I. (1)

 

Es ist schon eine geraume Zeit her, daß ich in meiner Heimat St. Martin auf verschiedene "Hausbücher" aufmerksam wurde, die als alte Erbstücke in einigen Familien erhalten wurden. Das erste hatte mir der verstorbene Kaufmann Johannes Schreieck ehedem überlassen. Ich möchte dies der Aufmerksamkeit seiner Söhne empfehlen und diese bitten, das Heft dem Kreisarchiv in Speyer zuzuführen, in dem auch die andern "Hausbücher", die in der Abhandlung erwähnt werden, wohl am besten geborgen wären. Die Sachen sind wert, daß sie erhalten bleiben.

"Ein kleines Haus- oder Schreibbüchlein 1767" ist dem Heft als Ueberschrift gegeben. Auf den ersten Blättern finden sich Aufzeichnungen über frohe und schmerzliche Vorkommnisse in der Familie des Schreibers. Der Eingang lautet: Anno 1767, den 16. Februar, habe ich Johannes Christmann mit meiner Ehefrau Katharina Barbara, zuvor gewesene Platzin, aber von jetzt an Christmannin geheißen, Hochzeit gehabt.

Anno 1769, den 2. März, ist mein geliebter Ehegemahl Katharina Barbara von dieser Welt abgeschieden. Krankheit und letzte Stunde werden eingehend geschildert. So heißt es: Vormittags um 10 Uhr hat sie und haben auch wir gemeint sie sterbe. Sie begehrte den Herrn Pfarrer. Er war gerade in der heiligen Messe. Als aber die Kirche aus war, habe ich, Johannes Christmann, ihn geholt und sie hat gebeichtet und ist mit allen heiligen Sakramenten versehen worden, wie es einem rechtschaffenen katholischen Christen geziemt.

Eine weitere Ueberschrift in dem Buche lautet:

"Wann unsere Kinder auf die Welt gekommen sind. Das erste, Katharina, ist auf die Welt gekommen den 16. März vormittags um 1 Uhr auf den Mittwoch und im Zeichen des Wassermanns im Jahr 1768. Es ist gestorben den 30. März und ist alt geworden 14 Tage und 3 Stunden.

Das zweite, Maria Katharina, ist auf die Welt gekommen den 23. Februarius um 3 Uhr nachmittags und hat zur Göthel (Patin) gehabt Kath. Woltzin, Schulfrau, 1769. Ihr Geburtstag ist der Tag vor Mathesen-Tag, ein Donnerstag, im Zeichen der Wage." usw.

Der zweite Teil der Schrift aber hat den Charakter einer Chronik erhalten. Alle Vorgänge von allgemeinem Interesse finden Beachtung.

Kriegsereignisse, Witterung, Weinerträgnisse, Lebensmittelpreise werden alljährlich aufgezeichnet.

Damit einzelne Angaben verstanden werden, sollen der vorkommenden alten Maße gedacht werden. Der Weinbauer bestimmt die Größe seiner Felder noch jetzt mit "Viertel". Es ist damit ein viertel Morgen gemeint, der Morgen zu 70 bis 80 Dezimalen gerechnet." (Ein Tagewerk hat 100 Dezimalen oder 34,07 Ar.)

Das Maß für Most (gequetschte Trauben) ist die Hotte oder Logel zu 40 und 50 Liter. Der Wein wird nach Ohm, Fuder und Stück verkauft. Ein Fuder hat zehn, das Stück zwölf Ohm, eine Ohm hundert Liter. Dreißig Hotten Most sollen ein Fuder Wein geben.

Gulden, Kreuzer, Taler sind das Geld. Der Gulden kam um 1400 als Goldmünze zuerst in Florenz in Gebrauch, wurde daher Floren genannt und mit fl bezeichnet. Später prägte man besonders am Rhein Silbergulden, kurz Gulden genannt, die einen Wert von 60 Kreuzern (je 3 Pfg.) hatten. Der Taler entsprach in seinem Wert dem späteren Dreimarkstück.

Das Getreide wurde nach Maltern (Doppelzentnern), die Kartoffeln (Grundbirnen) u. dgl. nach Simmern(Korb) verkauft, einem Hohlmaß in Frankfurt von 28,68 Ltr., in Hessen 32 Ltr., in der Rheinpfalz 12,5 Ltr.

Christmann fährt weiter: Anno 1767, den 16. Hornung, habe ich Hochzeit gehabt und besaß meine Frau noch Wein von dem Sechsundsechziger 1 Fuder, 4 Ohm und 8 Viertel. Sie hat im Herbst 82 Hotten voll Most gemacht und die Hotte voll Most gab eine Hotte voll Wein. An Michaeli 1767 habe ich diesen Wein verkauft das Fuder um 105 Gulden und einen großen Taler. Denselben Wein hat man im Anfang des 67igerJahres um 50 Gulden gekauft.

Anno 1767 haben wir in 10 Viertel Wingert zwei und eine halbe Ohm Wein gemacht. Derselbe war schlecht. Doch galt das Fuder 60 Gulden.

Anno 1768 habe ich Wein gemacht in 10 Viertel Wingert 3 Fuder. Das Fuder galt 50 Gulden. Er war so mittel, etwas besser als der 67iger.

Anno 1769 habe ich Wein gemacht in 13 Viertel Wingert 1 Stück und 1 Ohm. Er war so ,mittel, dem 68iger gleich. Das Fuder gilt 50 Gulden. In diesem Jahr war am Anfang ein guter Herbst zu hoffen. Aber der Wurm ist vor der Blüte hineingekommen und ist darin geblieben bis zum Herbst. In diesem Jahr gab es schädliche Gewitter mit Schloßen in den umliegenden Orten.

Anno 1770 waren anfangs wieder Aussichten zu einem recht guten Herbst. Aber der Wurm ist

wieder gekommen und während der Blüte war schlechtes Wetter. Auf Jakobi hat sich ein Nebel eingesellt. Dieser hat die Trauben, welche blühten, verdorben. Das waren meistens Gutedel. Die andern waren schon verdorrt, daß es klein hergegangen ist. Ich habe in 17 Vierteln Wingert ein Fuder und 3 Ohm Wein gemacht. Er war dem 68iger gleich, etwas besser als der 69iger und das Fuder galt im Herbst 70 Gulden. Wir hoffen aber mit Hilfe Gottes im zukünftigen Jahr mehr zu bekommen. In diesem Jahr galt das Malter Korn während der Ernte 11 Gulden, im Herbst 8 Gulden, die Spelz 4 Gulden 48 Kreuzer, die Gerste 6 Gulden 36 Kreuzer, das Simmern Grundbirnen anfänglich 12, später 24 und 25 Kreuzer, das Pfd. Butter 16 Kreuzer. Am 26. März war ein großer Schnee gefallen und eine strenge Kälte eingetreten, daß es den ganzen Winter nicht so kalt gewesen ist wie damals. Diese Witterung hat gegen 14 Tage angehalten Im Jahr 1770 waren auch die dritten Feiertage abgestellt worden. Osterdienstag war der erste. Es war eine ganze "Verstörung" im Volk und es gefiel die Aenderung den Leuten gar nicht.

1771 war die schlechteste Zeit und die Frucht noch so teuer wie im vorigen Jahr. Mit dem Herbst ist es wieder klein hergegangen. Ich habe soviel geerntet wie im vorigen Jahr, ungefähr 15 Ohm. Der Wein war etwas besser als der

70iger und das Fuder gilt 80 Gulden. Im Anfang dieses Jahres meinte man wieder einen guten Herbst erwarten zu können. Aber in der Blüte ist wieder ein Unwetter eingefallen und was dabei nicht verdorben war, das hat der Wurm, wenn auch nicht in allen Gewannen, vor und nach der Blüte verdorben.

Anno 1772 war die Zeit anfangs noch so klein und so hart, als sie je einmal gewesen. Die Frucht hatte noch den Preis vom vorigen Jahr, das Korn galt 8 bis 9 Gulden, die Spelz 8 Gulden. Doch war alles noch zu bekommen, wenn man nur Geld gehabt hätte. Weil es aber schon solang mit dem Herbst gefehlt hatte, war das Geld sehr rar. Hingegen erhoffen wir in diesem 1772iger Jahr einen guten Herbst wenn der liebe Gott seinen Segen gibt. Die Trauben hatten in der Blüte gutes Wetter und an Jakobi haben wir in unsern Wingerten schon schöne und viel Trauben und hängen sich diese schon am dem genannten Tag. Gott sei es gedankt! In diesem 1772iger Jahr haben wir einen guten Herbst gemacht und guten Wein bekommen. Ich habe in 17 Viertel Wingert 8 bis 9 Fuder Wein geerntet und das Fuder galt an Martini 50 und auch 56 Gulden.

Anno 1773. In diesem Jahr war es schon wieder besser. Da kaufte man das Malter Korn für 5 Gulden 30 Kreuzer von der Ernte bis Weih-

nachten, die Gerste um 4, Spelz um 3 Gulden. Aber der Herbst hat sich schön gezeigt! Während der Traubenblüte war vier Wochen lang Regen und kaltes Wetter. Die Trauben sind stark abgefallen und was noch geblieben, war kleinbeerig. Viele Trauben sind samt den Kämmen abgefallen. Sonderbar haben die Gutedel noch nicht gefehlt, seitdem mir es denkt. In diesem Jahr habe ich 1 Stück und 1 Ohm Wein gemacht.

1773 waren die Jesuiten-Geistlichen im ganzen Land vertrieben worden, weil sie den großen Herren die Wahrheit gesagt.

Anno 1774 war der Preis von der Frucht wie im vorigen Jahr. Gott sei Dank! In diesem Jahr haben wir eine solche Trockenheit gehabt, daß eine solche Hitze seit Menschen Gedenken nicht gewesen ist. Vierzehn Tag vor Johanni haben die Trauben bereits geblüht und gutes Wetter gehabt. Aber während der Blüte war der Brand in die Wingert gekommen und dieser hat vielen Schaden verursacht. Doch haben wir guten Wein bekommen, ungefähr halb soviel als im 72iger Jahr. Ich erhielt 4 Fuder 9 Ohm und das Fuder kostet an Martini 60 Gulden.

Anno 1775 war ein gesegnetes Jahr. Der Wein ist wieder wohl geraten und auch gut geworden. Ich habe ungefähr 8 Fuder erhalten und das Fuder galt vom Herbst bis Weihnachten jederzeit 40 Gulden. Auch die Frucht ist im Preis zu kau-

fen. Das Obst ist gleichfalls wohl geraten, daß es bei Manns Gedenken nicht soviel Aepfel und Birnen gegeben hat. Im Frühjahr aber war uns der Mut ganz genommen, denn man hatte gemeint die Wingert wären alle erfroren. Die Augen an den Reben waren meistenteils schwarz. So konnte man nicht glauben, daß es viel Wein geben könnte. Doch haben die erfrorenen Augen wieder ausgeschlagen.

Im Jahre 1776 ist Gott sei Dank der Herbst, wenn auch in den einzelnen Gewannen Unterschied war, wieder passierlich ausgefallen. Wo aber die Rebsticher gewesen, hat es nicht viel gegeben. Diese haben großen Schaden angerichtet. Ich erhielt vier bis fünfthalb Stück oder vier Fuder 5 Ohm Wein. Aber Obst hat es in diesem Jahr wenig gegeben, vor allem keine Aepfel. Gut ist es, daß die Frucht einen angemessenen Preis hat, und gilt das Korn in der Zeit von der Ernte bis Weihnachten 3 Gulden 40 Kreuzer und Spelz und Gerste haben auch einen ordentlichen Preis.

Anno 1777 war es schier zu sagen auch wieder schlecht. Es hat sehr wenig Wein gegeben, doch galt er 50 bis 60 Gulden. Auch die Frucht war schlecht geraten; wir hatten in diesem Jahr sehr naß. Schon das Frühjahr brachte keine günstigen Aussicheten zu einem guten Jahr. Es wäre aber mit dem Weinstock noch gut geworden, wenn die

Rebsticher nicht aufgetreten wären. Auch die Frucht war noch ziemlich geraten. Gleich nach der Ernte kostete das Korn 3 Gulden 30 Kreuzer, ist aber weiter gekommen auf 5 Gulden 20 Kreuzer, während die Spelz mit 2 Gulden 15 Kreuzer bezahlt wurde.

Anno 1778. In diesem Jahr war es sehr schlecht und ist es das allerschlechteste Jahr in meinem ganzen Gedenken. Nichts als 7 Hotten voll Most habe ich in all meinen Wingerten gemacht. Im Anfang des Jahres war man guten Mutes, dieweilen die Wingert sehr schön aufgegangen. Sie sind aber gleich darauf in der Nacht von Gründonnerstag zum Karfreitag (16. zum 17. April) sehr übel erfroren. Doch hatte man geglaubt, es könnte noch Wein genug geben. Es war dies aber gefehlt. Zwar haben die Wingerte Holz genug getrieben, aber keine Samen mehr gezeigt. Auch das Obst ging zugrunde. Die Frucht aber ist in diesem Jahr sehr wohl gediehen, daß es schon lange nicht mehr soviel Getreide gegeben. Dennoch galt das Malter Korn 6 Gulden, die Spelz 3 Gulden. Das Schlimmste aber ist, daß die Grundbirnen zum Teil sehr schlecht geraten sind.

Im Jahr 1779 ist es, Gott sei Dank, noch besser gegangen, als man es sich im Frühjahr geschätzt. Im Winter waren die Weinberge, besonders die Gutedelstöcke sehr übel erfroren, daß vielerorts die Wingerte im Brachmonat (Juni)

noch ausgesehen haben wie im Winter. Durch das gute Wetter aber sind sie, was nicht völlig erfroren war, auf einmal gekommen und in der Geschwindigkeit groß gewesen. Vierzehn Tage vor Johanni haben sie schon geblüht. Zum Unglück aber ist kaltes Regenwetter eingetreten und hat vieles in der Blüte verdorben. Die Weinberge hatten soviele Samen, daß man gemeint, es gebe einen vollkommenen Herbst. Doch habe ich gemacht 3 Fuder Wein und er war so gut als je einer in meinem Gedenken. Das Fuder galt an Martini 60 Gulden. Auch war dieses Jahr dem 75iger gleich im Obst, das im Ueberfluß gewachsen. Die Frucht ist gleichfalls sehr gut geraten. Das Malter Korn gilt 3 Gulden 40 Kreuzer, die Spelz 2Gulden 30 Kreuzer, das Simmern Grundbirnen 6 Kreuzer. In Summa ist in diesem Jahr alles wohl geraten. Nur der Weinstock war erfroren; doch hatte ihn Gott noch gesegnet, denn man hatte nach dem Herbst noch soviel, als man sich vorher geschätzt. Es war vom Frühjahr an bis Martini kein Unwetter gewesen außer jenem während der Traubenblüte. Im Frühjahr darauf (1780) war die Frucht in einem sehr wohlfeilen Preis und wurde das Malter Korn an Pfingsten um 3 Gulden und weniger, das Simmern Kartoffeln zu 3 Kreuzer verkauft.

Im Jahr 1780 war der Herbst wieder gut ausgefallen. Im Frühjahr hatte man dies jedoch

nicht erhofft. Alls man damals die Weinberge schnitt, mußten aus manchen Vierteln Wingert 4 bis 5, sogar bis 6 Fahrten (Schubkarren) Stöcke entfernt werden und hatte man beinahe den ganzen Sommer hindurch kein Holz nötig außer den erfrorenen Rebstöcken. Doch hat uns Gott seinen Segen mitgeteilt. So habe ich 10 Stück Wein geerntet und das Fuder galt im Herbst 40 Gulden. In diesem Jahr herrschte aber eine solche Trocknung, daß es auf vielen Wiesen kein Ohmet (zweites Heu) gab und in den Weinbergen kein Futter zu bekommen gewesen. Die Wiesen welche nicht ausgedorrt waren, mußte man abgrasen um das Vieh zu erhalten. Die Frucht, besonders Korn und Spelz, sind nur mittelmäßig geraten und die Sommerfrüchte standen wegen der großen Trodenheit sehr schlecht. Kurz vor dem Herbst fiel zum Glück einiger Regen, sonst hätte man auch nicht viel Wein erhalten. Das Korn galt 4 Gulden 36 Kreuzer, die Spelz 3 Gulden. Mit den Kartoffeln war es schlecht bestellt und dieselben haben sehr gemangelt. Dabei hatte es auch kein Winterobst gegeben.

Anno 1781 hatten wir eben wieder einen solchen hitzigen Sommer wie im vorigen Jahr. Bereits 14 Tage vor Johanni waren alle Trauben verblüht und dieselben haben sich auf den genannten Tag schon gehängt. Alles wunderte sich über diese rasche Entwickelung und erhoffte einen voll-

kommenen Herbst. Doch bald darauf kam der Brand in die Weinberge und der Wurm in die Trauben. Außerdem hat es am Samstag vor Laurentius (10. August) sehr viele und große Schloßen gegeben, daß man hier den dritten Teil der Ernte verloren schätzte. In den nächsten Orten aber wie Edenkoben, Rhodt, Hainfeld und Burrweiler war alles verschlagen, während es bei uns noch gnädig abging. Die Traubenbeeren, welche getroffen, aber nicht zerfetzt waren, haben zwar schwarze Flecken behalten, blieben aber sonst gut, vor allem die Gutedel. Darum haben wir in diesem Jahr ebensoviel Wein bekommen wie im vorherigen. Niemand hatte sich dies geschätzt. Es kam daher, daß es im Anfang vom Herbst einige Tage regnete. So sind die Trauben aufgegangen und groß und der Wein gut geworden. Es fiel in diesem Jahr etwas mehr Regen als im vorherigen und die Trauben konnten daher schön auszeitigen. Sie sind ganz braun geworden wie es zuvor niemand gesehen. Doch galt das Fuder Wein nur 80 Gulden und viele Leute waren genötigt sich während des Herbstes neue Fässer zu kaufen, wie auch ich ein solches für mich gemacht, da man den Wein nicht absetzen konnte. Doch im folgenden Herbst stieg dieser Wein im Preis und kostete 70 Gulden.

Im Jahr 1782 hat man während des Frühjahres nicht geglaubt, daß wir könnten Wein ma-

chen; an Pfingsten (19. Mai) waren die Weinberge noch vollständig tot. Darauf ist aber eine große Hitze eingefallen und alles rasch gewachsen. An Johanni standen die Trauben bereits in Blüte und sind auch rasch ausgewachsen. Als sie aber sollten reif werden, trat schlechtes Wetter ein. Um keinen gar zu schlechten Wein zu bekommen, mußten wir spät herbsten, denn an Michaeli (29. Sept.) waren die Trauben noch nicht zeitig. Wäre der Wurm nicht aufgetreten, so hätte es in diesem Jahr einen vollkommenen Herbst geben können. Auch war von Jakobi bis Michaeli eine solche Lamentation wegen der Fässer wie nie zuvor. Die Ohm Faß kostete in Eisen gebunden 3 Gulden, in Holz 2 Gulden. Wein gab es in befriedigender Menge; aber er war gering. So habe ich neun Fuder geerntet; doch ist kein Kauf darin, wenn auch einige Mengen für 32 bis 33 Gulden wie im vorigen Jahr abgesetzt wurden. Der Wein behielt diesen Preis bis 0stern 1783 und stieg dann auf 40 Gulden, während man für den 81iger um diese Zeit bis 80 Gulden erlöste.

1783 haben wir Gott sei Dank wieder ein gutes Jahr gehabt und sehr guten Wein bekommen. Ich glaube, daß es der beste sein wird, den ich je erhalte. Dabei hat es auch ziemlich gegeben, wenn auch in den Gewannen Ueberfeld, Forst und Huben der Wurm viel Schaden gebracht. Ich habe 8 bis 9 Stück bekommen. Nach Michaeli fing

man gleich an zu lesen wegen der Dürre. Der Witterung halber hätte es nicht geeilt, denn von Mathesentag bis Martini hatte man noch keinen Regen und es war bis Allerheiligen so warm, daß man die ganze Zeit hindurch barfußlaufen konnte. Die Rüben in den Wingerten sind nach dem Herbst vollständig verwelkt. Von Allerheiligen an hatte man strenge Kälte. Der Hauptregent war der Saturn. Drei Tage vor dem Neujahrstag 1784 fiel aber eine solche Kälte ein, wie sie nicht zu beschreiben ist. Sie hat aber nur zwei Tage und 3 Nächte gedauert. Doch ist gleich nach Neujahr ein großer Schnee gefallen. Nach 24 Stunden lag er über zwei Schuhe hoch. Er blieb neun Wochen lang liegen und es hat dazu immer noch neuen Schnee gegeben, daß man vielfach nichts mehr von den Wingerten sah. Oft mußten wir im Fron durch den Schnee Bahn machen auf den Straßen und in den Wald. An manchen Stellen lag der Schnee 7 bis 8 Schuh hoch. Nur sehr schwer konnte man sich das nötige Brennholz beschaffen wegen des Schnees und der Kälte. Man fürchtete, der Schnee würde lange Zeit brauchen, bis er wieder weg sei. Aber in einer Woche war er sauber verschwunden und man wußte nicht, wohin er kam. Dazu ist auch das Hochwasser, welches man für das nächste Frühjahr befürchtete, gnädig abgegangen. Vielfach wurde auch erzählt, daß sich bei dem hohen Schnee und der großen Kälte an


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