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An der Rückseite des Hochaltares der St. Martiner Pfarrkirche ist eine Bleitafel angebracht,
die eine lesenswerte Inschrift trägt.
Die Tafel ist stellenweise beschädigt und zudem noch um einige 'Graffiti' erweitert,
was ihre Lesbarkeit etwas erschwert.
Vielleicht ist letzteres der Grund dafür, dass sich in St. Martin hartnäckig das Gerücht hält,
dieselbe gebe Auskunft über den
Bevölkerungsstand St. Martins am Ende des 30jährigen Krieges.
Um diesem Irrtum ein Ende zu bereiten, sei sie hier noch einmal wiedergegeben und kommentiert.
IHS
RENOVATU[s] 1796
FRIEDERIC: CHRI[s]TMANN SCHULTZ.
MARTIN PLATZ, [j...] S[eebe]R,
JACOB REMMIG D[e]S GERICHTS.
CASPAR JOSEPH G[e]RAU BURGEM:
JOH: MATHA[e]US PLATZ BURGM:
BÜRGER 180 WITTWEIBER 35
Kleinbuchstaben sind Ergänzungen.
IHS: Christusmonogramm (IES), gedeutet als 'Iesus Hominum Salvator'.
RENOVATUs: erneuert
SCHULTZ: Schultheiß, Ortsvorsteher
BURGEM: Bürgermeister (nicht im heutigen Sinne, sondern Gemeindepfleger)
Zur Datierung
In einem "Kuhbron-Register vor das Erste quartal 1793" (LA Speyer) tauchen u.a. die folgenden
Personen auf:
- "Friedrich Christmann der mitle
- Martin Platz
- Johannes Seber
- Jakob Remig
- Castbar Joseph Girau
- Johannes Platz"
Somit dürfte zweifelsfrei feststehen, dass "1796" als das Entstehungsjahr der Gedenktafel zu verstehen ist
und sich nicht auf eine mögliche Reparatur derselben beziehen kann, wie auch schon zu lesen war.
Außerdem sind "Bürger" um das Jahr 1650 in St. Martin schwer vorstellbar.
Bleibt noch zu fragen, was damals erneuert worden ist.
Da alle genannten Personen von weltlichem Stand sind, wäre die "Erste Adresse" für den ursprünglichen
Anbringungsort der Turm der Pfarrkirche. Das für eine Inschrifttafel relativ ungewöhnliche Material (Blei),
vor allem bei der Dachdeckung des Turmhelms benötigt, legt nahe, an eine Sanierung des Kirchturms im Gefolge
des Umbaus des Kirchenschiffs von 1779 zu denken.
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