II.
Die Aufzeichnungen
Christmann und Schreieck können ergänzt und fortgesetzt
werden durch das, was uns verschiedene andere Bürger der
Gemeinde St. Martin in ihren Hausbüchern melden. So hatte
Kaufmann Schreieck unter den schriftlichen Nachlaß der
Familie Stöckel dies bezügliche Notizen aus den Jahren
1810 bis 1832 gefunden.
Herr Ludwig Schneider besitzt noch jetzt das Hausbuch seines
Großvaters Heinrich Humm mit Einträgen aus der Zeit
von 1808 bis 1843.
Ein Hausbuch des Peter Heinrich Willem gibt mancherlei Aufschluß
über die Zeit von 1811 bis 1822. Der Schwiegersohn des Willem,
Daniel Lorenz, gestorben 1892, hat die Sache von 1846 bis 1876
fortgesetzt und sie alsdann seinem jetzt noch lebenden Sohn Nikolaus,
einem Bruder des um St. Martin verdienten Altbürgermeisters
Lorenz, überlassen. Auf diese drei Quellen stützt sich
der zweite Teil der Abhandlung.
1808 erzielte Humm in zwölf
Viertel Wingert 14 Ohm. "Das war ein guter gesunder Wein",
der im Herbst 40, an Neujahr 1809 = 140 Gulden kostete.
1809 war der ganze Ertrag ¾
Logel. Diese waren "aus dem Halbviertel auf der oberen Haardt".
In den andern Wingerten hing nicht ein Trauben.
1810 ein Fuder. Es war ein guter
Wein. Die Weinlese hatte am 18. Oktober begonnen.
1811. Am 25. Mai sind die Wingert
"im Gäu" erfroren und die "Grundbirnen im
Wald" (damit ist wohl im Gebirge gemeint) am 14. Juli. Am
27. Mai zeigten sich Traubenblüten, am 20. Juli haben sich
die Malvesier an den Häusern gefärbt und im Feld gab
es helle Beeren. Herbstanfang war am 4. Oktober. Die 12 Viertel
lieferten 6 Fuder, ein Hauptwein, der im Herbst 80 bis 90 Gulden
kostete.
1812. Vom 16. auf 17. April
fiel der Schnee einen halben Schuh hoch; vom 18. zum 19. sind
die Wingert erfroren. Herbstanfang ist am 1. Oktober. Zwölf
Viertel geben 11 Ohm geringen Wein, der 90 Gulden kostet. Das
Malter Korn gilt 11 bis - 12 Gulden; Spelz, die schlecht war,
9 bis 9½ Gulden.
1813. Stöckel schreibt:
"Vom 11. auf 12. März in meinem Hof drei Zoll tief
gefroren. Die Kälte

hat bis 17. März
gedauert." Herbstanfang ist am 18. Oktober. Humm erntet
5 Ohm. Dieser Wein ist gering und kostet im Herbst 90 Gulden.
"1814 den 1. Jenner", berichtet Willem,
haben die Russen die Franzosen aus dem Reich getrieben. Am 24.
Mai sind sie wieder abgezogen und war Friede. Wir haben auf einmal
in unserm Ort 1500 Mann gehabt. Ein Wingert des Stöckel
auf der Hube, "in dem er 1811 = 74 Logel machte, gibt 1½
Hotten voll." In die andern Wingert ist er gar nicht hingegangen.
Die Wingert sind im Winter all erfroren; was noch getrieben hat,
ist wieder erfroren letzten April und noch einmal im Mai. Anfangs
April ist das unzeitige Holz wieder erfroren. Qualität und
Preis waren denen von 1813 gleich.
1815 sind "die Wingert,
die schon schön gewachsen gewesen", am 19. April erforen.
Herbstanfang 9. Oktober. "Drei Wingert im Steidig geben
zusammen sieben Kübel voll Trauben, ein Wingert auf der
Hub 20 Hotten voll Most.". 11½ Viertel 8 Ohm Wein.
"Er war gut und gesund und hat im Herbst von der Kelter
weg 200 Gulden gekostet. Ich habe nicht geglaubt," sagt
Humm, "daß ich mein ausgelegtes Geld wieder bekomme
von dem Fuder, das ich gekauft habe vor 200 Gulden. 1816 nach
Kans´tag (Johannestag, 24. Juni) hat er alle Tage 10 fl.
aufge-
schlagen. In
dem Heumachen habe ich meinen Wein verkauft zu 400 fl. per Fuder.
Er hat 1817 aber 500 fl. gekostet."
1816. "Auf Ostern hat es
einen großen Schnee geworfen" schreibt ein Landwirt
Müller aus Weisenheim a. S. und bei Willem aus St. Martin
steht: "Die Wingert sind ganz schön aufgegangen und
haben Samen genug gebracht. Am 1. Mai hats Donnerwetter gegeben
und hat fast zu sagen alle Tage geregnet. Die Wingert sind wegen
der vielen Nässe nicht gegraben und gar wenig gerührt
worden. Das Heu ist fast zu sagen verdorben und die Trauben haben
erst nach Jakobi angefangen zu blühen. Den ganzen Sommer
ist Regenwetter geblieben. Viele Kartoffel sind nicht gehackt
und nicht gehäufelt worden. Im Gäu ist das Heu all
im Morast ersoffen und ist mit den Pferden herausgezogen worden.
Am ganzen Rhein ist wegen der Ueberschwemmung ein solcher Schaden
gewesen, der nicht zu beschreiben ist.
Herbstanfang ist an Allerheiligen und fast zu sagen unzeitig.
Man muß alles ganz heimtun und man kann nichts stoßen
und hat fast nichts gegeben." 11½ Viertel 2 Ohm Wein.
Dieser ist essigsauer und auch sonst nicht zu gebrauchen. "Doch
hat das Fuder 160 fl. gekostet."
1817 "habe ich (Humm) in
12 Viertel Wingert 3 Ohm Wein gemacht. Er war auch essigsauer
und ist die Ohm
verkauft worden zu 16, 18 und 20 fl. Er ist im steinernen Trog
gestoßen worden mit Pflasterstempel". Willem berichtet:
"Ein Maßel Bohnen kostet 20 Kreuzer, das Malter Korn
35, 38 bis 40 fl.,
Das Simmern Grundbirnen 1 fl. 44 Kr. bis 1 fl. 50 Kr.
Das Pfund Brot 15 Kreuzer.
Das Simmern Weißmehl 7 Gulden.
Das Pfund Butter 36 Kreuzer."
"1818 ist das Korn nicht geraten. Spelz und Gerste
hats genug gegeben. Der Wein ist gut geraten. Das Viertel gibt
eins ins andere ein halb Fuder." (Willem).
Herbstanfang 7. Oktober. "Es war ein guter gesunder Wein.
Er hat im Herbst 200 fl. gekostet. Da hat er von Tag zu Tag abgeschlagen
bis er zu Kanstag zu 100 fl. verkauft wurde." (Humm).
1819. Der bereits erwähnte
Müller, Weisenheim, schreibt: "Vom 12. Dezember 1818
bis 12. Januar 1819 war es sehr kalt und eisig. Am 27. Januar
1819 war es ein wahrer Sommertag, daß die Leute hemdärmelig
ins Feld gingen. Im Jahr 1819 war es so warm als nur jemals.
Es hat einen sehr guten Wein gegeben. Von Pauli Bekehrung war
ein großer Nebel und dauerte
den ganzen Monat.
An Lichtmeß war den ganzen Tag trüb mit Nebel. Was
sie bedeuten: Krankheit oder Sterben?"
Nach Stöckel war ein guter März und April. Am 15. April
standen alle Obstbäume in voller Blüte. Ein Traubenstock
"an des Philipp Seitz
Haus" war am genannten Tag drei Zoll groß gewachsen,
die Reben im Feld einen Zoll. Am 1. August sind die schwarzen
Trauben und auch viele Gutedel reif. Herbstanfang 11. Oktober.
Nach Willem hat jedes Viertel ein Fuder gegeben; Humm hat "in
13 Viertel 8 Fuder gemacht. Der Wein war besser als der Achtzehner.
Das Fuder hat im Herbst gekostet 80 und 90 Gulden, im nächsten
Jahr vom Kanstag an bis zum Herbst 180 Gld."
1820. Der März war bis
zum 25. kalt und brachte viel Schnee. Am 31. d. M., dem Karfreitag,
wird ein Gewitter mit Schloßen gemeldet. Das Jahr bringt
eine sehr gute Getreideernte. Das Malter Korn gilt 4 fl. 20 Kr.
Herbstanfang am 16. Oktober. Vom 15. bis 20. Oktober ununterbrochen
geregnet. Der Wein nicht geraten, ist gering und gilt im Herbst
80 bis 90 Gulden. 13 Viertel ergeben 1½ Ohm.
1821. "Im Winter 1820s21
der Rhein zugefroren und ist man am 4. Januar 1821 zu Mannheim
darüber gegangen." Das Malter
Korn kostet 3
Gld. 30 Kreuzer. Herbstanfang am 21.Oktober. Der Wein war wie
der Zwanziger. Humm bekommt von 13 Viertel 7 Ohm, Stöckel
aus fünf Wingerten drei gute Hotten voll Most.
1822. Den ganzen Winter 1821/22
war kein Fenster gefroren. Schon am 22. März haben die Obstbäume
geknospet und Laub gehabt; am 23. März sah man Birnblüte.
Am 30. April waren "die Traubenstöck an dem Jäger
Philipp seinem Haus 6 bis 7 Zoll gewachsen." "Das Korn
hat geblumt am 5. Mai." "Den 9. Juni haben wir vollkommen
Traubbenblüt bekommen, am 11. waren sie schon verblüht
gewesen." An Johannestag schon das Korn zuhaus. "Der
ganze Vorsommer grausam heiß gewesen. Am 1. Juli. die Trauben
gehangen und zur Hälfte ausgewachsen. Ende Juli fand man
überall helle Traubenbeeren und im halben Juli hatte man
überall "schwarze Trauben reif." "Den 14.
Juli auf das hohe Fest zu Maikammer die Mutter Gottes drei schwarze
und einen weißen Trauben an sich gehabt."
Der Herbst fing am 26. September an. "Es gab viel Wein."
"In 13 Viertel Wingert 8 Fuder Wein gemacht. Das war ein
guter, gesunder Hauptwein," der im Herbst 80, 90 bis 100
fl. gekostet."
1823. Herbstanfang den 20. Oktober.
Stöckel erzielte in seinen fünf Wingerten 42 Hotten
voll Most.
Ein Viertel des
Ertrages sind Malvesier, die gut geraten waren. Humm sagt: In
15½ Viertel Wingert 4½ Fuder Wein gemacht, ein
"ordinärer Wein", der im Herbst 50, acht Tage
später 40, nach Martini 30 und 25 fl. galt.
1824. Im Winter von 1823 auf
1824 sind in den Wingerten viele Rebstöcke erfroren. Herbstanfang
Mittwoch, den 20. Oktober. 16 Viertel liefern 2 Fuder. "Es
war ein trankbarer Wein", gilt im Herbst 30 Gld.
1825. Das Korn hat nach Müller,
Weisenheim am Sand, am 7. Mai "geblumt". Die Weinlese
beginnt zu St. Martin am 13. Oktober. 16 Viertel Wingert 6 Fuder
Wein, ein "Hauptwein", der im. Herbst 80 fl., zwei
Monate später 60 fl. gekostet hat.
1826 war "die Witterung
gar günstig" im ganzen trocken und schön. Herbstanfang
16. Oktober. "Es war ein großer Herbst", 16 Viertel
geben 17 Fuder Wein, das Fuder gilt im Herbst 25, von Martini
bis Weihnachten 22, 23, 24 Gulden. Es war ein trankbarer Wein.
Die Faß warnen rar und teuer. Eine Ohm Faß galt soviel
wie die Ohm Wein. "Viele Leute haben ihn in Bütten
stehen lassen und Deckel darauf gemacht und mit Letten zugeschmiert
wegen Mangel der Fässer".
1827. An "Kanstag"
(Johannestag), als die Trauben ausgewachsen waren, ist ein Schloßenwetter
gekommen,
daß Laub
und Trauben über die Hälfte auf dem Boden, am Rathaus-Brunnen
die Körner halb Maß hoch lagen und Gewetter (große
Steine) ins Ort geflezt." Humm sagt weiter: "Jetzt
hat der 26iger Wein 50 Gulden gekostet. Mir selbst hat man 53
Gulden geboten. Da hat er von Tag zu Tag abgeschlagen bis auf
30 und 25 Gulden, ist aber im 31iger Jahr auf 90 und 100 Gulden
gekommen ."
Herbstanfang 1827, Donnerstag 11. Oktober. "Ein kleiner
Herbst". Aus 17 Viertel 3 Fuder Wein, gut. und gesund, gilt
im Herbst 60, drei Wochen später 50, nächste Ostern
aber 80-90 Gulden. "Ich (Humm) habe ihn im 31iger Herbst
verkauft zu 165 Gulden und, einen großen Taler für
das Fuder."
1828. Herbstanfang 17. Oktober,
nach Stöckel ein halber Herbst. Während der Lese schönes
Wetter. Humm in 17 Viertel Wingert 10 Fuder, ein. "guter,
gesunder, trankbarer Wein", gilt im Herbst 25-30 Gulden,
im August 1829 = 60 Gulden, 1830 = 110-120, im Jahr 1831 aber
130 - 140 Gulden.
1829. Herbstanfang Mittwoch,
21. Oktober, ein Drittel-Herbst. Wein gut, besonders auf der
Sommerseite. Der Pfarrgarten gibt 30 Hotten voll Most.
Humm in 21 Viertel 7 Fuder Wein. Dieser gilt im Herbst 25, an
Weihnachten 20 Gulden.
"Im 30iger
Jahr ist er auf 40 und 50 Gulden gekommen, ausgangs 30 auf 70-80
Gulden."
1830. "Der Herbst am Montag,
8. Oktober, angefangen und Mittwochs war man schon fertig."
Stöckel erhält für die Kreszenz seiner 10 Viertel
Wingert von Franz Schneider 4 Gulden 48 Kr.
Humm erntet in 21 Viertel 4 Ohm Wein. "Der war ein wenig
besser als der 29iger und hat im Herbst 90 Gulden gekostet."
1831. Montag 17. Oktober Herbstanfang.
"In 21 Viertel Wingert 4 Fuder Wein gemacht und acht Ohm.
Es war ein sehr guter Wein und hat im Herbst 100, 105 und 110,
an Weihnachten 110-115 Gulden gegolten."
1832. Den ganzen Herbst über,
der Donnerstag, den 18. Oktober begonnen, war schönes Wetter.
Humm in 23 Viertel 7 Fuder gemacht. Dieser hat im Herbst 95-100
Gulden gekostet, an Ostern und "Kanstag" auch noch
nicht mehr, war auch nicht so gut wie der von 1831.
Mit dem Jahr 1832 enden die Aufzeichnungen von Stöckel.
Die Veröffentlichung stützt sich daher für die
nächstfolgenden Jahre nur mehr auf das, was Humm meldet.
1833. In 23 Viertel Wingert
12 Fuder Wein. Dieser hat im Herbst 50 und 55 Gulden an Weihnachten
70-80 Gulden gekostet. Er hatte die Qualität von dem 1831iger
Wein.
"Im Frühjahr
anfangs Mai hat man soeben gesehen, daß sie knospen wollen,
ausgangs Mai hat es schon Traubenblüten gehabt, nach Kanstag
ist es so trocken geworden, daß die Trauben nicht mehr
aus der Stell gewachsen sind vier Wochen lang."
1834. Acht Fuder Wein, gilt
im Herbst 100, 105 und 110 Gulden, ein Hauptwein, wurde im Herbst
1835 verkauft zu 105-110, an Weihnachten zu 150-160, an Ostern
1836 um 170-190 Gld.
1835. In 24 Viertel Wingert
22 Fuder Wein. Er hat im Herbst 30, an Ostern 40 und 50 Gulden
gekostet. Es war ein geringer Wein. Er wäre besser geworden,
wenn es nicht den ganzen Herbst hindurch geregnet hätte.
Wenn einer 12- 16 Fuder Wein gemacht hat, so war ein Fuder Wasser
dabei. Vor dem 36iger Herbst hat er wieder 40- 38 Gulden, im
37iger 50-60 Gulden gekostet.
1836. In 24 Viertel 11½
Fuder Wein. Er stand Herbst bis Ostern auf 40, später 45
Gulden. "Es war ein geringer Wein und hat den Verruf, daß
kein Spekulant und Makler ihn gekauft hat, weil er die Farb so
schanschiert hat (changieren = wechseln). Auf den Ablaß
hat sichs gebessert, daß er so angenehm ist."
1838. Der Wein hat nach dem
Herbst 75-77, an Ostern 80 Gulden gekostet.
1839. In 21 Viertel 9 einhalb
Fuder Wein. "Der hat im Herbst 50 Gulden gekostet bis an
Martini und Weihnachten,
an Ostern 55-65, an Pfingsten 70 Gulden. Er war in der Güte
dem 38iger Wein gleich. Acht Tage vor dem Herbst haben auf dem
Ueberfeld die Trauben angefangen zu faulen, daß in dem
Halbviertel Frankenwingert keine drei guten Beeren im Trauben
waren. Doch hat dies noch sechs Hotten voll Most gegeben, obwohl
noch acht Balken aufzuschlagen waren."
1842. Der Wein 90-95 Gulden, kommt auf 120 Gulden, 1843 auf 220
- 230 Gulden.
1843 .... 9 Fuder Wein. Nach dem Herbst hat er abgeschlagen bis
auf 70 Gulden und ist so stehen geblieben. Bis 1845 nach Weihnachten
galt er 75-80, an Pfingsten und Kanstag 110-115 Gulden.
Mit dem Jahr 1843 schließt Humm seine Aufzeichnungen. Weitere
Notizen in dem Buch aber lassen ersehen:
- 1855iger Wein kostet im Juni 1858 per Fuder 120 Gulden.
- 1857iger im Juni 1858 = 150 fl.
- 1858iger im Herbst 100, im Januar 1859 = 130, September 1859 = 125 fl.
- 1859iger im November 1859 das Fuder 100, im März 1860 = 145-150, im September 1860 = 100 fl.
- 1860iger Wein im Herbst 1860 = 80, im November dieses Jahres 100, im Februar 1861 = 110, bis zum September 1861 = 115 fl.
- 1861iger im Herbst 210, im Mai 1862 = 220 fl.