubenblüten. Ausgangs des Monats hatte alles verblüht. Im Juli eine große Hitze. Den ganzen August bis 20. September nichts als Regenwetter und kalt. Man hat geglaubt, die Trauben würden nicht zeitigen. Aber vom letztgenannten Tag ab sehr gutes Wetter,

Der 1922 verstorbene Winzer Valentin Ziegler

das bis zum Herbst standhielt. Ein trankbarer Wein, kostete im Herbst 150, an Weihnachten nur noch 100 fl.

1867. Das Jahr war auch wieder schlimm. Das ganze Frühjahr Regenwetter und kalt. Man hat erst ausgangs Mai mit dem Graben der Wingert angefangen. Am 23. und 24. Mai geschneit. So kalt, daß im Gäu (in der Ebene) Korn und Wingert verfroren sind. Der Sommer ist aber doch ziemlich gut ausgefallen, namentlich August und September. Es hätte bei uns noch einen schönen Herbst gegeben, wenn die Traubenkrankheit nicht so früh und so arg gekommen wäre. Die Trauben waren erst halb ausgewachsen. Da sind sie schon aufgesprungen. Es hat wenig Wein gegeben. Der war nicht gut und kostete im Herbst 70 bis 80 Gulden. Die Kartoffeln aber sind gut geraten.


Herbsterträgnisse eines Winzers im Jahr 1868

1868. Ein gutes Jahr. Immer günstige Witterung. Bloß der April war ein wenig kalt. Der Mai so heiß, daß wir noch keinen so gehabt. Anfangs Mai die Wingert "bohnengroß", ausgangs Mai Traubenblüte. Im Juni zwei Tage Regen. Das war auf den Fronleichnamstag (11. Juni) und Johannes- oder Kanstag. Sonst aber keinen Tropfen im ganzen Monat und immer warm dabei. Da war alles so schön, daß es bei "Mansgedenken" noch nie so war. Juli und August so

heiß, daß man beinahe mittags nicht mehr ins Feld konnte, Auf das hohe Fest in Maikammer (12.Juli) war schon ein schwarzer zeitiger Trauben in der Kirche gehangen. Die Hitze dauerte fort bis 24. September. Dann jeden Tag ein wenig Regenwetter bis Herbst. Es hat soviel Wein gegeben, daß nach dem Herbst alle Fässer und Bütten voll Wein waren. Der war sehr gut, kostete aber im Herbst nur 95 bis 100, im nächsten Sommer 135 bis 140 fl.

1869. Da war es mit dem Weinstock wieder sehr schlimm. In der Blüte sehr kalt. Am 22. Juni "Reifen". Der Wurm war so stark, daß geglaubt, er frißt Stiefeln und Balken. (Die starken Holzpfähle und Querhölzer im Kammertbau.) Im Durchschnitt nur einen Viertel-Herbst. Der Wein wieder ziemlich gut. Das Fuder im Herbst 160 fl.

1870. Da hat die schlimme Zeit angefangen. Im Juli ist der große Krieg mit Frankreich ausgebrochen. Man hielt alles verloren. Doch ist es gut gegangen; alles wurde in Frankreich ausgemacht. Es waren von hier über hundert Soldaten dabei und kein einziger hat das Leben verloren. (Ein Eintrag in das Sterberegister der Gemeinde St. Martin sagt, daß ein Johannes Christmann, geboren am 30. Mai 1844 in St. Martin, am 21.November 1870 im Spital zu Orleans

als Soldat des 13. bayer. Inf.-Regts., 7. Komp., verstorben sei.) Mein Bruder Georg und mein Schwager "Mathes" vom Anfang bis zum Ende dabei. Gerade ein Jahr, bis sie wieder nachhaus kamen. Sie find 120 Tage vor Paris gelegen mitten im Winter bei Schnee und Kälte. Meine Schwäger Franz und Heinrich auch dabei, aber nicht so lang. Die sind später hingekommen. Bruder Georg und Schwager "Mathes" haben viele Schlachten mitgemacht, Weißenburg, Wörth, Sedan und vor Paris.

Das war im Anfang eine traurige Zeit. Es hat niemand mehr arbeiten lassen noch arbeiten wollen. Alles ist am den Bahnhof nach Edenkoben gelaufen. Man . wollte die Soldaten sehen, die da hinaufgefahren und die gefangenen Franzosen, die hinuntergefahren sind. Es ist Tag und Nacht gegangen, ein Zug nach dem anderen. So war es auf allen Bahnstrecken. Was die Bahnen nicht befördern konnten, mußte zu Fuß marschieren, alles in Frankreich hinein.

Wie die Soldaten drin waren, sind viele Leute nachgefahren ins Lager mit Wein und Lebensmitteln, "Brot, Käs, Butter, Wurst, Eier, Schinken, Zucker". Ich war auch selbst dreimal im Lager um Metz herum und "wie Metz ergeben war, auch in der Stadt drin", auch einmal in der Nähe, da ein Ausfall war vor Metz. In der ganzen Gegend hat der "Erdsboden" gezittert.

Drei Tage nach der Schlacht von Gravelotte kam ich auch in diese Gegend. Ein Soldat sagte zu wir, wie die Schlacht vorbei war, hätten sie gern für einen Laib Brot zwei Taler bezahlt, wenn solches dagewesen wäre. Von ihrem ganzen "Regement" sind nur noch vierzig Mann davon gekommen.

Mit diesen Gelegenheiten kam endlich auch der Herbst herbei. Dieser fiel ziemlich gut aus. Einen guten halben Herbst und einen guten Wein. Das Fuder kostete im Herbst 105 bis 110 fl.

Der Wein hätte mehr gekostet, aber der Krieg hatte die Käufer abgeschreckt.

1871. In diesem Jahr ist wenig und der schlechteste Wein gewachsen, der einem Mann gedenkt. Er war grad wie Essig so sauer. Die Wingert sind im Winter verfroren vom Glatteis. Man hat im Frühjahr nicht geglaubt, daß ein Auge herauskommt. Viele Wingert sind nicht geschnitten worden. Manche Leute haben geschnitten, als die Reben schon Zoll lang gewachsen waren, damit sie die paar guten Augen würden herausfinden; aber alles war vergebens. Es war ein Schlechter Sommer. Was der "Herr Wurm" nicht in der Blüte verdorben, hat der Sauerwurm gefressen. Das bißchen Wein, das es noch gegeben, ist sauer geworden. Die meisten Leute konnten

nicht keltern und haben hottenweis verkauft. 40 Liter um 3 fl. 30 Kr.

1872. Dieses Jahr war noch schlimmer für uns Winzer am Gebirg. Der Frühling anfangs gut. Die Wingert dadurch zu früh herausgekommen, ausgangs April bereits fingerslang gewachsen. Am 25. und 26. April aber derart kalt, daß die Fenster Eisblumen zeigten und im Feld der Boden handdick gefroren war. Die Augen wurden Schwarz und fielen herunter. Wer Bergwingert gehabt, hat noch ein wenig Wein gemacht. Im Feld dagegen war gar nichts. Ich habe ein Viertel Wingert auf dem Ueberfeld. Am Tag vor dem Herbst holten wir dort das Gras. Unsere zwei Buben Fritz und Georg haben im ganzen Wingert die Trauben zusammengesucht und diese gegessen und sind nicht daran satt geworden. Man hat nicht geglaubt, daß es Herbst ist, so still ist es hergangen. Die Leute haben die Trauben meist ganz heimgetragen. Die meisten Viertel haben noch keine Hotte voll gegeben. Das bißchen war aber gut geworden. Vierzig Liter Most kosteten 10 Gulden. 1868er, 1869er und 1870er 380 bis 400 fl. 1871er, der Schlechte, 210 bis 220 fl. Es hat Leute gehabt, die noch für fünf- bis sechstausend Gulden alten Wein gehabt haben. Die zwei Fehljahre wurden deswegen nicht viel am Güterpreis gespürt. In guter Lage

kostete das Viertel Wingert immer noch acht- bis neunhundert Gulden.

1873 war bei uns ein Glücksjahr. Ausgangs April die Wingert noch größer gewachsen als wie voriges Jahr und am nämlichen Tag, den 25. April, sind sie wieder verfroren. Das ganze Gäu und das Ober- und Unterland (obere und untere Hardt) hat nichts gemacht. Nur von Neustadt bis Weyher gab es Wein, aber unsere Gemeinde war am glücklichsten. Wir erzielten einen guten halben Herbst. Der Wein ziemlich gut. Wer im Herbst verkaufte, hatte Glück. Es wurde viel Most abgesetzt zu 8 fl. 30 Kr. die Hotte oder 40 Liter, das Fuder Wein zu 240 bis 250 fl.

Vierzehn Tage nach dem Herbst hat es indes schon anders gelautet. Mit jedem Tag wurde der Wein billiger. Most und Wein, die im Herbst verkauft waren, hat man "all vergallissiert ". Da haben sie mehr von Wasser gemacht, als gewachsen ist. Die mit ihrem guten Wein waren jetzt hinterdran. Die Gallisierer konnten gleich um hundert Gulden billiger geben zuletzt zu 70 bis 80 fl. Der echte Wein wurde im nächsten Sommer noch um 130 fl. verkauft. Es wurde auch meistens Bier getrunken. Niemand traute sich mehr Wein zu trinken, weil man in den Wirtshäusern keinen echten Tropfen mehr bekommen hat.

1874 war das beste Jahr, das mir denkt. Alles ist gut geraten, Frucht und Kartoffeln, der Wein aber am allerbesten. Es gab viel Wein, mitunter im Viertel Wingert 12 Ohm. Es hätte im Herbst wieder an Faß gefehlt, wenn man nicht hätte verkaufen können. Bei Mannsgedenken war aber noch nie ein solcher Absatz. Einen ganzen Monat lang hat man in den Ortschaften und auf den Straßen nur Weinfuhren gesehen. In der ganzen Welt war nur geschmierte Brühe; nun wollte jeder Wirt wieder echten Wein haben. Dieser war auch sehr gut, ein Hauptwein, kostete im Herbst 140 bis 150 fl., drei Wochen später 170 bis 180, im Dezember 200 bis 220, im nächsten Sommer (August 1875) wieder 140 fl.

1875. Wieder ein sehr gutes Jahr. Der Vorsommer sehr "trucken". Ausgangs Mai hie und da Traubenblüten. Wenig Heu. Man befürchtete einen großen Mangel an Lebensmitteln und Viehfutter. Ausgangs Juni fiel indes ziemlich Regen. Dann hat sich alles schön gestellt. Regenwetter ist von Zeit zu Zeit gehörig eingetroffen. Viel Kartoffeln und Bohnen und mehr Ohmet als Heu. Sehr viel Weiß- und Dickrüben. Alles sehr billig. Auch sehr viel Obst, namentlich Birnen und Zwetschen, aber auch so viel Wein als vorher je einmal. In manchem Viertel Wingert 40 bis 50 Hotten Most, die geringsten

in den Bergwingerten "Viertel vor Viertel" ein Fuder. Dabei ein guter Wein. Es mußte sich jeder gut mit Fässern vorsehen. Großer Absatz im Herbst; jeden Tag konnte verkauft werden, Most oder Wein. In den ersten Tagen im Herbst war der Preis für 40 l. Most 3 fl. 30 Kr., das Fuder Wein 100 bis 105 fl., später der Most 3, der Wein 90 fl. Der Herbst dauerte drei Wochen. Es sind im Herbst wenigstens 400 Fuder Wein abgesetzt worden und als der Herbst vorbei gewesen, war doch kein Faß leer; an Weihnachten kostete der Wein 115 bis 120 fl.

Es ist aber ein schlimmer Winter gekommen. Den ganzen November beständig Regen, im Dezember so hart gefroren, daß durch diesen Monat im Boden gar nichts gearbeitet werden konnte.

1876. Der Januar ebenso kalt und noch viel Schnee. Der Februar bis ausgangs März wieder so viel Regenwetter als je einem Menschen gedenkt. Der Rhein war so groß, als noch nie. Links und rechts waren Aecker und Wiesen im Wasser gestanden. April und Mai wiederum sehr trocken und sehr kalt. Während des Mai bis zum 1. Juni beinahe täglich Reif. Am Karfreitag (14. April) sind die Wingert, die schon im Winter durch die Kälte gelitten hatten, in der Woll erfroren. Im Mai wurden die meisten Wingert geschnitten. Im

Juni noch alles klein und so schlecht wie im März anderer Jahre. Die Winterfrüchte standen nur fußhoch, die Sommerfrüchte kaum aus dem Boden gewachsen. Man fürchtet allgemein für das Obst. Doch war es gut, daß das Wetter trocken war. Von Ende März bis 10. Juni keinen Tropfen Regen. Der Juni sehr gut, immer warm mit Regen. Auf dem Feld hat sich alles schön hergestellt. Heu gab es sehr viel, schönes Getreide, viel Klee, Kirschen, Aepfel und Birnen genug.

Der Juli immer große Hitze. Diese bis zum 25. August. Allgemein erhoffte man einen Wein wie 1865. Die Trauben waren alle blau da gehangen. Hernach, hat es aber anders gelautet. Vom 25. August bis 1. Oktober ununterbrochen Regen, am letztgenannten Tag dermaßen, daß auf dem Feld das Wasser gestanden ist. Jetzt ist den Leuten der Mut gesunken. Die Trauben waren zwar weich, aber sauer. Man erwartete einen schlechtem Wein, Doch der Oktober tat seine Schuldigkeit. Ab 2. Wetter wie im Sommer, Tag und Nacht trocken und warm, manchmal derart heiß, daß man nachts das Bett von sich geworfen hat. Herbstanfang 19. Oktober. - Einen sehr guten Wein, 40 Liter Most galten 5 fl. bis 5 fl. 20 Kr.; das Fuder Wein 150 bis 170 fl. Ein Glücksherbst. In den einzelnen Gewannen großer Unterschied. Manche Leute erzielten einen halben, andere kaum

einen Viertel-Herbst. Auch ich war sehr glücklich; ich konnte über drei Fuder Wein verkaufen, daß Fuder zu 170 fl.

Mit dem Wetter war es wie abgeschnitten. Sonderbar! Der Herbst war kaum daheim, da ist es gefroren und hat es geschneit. Auf Martini sind schon die Fenster gefroren. Tags darauf hat sich's indessen wieder geändert. Warmes Wetter setzte ein und ziemlich Regen. Dies dauerte bis Weihnachten; dann drei Tage ein wenig kalt, dann warm mit Regen durch den ganzen Januar.

1877. Den ganzen Winter haben Maurer und Steinhauer arbeiten können. Der Februar hat auch wieder gut angefangen. Er blieb ziemlich gut bis zum Ende. Der März aber war schlimm. Bis 16. völlig Winter, Schnee und recht kalt; dann kaltes Regenwetter. Auch der April naß und kalt, der Mai immer kalt. Am letzten Tag dieses Monats, dem Fronleichnamstag, hat es den ganzen Tag geregnet. Der Juni aber ist sehr gut ausgefallen. Am 1. waren die Wingert zollgroß gewachsen. am letzten alles verblüht. Die Blüte war schnell vorüber. Das war gut, denn der Wurm war am manchen Plätzen sehr stark. Der Juli auch wieder sehr gut, immer warm, aber viel Regen. Man hatte die Ernte. beinahe nicht heimgebracht. Alles naß und feucht, daher schlechtes Mehl. Im August wieder regnerisches Wetter, hat aber den

Boden nicht vernäßt. "Die Wingert hatten doch trocken." Ausgangs August schon viele helle Trauben gefunden; aber der Sauerwurm am den Plätzen, an denen er in der Blüte war, sehr stark. Ebenso die Krankheit (Graue). Wenn die Leute nicht so fleißig geschwefelt hätten, wäre alles verdorben.

Der September sehr schlecht. Am Anfang ein Gewitter mit Schloßen, die an manchen Plätzen ziemlich Schaden gemacht. Dann vieles Regenwetter bis halben September. Dabei sehr kalt, am 26. und 27. derart, daß der Boden gefroren und die Wingerte im Flachland samt den Trauben in allen Gegenden, wo Wein wächst, erfroren sind. Bloß hart am Gebirg sind diese gut geblieben. Der Oktober bis zum 13. ebenso schlimm. In der Nacht vom 9. zum 10. an manchen Plätzen gefrorene Fenster. Das hat den Wingerten am Gebirg auch viel Schaden gemacht. Die Trauben, die nicht vollständig reif gewesen, wurden welk. Wir in St. Martin wären am glücklichsten gewesen in der ganzen Umgegend, wenn diese Nacht nicht eingefallen wäre. Aber an den Plätzen, wo vorher schon alles gefroren gewesen, ist alles kaputt gegangen. Da war auf das nächste Jahr alle Hoffnung verloren, weil die Reben noch nicht zeitig waren. Vom 15. bis 18. sehr warmes Wetter; aber am 19., 20. und 21. wieder so kalt, daß in den Bütten, die zum Verschwellen am Bach standen, Eis von einem

halben Zoll Dicke gewesen. Ich habe dies am 20. nachmittags 12 Uhr selbst gesehen.

Am 22. begann der Herbst. Das Wetter wurde mit jedem Tag wieder besser. Mitunter fiel in der Nacht etwas Regem. Die Tage aber waren gut. Am 1. November war alles eingebracht. Die drei letzten Tage der Weinlese schlechtes Wetter. Die Trauben waren jetzt durch die Kälte so "lummer" und so welk geworden, daß man sie fast nicht stoßen konnte. Auch gaben dieselben wenig Brühe. In andern Jahren brauchte man 24, in diesem Herbst jedoch 30 bis 35 Hotten für ein Fuder Wein. (Traubenmühlen kannte man damals noch nicht.. Die Trauben wurden mit einem Holzstößel, dem Mostenkolben, in der Hotte zerstoßen, gemostert.)

Der November war im Anfang gut. Bis zum 16. Wetter wie im Sommer. Dann aber nebelig und kalt mit Regen. Ab 24. wieder schön.

Das Weingeschäft ging schlecht. Im Herbst ein paar Fuder zu 130 bis 135 fl., auch etwas Most, die Hotte, 40 l, zu 6 bis 7 abgesetzt. Dann aber kein Fuder mehr bis zum ersten Ablaß im Februar. Jetzt entwickelte sich etwas Kauf zu 95 bis 100 Gulden.

1878. Der Winter ziemlich gut. Wenig Schnee, keine große Kälte. Februar sehr gutes Wetter. Die meisten Wingerte wurden geschnitten. März

schlecht. Den ganzen Monat Schnee und kalt. Manchmal gefrorene Fenster. April, Mai und Juni bis Johanni Regenwetter. Die meisten Wingerte wurden im Juli gegraben. An der Kirchweihe (Sonntag vor Laurentius) waren noch Wingerte zu graben. Juli ziemlich gut. Zu Anfang dieses Monates die Trauben geblüht. Der Wurm aber hat schon vor dem Blühen auf den meisten Plätzen alles verdorben. Die Trauben sehr schnell gewachsen. Ende Juli bereits gefärbte Frühschwarze. Der August gut. Bis zum 14. immer große Hitze. Man erhoffte noch einen guten Wein. Ab 15. schwere Gewitter und Regen bis Ende dieses Monats. Der September gut angefangen. Bis zum 8. große Hitze, Vom 8. zum 9. zwei schwere Gewitter, wie wir solche noch nie hatten, die an manchen Plätzen viel Schaden angerichtet. Alsdann ziemlich gutes Wetter bis Ende des Monats. Aber dieses hat an den Trauben nicht viel gewirkt, weil der Boden "zu arg vernäßt" gewesen. Es war Wetter für den Sauerwurm. Dieser ist so stark ausgetreten als je einmal vorher. Trotzdem der Wurm in der Blüte so großen Schaden angerichtet, hatte man damals noch auf einen halben Herbst gerechnet. Der Sauerwurm aber hat jetzt noch alles verdorben. In vielen Wingerten ist keine Traubenbeere geblieben. Nur in den Wingertsbergen hat es schönen Wein gegeben. Ich habe in meinen zwei Bergen ein Fuder Wein gemacht, aber im Feld in

fünf Viertel Wingerten zwei Ohm, in dem großen Viertel auf dem Ueberfeld war nicht eine Traubenbeere, in dem großen Viertel auf der Alsterweiler Seite eine und eine halbe Hotte, indes nichts als Brocken. Und so war's im ganzen Feld. Der Herbst ist deshalb früh heimgekommen. Maikammer hatte am 3., St. Martin und Edenkoben am 7. Oktober Herbst. Es war schad fürs Wetter. Der Oktober war sehr gut. Man konnte aber die Weinlese nicht mehr hinausschieben. Der Wurm hätte alles vernichtet. Der Wein war etwas besser als der vom vorhergehenden Jahr. Die Hotte Most zu 50 Liter geeicht 10 bis 11 Mk., das Fuder Wein im Herbst 300 Mk.

Der November im Anfang starken Reif und etwas Schnee, dann Regen.

Der Wein von 1878 kostete im Frühjahr 1879 = 230-240 Mk., im August dieses Jahres 270 bis 280 Mk., der beste 300 Mk.

1879. Schlechtes Frühjahr. Sommer ebenfalls so schlecht trotz des harten Winters. Januar, Februar und März völlig Winter, immer kalt und Schnee. April Regen und Schnee. Mai naß und kalt. Im halben Mai derart Schnee, daß er zwei Tage liegen blieb. Juni naß, aber doch warm dabei. Zu Anfang de Juni waren die Wingerte zollgroß gewachsen. Maikirschen erst ausgangs Juni. Juli sehr Schlecht. Drei Wochen beständig

Regen und kalt. Am 7. Juli im Wald geschneit. An Jakobi die Wingerte geblüht. Auf Edenkobener Kirchweihe (Sonntag nach Laurentius) hat es noch Kirschen gehabt. Der August ziemlich gut. Zu Anfang desselben blühen noch Trauben. Ende des Monats waren diese ausgewachsen. Der Wurm sehr stark in der Blüte. September sehr gut. Bis zum 20. sehr trocken und warm. An genanntem Tag ein schweres Gewitter mit schwerem Regen. Das hat den Boden sehr "vernäßt". Die Trauben waren schon ziemlich hell. Aber schlechtes Wetter folgte. Immer kalt und Regen. Der Oktober ebenfalls kalt. Vom 16. bis 17. dieses der Boden zolldick gefroren. Die Wingerte waren all "gebrüht". Den 18. und 19. Regen. Da ist das Laub all heruntergefallen. Am 20. Herbst. Ein schlechter Wein. Die Trauben waren "von der Kälte so lummer", daß man sie beinahe nicht stoßen konnte, weil fast jede "Brühe" fehlte. Die Holte Most zu 50 Liter kostete 5 bis 6 M. Sehr kleiner Ertrag. Der Sauerwurm wieder alles verdorben. Auch die Krankheit wieder sehr arg. "Wenn nicht soviel geschwefelt worden wäre, hätte es gar nichts gegeben." Das Fuder Wein 180 bis 200 M. Im nächsten Frühjahr 300, Wein von 1878 kostete 400 Mark. Dieser Winter so kalt, wie es seit fünfzig Jahren nicht gewesen. Der Rhein zweimal zugefroren, im Dezember so dick, daß man mit gelade-

Altes Winzerhaus in der Mühlgasse

nen Wagen darüber gefahren ist. Von Weihnachten bis Neujahr Tauwetter. Das Eis brach, aber die großen Schollen haben sich an manchen Plätzen gestellt und das Wasser machte großen Schaden. Ganze Strecken vom Land wurden überschwemmt und Eisenbahndämme weggerissen.

1880. Der Januar begann mit der alten Kälte. Bis zum Halben des Monats war der Rhein wieder zugefroren. Diese Witterung hielt den ganzen Monat an. Für unsere Wingerte wurde dies sehr schlimm. Sie sind so arg im ganzen Feld verfroren als noch je einmal und in Gegenden, wo Wingerte sind. Bloß hart am Gebirg konnte man hie und da einige gute Augen finden.

Februar ziemlich gut. März immer trocken und ein wenig rauh. April ziemlich warm und zarter Regen. Der Mai aber kühl, manchmal recht kalt. Am 19. und 20. Kartoffeln und Klee verfroren. Ab 24. große Hitze. Vom 29. bis zum

20.Juni regnerisch und kühl. Ausgangs Juni ziemlich gutes Wetter. Die paar Trauben waren Schnell verblüht. Juli sehr gut; immer große Hitze bis zum 1. August. Dann wieder regnerisch bis zum 15., dann aber warm bis zum Ende. Am 12. August bereits schwarze Trauben; Ende August reife Gutedel und Franken. Jm September bis zum 12. große Hitze, an manchen Tagen

22 Grad. Von diesem Tag ab wieder regnerisch und kühl, ab 23. bis 3. Oktober gutes Wetter, dem alsdann schlechtes folgte mit ständigem Regen bis zum 21. Am 11. Oktober Herbst. Jeden Tag Regen, am 22. Schnee, der sich handhoch legte. Ausgangs Oktober hart gefroren.

Das bißchen Wein ist recht gut geworden und war auch sehr teuer. Die Hotte Most zu 50 Liter wurde um 21 Mark, das Fuder Wein zu 500 Mk. verkauft. Nach dem Herbst aber war gar keine Nachfrage mehr. Der Winter war für die Wingerte wieder schlimm.

1881. Im Januar sehr kalt, einige Tage derart wie im vergangenen Jahr. Jeder hielt die Wingerte abermals für verloren. Sofort ging das Geschäft im Wein, das Fuder zu 470 bis 480 Mark. Das Frühjahr ist bis zum 20. Mai immer rauh und kalt gewesen, dabei trocken, ganz wenig Regenwetter. Das war für die Wingerte sehr gut, weil einigemale sehr kalt gewesen. Ein paar Tage im Juni Reif. Alsdann setzte sehr warmes Wetter ein. Wider Erwarten stellten sich die Wingerte sehr schön. Am 18. Juni Anfang der Traubenblüte, mit dem Monat diese beendet. Die Reben in der Blütezeit keine schlechte Stunde. Im Juli bis zum 21. große Hitze; am 19. und 20. im Schatten 28 bis 29 Grad. Am Tag stand alles welk, während der Nacht hat sich


top  Top
next  Kapitel IV (2)
previous  Kapitel III (2)
history:back