I. (2)

verschiedenen Orten Wölfe gezeigt, und das Wild in die Dörfer gelaufen wäre vor Hunger.

Im Jahr 1784 sind die Wingerte, welche nicht in der Höhe gelegen sind, hart erfroren. Besonders in den Gewannen Hub, Acker, Ueberfeld und anderen tiefen Lagen haben sie schweren Schaden gelitten. Ebenso war es auch in den Dörfern der Nachbarschaft, noch schlimmer dort, wo man keine Bergwingert besitzt. Hier sind die Reben fast gänzlich erfroren und alle Stöcke müssen abgeschnitten werden.

Bei uns hat es trotzdem noch passierlich Wein gegeben und wenn der Brand nicht so stark in die Weinberge gekommen, wäre der Wein, weil das Wetter gut gewesen, auch gut geworden. Doch war dieser immer noch besser als der 82iger. Ich habe ungefähr 4 Fuder 5 Ohm geerntet und er hat im Herbst 50 Gulden gegolten. Später aber fragte niemand mehr darnach und man konnte ihn, als er hell war, für 46, 47 und 48 Gulden bekommen.

1785. In diesem Frühjahr hatten wir sehr schlechtes Wetter. Am 27. und 28. Februar sowie am 1. März ist eine solche Kälte gewesen, daß nie eine gleiche war. Seitdem ich in meinem Hause wohne, waren die Fenster nie so zugefroren wie in beiden Nächten. Auch während des ganzen März gab es alle Nächte Eis. Gras, Reps und andere Gewächse sind in obigen zwei Nächten zu-

grunde gegangen. Dazu fiel auf Ostermontag (28. März) großer Schnee.

In diesem 85iger Jahr haben wir Gott sei Dank ziemlich Wein gemacht. Nur ist er wegen des schlechten Wetters im August gering geworden, immer aber noch etwas besser als im vorigen Jahr. So habe ich 10 Fuder geerntet und dasselbe galt vom Herbst bis des Ablassens 33 Gulden. Auch Obst, besonders Aepfel hat es sehr viel gegeben und die übrigen Erdengewächse sind auch ziemlich geraten.

Im Jahr 1786 haben wir in der Zeit der Traubenblüte vermeint einen guten Herbst zu machen. Als aber die Trauben völlig verblüht hatten, trat kaltes Regenwetter ein. Die Trauben schüttelten sich stark und ist auch der Brand gleich in die Wingert gekommen und hat sehr vielen Schaden getan. Der Herbst fiel gering aus und die Güte des Weins war der vom vorigen Jahr gleich. Ich erhielt 4 Fuder und es gilt an Martini 45 Gulden.

Auch das Obst brachte nur geringen Ertrag. Sommerobst bekam man ziemlich, Winterobst, besonders Aepfel aber sehr wenig. Vor dem Herbst gab es starken Wind, daß fast alle Birnen herunterfielen. Auch Trauben sind ziemlich niedergefallen. Sechs Tage vor Martini ist solcher Schnee gefallen, daß man mit dem Schlitten fahren konnte.

1787. Im Hornung (Februar) dieses Jahres war es so warm, daß man ohne Brusttuch im Feld gearbeitet hat. Aber es ist uns wieder eingebrockt worden; denn bis Jakobi haben wir sehr schlechtes Wetter gehabt, jede Woche Regen und allezeit kühl. Auf Jakobus Tag fielen in unserer ganzen Gemarkung Schloßen. Sie haben alles zerfetzt, daß man drei Teile verloren schätzte. Weil man wegen des schlechten Wetters die Frucht nicht hatte heimbringen können, so wurde auch diese vollständig verschlagen. Es wurden von diesem Unwetter auch Alsterweiler, Maikammer, Hambach und alle Fluren bis Mannheim getroffen. Weil dazu der Brand noch auftrat, haben wir nur wenig Wein gemacht. Gott Lob und Dank! habe ich noch vier Fuder bekommen. Auch ist er etwas besser als der vom vorigen Jahr und er gilt 45 Gulden.

1788 den 23. Januar, habe ich 83iger Wein verkauft das Fuder für 140 Gulden und 2 Gulden 45 Kreuzer in Kauf. Es ist dieser Wein in das Elsaß gekommen nach Reichshofen.

In diesem 1788ier Jahr haben wir uns wegen der letztjährigen Schloßen sehr wenig Wein geschätzt. Die Reben standen schlecht und wären bei einem harten Winter oder März vollständig zugrunde gegangen. Darum soll man niemals kleinmütig werden, denn Gott der Herr kann alles wieder gut machen. Im März war die Witterung

günstig und diese hat den Reben nicht geschadet Ja, zuletzt hat uns Gott gesegnet; denn noch nie habe ich einen so vortrefflichen Herbst erlebt als in diesem Jahr. Es gab sehr viel Wein und er ist auch gut geworden. So habe ich 17 Fuder bekommen. Das Fuder gilt 50 Gulden.

Aber noch im gleichen Spätjahr haben wir gleich nach Martini eine so strenge Kälte bekommen, daß beinahe alles erfroren ist Die Kälte hat bis in den halben Januar des folgenden Jahres gedauert und die Reiberchen im Keller sind wir bis auf eins zugefroren. (Die Reiberchen sind die hölzernen Zapfhahnen an den Fässern.)

1789 folgte auf den so harten Winter auch ein schlechter Sommer und dieser hat uns wenig Gutes gebracht. Jede Woche gab es beinahe Regen und es war meistenteils kalt. Im Anfang des Frühjahrs sind die Wingert, welche nicht erfroren waren, schön aufgegangen und haben sehr viel Samen gezeigt, daß man sich wieder einen reichen Herbst schätzte. Als sie aber vor dem Blühen standen, kam der Brand in sie und das Laub ist samt dem Samen abgefallen. So habe ich nicht mehr als 7 Ohm Wein gemacht, der recht gering war. Auch die Frucht ist schlecht geraten. Es kostet ein Malter Korn 9 bis 10 Gulden. Mit den Kartoffeln jedoch kann man zufrieden sein, was noch das Beste ist. Gleich nach Martini kam wieder eine so strenge Kälte wie im vorigen Jahr. Diese hat

aber nur vier Tage gedauert, worauf wieder gutes Wetter eintrat und man konnte im Felde noch viele Arbeiten verrichten.

Hausmarke Henrich Schneider 1790 war ein mittelmäßiges Weinjahr gewesen. Doch war der Wein gut und das Fuder galt 70 Gulden.

Im Jahr 1791 haben wir einen solchen heißen und trockenen Sommer gehabt als je zuvor. Er brachte sehr wenig Regen, der Herbst aber ziemlich viel und auch guten Wein. Es kostete im Herbst ein Fuder 80 bis 90 Gulden. Wenn sich die Trauben nach der Blüte nicht so geschüttelt, hätten wir dem vielen Samen nach einen vollkommenen Herbst gemacht. Auch die Frucht ist wohl geraten und das Korn gilt 4 Gulden 30 Kreuzer, Spelz 3 Gulden

1792. In diesem Jahr haben wir uns nur wenig oder auch gar keinen Wein geschätzt, da unsere Weinberge teils im Winter, teils im Frühjahr erfroren sind. Dabei war es ein Glück, daß der März gut war. So haben wir nur wenig und geringen Wein bekommen, doch gilt das Fuder 90 bis 100 Gulden. Auch die Frucht ist passierlich geraten, aber doch teuer wegen dem beständigen Krieg.

In diesem 1792sten Jahr hatten wir in unserer Gegend zuerst kaiserliche Soldaten, welche uns aber wenig geschadet. Im September sind sie jedoch gegen Trier abgerückt um mit den Preußen

nach Paris zu ziehen. Wie die Kaiserlichen fort waren, sind die Franzosen von Landau aus nach Speyer gezogen, haben diese Stadt, darauf auch Worms und Mainz genommen. Auch Hanau wollten sie besetzen, aber die Hessen haben sie bös heimgeschickt nach Mainz. Das hochwürdige Domkapitel zu Speyer und unser gnädigster Landesherr (der Speyerer Bischof) wie auch alle Klöster mußten Brandschatzung geben. Dieweilen aber die Domherrn flüchtig gegangen und nicht wieder beigingen, haben die Franzosen im Januar 1793 den Wein im Keller des Domkapitels, etliche hundert Fuder, versteigern lassen. Auch mit haben sie zweimal mit der Fuhre Wein ans dem Keller geholt an 3 Fudern und 4 Ohm.

(Ueber das Jahr 1793 enthält das Buch keine Angaben.)

1794 haben wir wieder eine böse Seit erlebt. Unserem Orte wurde durch die Franzosen eine Brandschatzung von 19000 Gulden angesetzt und haben dieselben Geiseln genommen und diese nach Landau gesetzt bis alles bezahlt war. Unsere Gemeinde hat von dieser Summe 12 000 Gulden aufgebracht. Darauf wurden die Franzofen von den Preußen wieder zurückgetrieben und die Geiseln sind wieder alle durchgegangen. Den Rest der Brandschatzung, 7000 Gulden, hätte der Herr von Dalberg zahlen sollen, was aber nicht geschah. Auch meine Frau war 7 Wochen als Geisel zu Landau

gesessen und ist später gleichfalls entflohen. In selbiger Zeit haben mir die Franzosen wieder zwei Faß Wein aus dem Keller geholt, sowie zwei Wagen, drei Karren und eine Kuh mitgenommen. Auch haben wir Kleien, Faß und Futter liefern müssen, solange wir solches gehabt. Alsdann aber haben die Preußen Landau belagert und brav hineingefeuert, sind aber ohne die Stadt erobert zu haben zurückgezogen.

Darauf sind die Franzosen wiedergekommen und bis Mainz vorgerückt. Gleich darauf haben sie Edesheim verbrannt (13. Juli). Es hat dies einen großen Schrecken verursacht, daß schier alles fort von Haus und Hof sich über den Rhein gemacht. Die Franzosen aber kamen nicht so feindlich, als man geglaubt hatte. Wären die Leute geblieben und hätten sie den Franzosen Brot und Wein gegeben, so hätten diese nicht in die Häuser gedurft. So aber haben sich diese selbst Brot und Wein gesucht und alles, was ihnen anständig war, mitgenommen oder ruiniert. Auch ich habe bei dieser Gelegenheit wieder geliefert 15 Ohm 93iger Wein, vier Traglasten Weiß- und Bettzeug und dergleichen, so daß ich den Verlust dieses Jahres auf 500 bis 600 Gulden schätze.

Im Herbst dieses Jahres haben wir ziemlich Wein gemacht. Doch hat uns dieser nicht gefreut, da man glaubte, die Franzosen würden ihn wieder holen, was glücklicher Weise nicht geschah.

Hausmarke Jakob Ullerich (Nr.4, Sesel mit Traube, 1742) (Der damalige Besitzer der Kropsburg und der Dalberg'schen Kellerei zu St. Martin stand als Offizier in preußischen Diensten. Seine Güter zu St. Martin verwaltete der nachmalige Maire und Bürgermeister Stöckel in St. Martin, der das jetzige katholische Schwesternhaus bewohnte. Als Geisel für die von den Dalbergern zu zahlende Brandschatzung von 7000 Gulden wurde Stöckel nach Landau und späterhin nach Zabern im Elsaß geführt, wo er wie Remling in seiner Revolution erzählt, noch am 17. Juni 1794 zurückgehalten wurde. In meinem Besitz befindet sich ein Brief des Freiherrn von Dalberg an diesen Verwalter Johannes Stöckel sowie eine ältere Verwaltungsrechnung des letzteren. Es möchte für manchen von Interesse sein zu erfahren, daß laut dieser Abrechnung im Jahr
1770 hundert Wurzelreben 28 Kreuzer kosten. Im gleichen Jahr werden für ein Morgen Wingert Gräben zu machen und wieder einzuwerfen fünf Gulden zwanzig Kreuzer bezahlt.

1771 kosten 15 Klafter Holz und 300 Stück Wellen zu machen 18 Gulden. Ein Huhn kostet 18 Kreuzer.

1772 werden 2 Malter 7½ Simmern Korn verkauft um à 8 Gulden = 23 Gulden 30 Kreuzer.

1773 kostet der Zentner Heu 48 Kreuzer.)

Geben mir wieder dem Verfasser unseres Hausbuches das Wort:

1795 hat es nur wenig Wein gegeben. Doch war derselbe teuer. Als wir im Jahre 1796 die Kaiserlichen wieder im Quartier hatten, kostete der 94iger 260 bis 280 Gulden, während der 95iger mit 210 Gulden bezahlt wurde.

Im Jahre 1795 waren die Franzosen wieder bis nach Mannheim gekommen. Doch haben sie dadurch nicht viel profitiert. Die Kaiserlichen haben sie von Mainz wieder zurückgetrieben und in Mannheim viele gefangen genommen. Jetzt mußten die Republikaner bis vor Edesheim hinaus, nach Burrweiler und hinter die Linien von Germersheim retirieren. Am 10. Dezember 1795 haben sie sich wieder gestellt und die Deutschen bis vor unser Ort hinausgetrieben, so daß es den ganzen Nachmittag beständig geschossen hat. Die Furcht war allgemein, denn auch im eigenen Haus war man nicht sicher. Die Franzosen waren dreimal im Ort und wenn die Kaiserlichen nicht Succurs oder Hilfe bekommen hätten, so wären die Republikaner in selbiger Nacht hier geblieben. Am andern Tag aber wurden die Franzosen in ihre frühere Stellung zurückgetrieben, worauf auf drei Monate ein Waffenstillstand festgesetzt wurde. Doch bald. darauf sind die Franzosen wieder bei uns gewesen und haben wir ihre Freiheit erfahren mit unserm Schaden und werden wir alle Tage mehr erfahren.

Damit schließt unser Erzähler seinen Bericht. In den folgenden Jahren macht er keine Aufzeichnungen.

Am 5. November 1800 stirbt nach zweijähriger Krankheit seine zweite Frau Anna Maria geborene Ziegler.

Erst vom Jahre 1804 ab gibt er uns nur kurze Mitteilungen über die Erträgnisse seiner Weinberge. Er beginnt mit den Worten:

"Bis hierher ist nichts aufgeschrieben worden, weil man nichts als Elend zu schreiben gehabt."

1804 vollkommener Herbst; soviel Viertel, soviel Wein.

1805 der schlechteste Herbst, der mir denkt: habe 57 Gulden gelöst.

1806 Mittlerer Herbst.

1807 Mittlerer Herbst.

1808 Mittlerer Herbst.

1809 Schlechter Herbst.

1810 Mittelmäßiger Herbst.

1811 Vollkommener Herbst. Jedes Viertel gibt ein Fuder. Sehr gut. Im Herbst kostet der Wein 95 bis 100 Gulden. Korn und Frucht sind schlecht. Das Korn gilt im Frühjahr 1812 = 11 Gulden 30 Kreuzer, Spelz 9 Gulden, Kartoffeln 15 Kreuzer. 1815 kostet der Elfer Wein 320 Gulden, weil in den Jahren 1812, 1813 und 14 wenig Wein

gewachsen ist. Dazu sind 1814 die Wingert arg erfroren, so daß man in diesem Jahr fast keinen Wein zu trinken bekam.

Auch 1816 und 1817 hat es nur sehr wenig gegeben. "1816 und 1817 haben wir eine solche Teuerung gehabt, daß ich es fast nicht schreiben mag. Die meisten Leute hatten kein Brot und waren froh, wenn sie nur Grundbirnen gehabt." Der geringste Preis für Kartoffeln war 24 Kreuzer; zuletzt kosteten diese 1 Gulden 48 Kreuzer.

Christmann schließt seinen Bericht mit 1819, in welchem Jahr er einen vollkommenen Herbst meldet.

Dieser erste Chronist von St Martin stirbt am 20. Februar 1824 im Haus 216 an der Kirchgasse. Sein Vater war der 1772 verstorbene Nikolaus Christmann die Mutter Maria Gottlieba Fischer gewesen.

Neben Nikolaus Christmann wird 1772 ein Johannes Christmann junior genannt, gestorben um diese Zeit mit Hinterlassung seiner Witwe Barbara, geborene Rößler, eines vierjährigen Sohnes Heinrich und der einjährigen Tochter Christina, 1742 ein Leonhard Christmann des Gerichts. (Bis zur französischen Revolution bestand in jeder Gemeinde ein Gericht).

In diesen Personen dürften sich die zurzeit in St. Martin existierenden 42 Familien Christmann treffen.

Die 1769 geborene, im Eingang unserer Abhandlung genannte Maria Katharina Christmann, gestorben 1846, war mit dem zu Freimersheim geborenen, zu St. Martin im Haus 271 an der Mühlgasse am 15. August 1836 verstorbenen Georg Schreieck verheiratet. Auf beide gehen die 31 Familien Schreieck des Dorfes zurück.

Dazu haben die Familien Christmann und Schreieck, die durchweg in guten Vermögensverhältnissen leben, von St. Martin aus Zweige nach andern Orten und Amerika verpflanzt.

Georg Schreieck war 67 Jahre alt geworden. Die Alten erzählen von ihm, daß er als Küfergeselle durch verschiedene Länder gekommen, sein religiöser Sinn mit großer Einsicht und Erfahrung gepaart war. Das Neueste suchte er sofort aufzugreifen und zu verwerten.

Auch er hatte bei seinem Tod Aufzeichnungen hinterlassen. Diese besitzt jetzt Herr Valentin Schreieck, finden sich in einem Hundertjährigen Kalender und umfassen die Jahre 1804 bis 1823.

Der erste Hundertjährige Kalender wurde auf das Jahr 1700 herausgegeben von dem Abt Knauer im Kloster Langenheim. Er war getragen von den Anschauungen der Astrologie, die alle Natur- und Menschenereignisse in Beziehung setzte zu den Gestirnen, besonders zu Sonne, Mond und Planeten.

Hundertjähriger Kalender hieß er, weil der Kalender (das Büchlein) durch hundert Jahre, also von 1700 bis 1800, die neue Ausgabe, erschienen 1797, von 1800 bis 1900 in Gebrauch genommen werden konnte.

Die sieben Planeten galten als die Urheber der Witterung. Darum müsse nach sieben (nicht nach hundert Jahren, wie man jetzt den hundertjährigen Kalender vielfach irrtümlich deutet) immer gleiches oder doch ähnliches Wetter wiederkehren.

Nach Wunsch des Kalendermannes benützte Schreieck die dem Kalender beigegebenen freien Blätter zum Aufschreiben seiner Beobachtungen betreff Wetter und Fruchtbarkeit. Die Jahre 1804,11, 18 - 1805, 12, 19 - 1806, 13, 20 - 1807, 14, 21 - 1808, 15, 22 - 1809, 16, 23 - 1810, 17 - die sich ähneln sollten, finden wir darum immer beisammen.

Aber schon der erste Eintrag lautet: "In diesem 1804ten Jahr ist dieser Kalender ein Lügner. Er schreibt dieses Jahr vom Herbst: Es gibt viel oder wenig so wird er sauer - ist aber das Gegenteil. In diesem Jahr hat es soviel Wein gegeben, daß es seit anno 1739 nicht mehr soviel gegeben und ist gut geworden. Das Fuder hat man im Herbst gekauft für 40 fl., weil viele ihren Wein nicht all haben können aufheben".

1805 ist der schlechteste Wein gewachsen, welcher mir gedenkt, ist essigsauer. Es will ihn niemand. In diesem Jahr haben wir den schlechtesten Sommer gehabt. Zum Glück, daß gutes Heu- und Ohmetwetter war". "An sonst haben wir wenig warme Tag gehabt" "und ist der vormjährige Wein gekommen das Fuder auf 200 fl." Die Ausdrücke, "der Kalender lügt", "ist blamiert", werden in der Folge noch öfter wiederholt wie im Jahr 1811 mit trockenem März, April, Mai und seinem sehr warmen Wetter.

1806 ... "Dieser Kalendermann ... ist aber verlogen". Wir haben einen solchen guten Mai als je einer gewesen ist. Auch schreibt er im Weinmonat sehr kaltes Wetter mit Reif und hat nichts gewußt noch weniger gefroren bis an den 20. January".

"Auch schreibt er sehr viele und schwere Gewitter und hat wenig geben".

1813. Der verkündete gute Herbst blieb aus. "ist sehr klein hergangen". Die Trauben sind in der Blute "verderbt wegen kalten Wetter".

1812. Nasser und nebeliger März. Erst an Pfingsten wurde es warm. Doch die Traubenblüte begann erst an Johanni. Darauf fiel Kälte. ein und die Blüten sind verdorben.

1807. Gutes Frühjahr; kein Nachschnee; Wein und Früchte genug.

1809. Sehr wenig und sehr geringer Wein "Es will ihn niemand. Doch ist er besser zu trinken als der 5ter".

1810. Wieder nicht viel Wein, doch dreimal mehr als im vorigen Jahr. Der Wein "ist passierlich gut gilt im Herbst 140 fl."

"Die Trauben haben zu rechter Zeit geblüht, ist aber gleich darauf kalt worden, ansonst hätte es Wein geben und ist auch schlecht Wetter geblieben bis ausgangs des August".

1814.... "keinen Wein außer an dem Berg ein wenig und ums Ort rum".

1816 "haben wir keinen Märzenstaub gehabt"...

"Darauf haben wir erfahren, was die Alten gesagt, wans im April nicht witert, so kommts im Brachmonat". . . "Die Wingert wären schön gestanden, aber wegen schlechter Witterung haben die Trauben erst an Jakoby anfangen zu blühen. Der 15ter Wein ist kommen auf 250 fl.. . . geschrieben am 30. Juli" . . . Die paar Zinklein sind nicht zeitig worden" . . . Dieser Wein ist schier nicht Wein zu nennen, weil er ist wie Essig und sich gar nicht hell macht" ...

1817 ... "das allerschlimmste und schlechteste Jahr" ...

Von den übrigen Einträgen des Schreieck kann hier abgesehen werden, weil sich deren Inhalt mit dem deckt, was Humm, Stöckel und Willem nachher sagen.


top  Top
next  Kapitel II
previous  Kapitel I (1)
history:back

home